Lakia Association for the Improvement of Women’s Status, Israel/Palästina – Empowerment von Frauen durch Bildung

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Naama AlSana, Leiterin des Desert Embroidery Projekts und Asmaa AlSana, Vorstand von Lakia. Foto: © Ines FischerNaama AlSana, Leiterin des Desert Embroidery Projekts und Asmaa AlSana, Vorstand von Lakia. Foto: © Ines FischerProjektgebiete: Die Beduinensiedlung Lakia, nahe Beersheba, Israel

Wird von TDF unterstützt seit: 2003

Zielgruppe: beduinische Frauen  

Projektaktivitäten:

  • Empowerment und Bildungsarbeit von und für Frauen
  • Organisation von Diskussionsrunden für Mädchen und Frauen
  • Begleitungsprogramme für beduinische Kinder in Schulen der Region, Ferienkurse für Kinder
  • Eine mobile Bibliothek, die durch die Siedlungsorte der Beduinen fährt
  • Das Projekt „Desert Embroidery“: Herstellung und Vermarktung beduinischer Wüstenstickerei

Projektgründerin/Leiterin: Asmaa AlSana

Kontakt: Ehrenamtliche Projektkoordinatorin Ines Fischer (israel-palestine@frauenrechte.de) oder
TERRE DES FEMMES-Referat Internationale Zusammenarbeit (iz@frauenrechte.de)

Projektflyer: Informationsflyer Lakia Women’s Association (PDF-Datei)

Hintergründe und Projektbeschreibung

Allgemeine Situation beduinischer Frauen in Israel und Palästina

Die Sicherheitslage in Israel bleibt weiterhin sehr problematisch. Erst Anfang Mai 2019 ist es wiederholt zu einem Raketen- und Mörserbeschuss aus dem Gaza-Streifen heraus auf israelisches Staatsgebiet und zu israelischen Gegenangriffen gekommen. Inmitten dieses Konflikts lebt bis heute die beduinische Bevölkerung.

Laqiya-Frauen. Foto: © Ines FischerLaqiya-Frauen. Foto: © Ines FischerDie Negevwüste im Süden Israels ist seit langer Zeit die Heimat von rund 220.000 nomadischen Beduinen. Die Beduinen sind als ehemals nomadisches Volk hauptsächlich in Nordafrika, im Westjordanland und in Israel/Palästina angesiedelt. Rund um die Wüste Negev lebten sie schon seit mehreren hundert Jahren. Nach der Staatsgründung Israels 1948 mussten viele von ihnen fliehen und ihnen wurde ein Großteil ihres Territoriums enteignet. Dadurch verloren sie neben ihrer einst großflächigen Grundstücke auch ihre Lebensgrundlage, die Viehzucht. Heute sind knapp die Hälfte aller in Israel lebenden Beduinen dazu gezwungen in den nicht anerkannten Siedlungen mit „illegalem“ Status zu leben. Diese Siedlungen verfügen über keine stabile Infrastruktur, es fehlen Wasser- und Abwasserleitungen, eine Stromversorgung sowie Krankenhäuser und Schulen.

Die Häuser auf den „illegalen“ Siedlungsgebieten sind ständig vom Abriss bedroht. Insgesamt wurden laut Human Rights Watch (HRW) in den vergangenen 40 Jahren tausende Häuser der Beduinen zerstört. Zwar verweist Israel auf die sieben legalen Siedlungen, welche es zur Verfügung gestellt hat, diese gehören laut HRW jedoch allesamt zu den acht ärmsten Gemeinschaften Israels und seien in ihrer Infrastruktur nicht ausreichend ausgestattet, um einen weiteren Zustrom zu bewältigen. Zusätzlich kommt hinzu, dass große Teile der Negevwüste nicht in die „Eiserne Kuppel“, den Raketenschirm Israels, eingeschlossen sind. Dies führt dazu, dass nicht vor Angriffen gewarnt wird und so bereits viele Häuser zerstört wurden. Die Beduinen in Israel gehören damit nicht nur zu einer der ärmsten, sondern auch zu einer der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen.

Durch die erschwerte Lebenssituation hat sich auch für die Beduinen-Frauen viel verändert. Zuvor besaßen sie feste Rollen in der Ausführung ihrer herkömmlichen Aufgaben, wie etwa Wasser vom Brunnen zu holen, die Tiere zu versorgen und Feldarbeit zu betreiben. Dadurch konnten sie sich nicht nur Bewegungsfreiheit und Entscheidungsrechte sichern, sie waren auch in der Lage sich durch die Begegnung mit anderen Frauen auszutauschen. Durch die Landenteignungen wurden sie in diesen Möglichkeiten stark eingeschränkt.

Zusätzlich leiden die Frauen unter der stark patriarchalischen beduinischen Gesellschaft. Viele von ihnen sind von häuslicher Gewalt, fehlender Schul- oder Ausbildung und sozialer sowie ökonomischer Abhängigkeit betroffen. Im Durchschnitt bekommt eine Beduinenfrau 5,7 Kinder. Ein Grund dafür ist Polygamie, welche in der Beduinengesellschaft herkömmlicherweise praktiziert wird, obwohl diese seit 1959 gesetzlich verboten ist.

Seit 2003 unterstützt TERRE DES FEMMES die Lakia-Frauenorganisation, die sich durch Bildungsangebote und Frauen-Empowerment für ein selbstbestimmtes Leben der beduinischen Mädchen und Frauen einsetzt.

Die Projektarbeit der Lakia Women’s Association

Die mobile Bücherei der "Association for the Imrovement of Women's Status". Foto: © LakiaDie mobile Bücherei der "Association for the Imrovement of Women's Status". Foto: © LakiaDie Frauenorganisation „Association for the Improvement of Women’s Status, Lakia“ wurde 1996 von Amal El Sana gegründet, einer engagierten Frau aus Lakia, die sich nach ihrem Studium für die Rechte der arabischen Minderheit in Israel/Palästina und insbesondere für die Rechte von Beduinenfrauen einsetzte.

Die Organisation wird von Beduinenfrauen geleitet und die Schwerpunkte ihrer Arbeit, Empowerment und Bildung für beduinische Mädchen und Frauen, spiegeln sich in der Projektarbeit wieder. Dies umfasst unter anderem den erfolgreichen „Bücherbus“, Programme zur Förderung von Kindern und Jugendlichen sowie die Herstellung und Vermarktung von traditionellen beduinischen Wüstenstickereien.

 

Projektaktivitäten der Lakia Association

Das Projekt „Desert Embroidery“

Beudinenfrauen bei Stickarbeit. Foto: © LakiaBeduinenfrauen bei Stickarbeit. Foto: © Lakia

Ein wichtiger Bestandteil ist das Projekt „Desert Embroidery“ (Wüsten-Stickerei), welches für die Frauen vor allem zum Aufbau einkommensschaffender Aktivitäten dient. Die Produktion und der Verkauf traditioneller Stickereiwaren dienen den beduinischen Frauen als alternative Einnahmequelle, sodass sie nicht nur unabhängiger und selbständiger leben können, sondern auch ihre Rolle innerhalb der Familie verbessern. In einem Beduinenzelt werden bei einer traditionellen Teezeremonie die Stickereiprodukte für interessierte Besuchergruppen präsentiert. Im Jahr 2017 kamen 250 interessierte Gruppen zu Besuch. Das Zentrum ist zertifiziert um Besuchergruppen zu empfangen, die im Rahmen des „Birthright Program“ kommen. Dabei handelt es sich um ein Programm für jüdische Personen aus den Vereinigten Staaten, Europa und Südamerika, welche ihre Verbindung zu Israel vertiefen möchten. Allerdings hat der Tourismus durch die politische Situation nachgelassen. Erst vor kurzem gab es wieder Raketenbeschuss, der auch in Lakia und Rahat zu Verletzten geführt hat.

Daher ist ein weiteres wichtiges Ziel des Projektes „Desert Embroidery“ die Vermarktung der hergestellten Produkte auszuweiten. Zukünftig soll man die Möglichkeit haben, diese auch aus dem Ausland online zu bestellen. Seit Mai 2018 kann ein Teil der Produkte bereits auf der Webseite der israelisch/palästinensischen Organisation „Green Olive Collective“ oder auf der Webseite von "Desert Embroidery" bestellt werden.

Auch bietet das Projekt Kurse zu Familiengesundheit, Ernährung, Frauenrechten und Marketingstrategien an.

Bildungsarbeit

Eine Gruppe von Mädchen beim Lernen – Foto: © Ines FischerEine Gruppe von Mädchen beim Lernen – Foto: © Ines Fischer

Die Bildung und das Empowerment von jungen Menschen, d.h. der zukünftigen Generation, sind der Organisation besonders wichtig. In Kooperation mit einigen Schulen in Lakia werden pädagogische Programme für beduinische Kinder und Jugendliche organisiert. Außerdem bietet die Organisation Englisch- und Mathematikunterricht an und organisiert jeden Sommer einen Ferienkurs für Kinder. Ein wichtiges Thema ist zudem Gewalt in der Familie: Für Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren wird daher ein Workshop angeboten, der sie dafür sensibilisieren soll, sich in konfliktreichen Situationen anders zu verhalten, als sie es oft im Elternhaus gelernt haben.

Der „Bücherbus“

Dreimal die Woche fährt eine mobile Bibliothek mit hebräischen, arabischen und englischen Büchern durch Lakia und die „illegalen“ Beduinensiedlungen in der Region. Der Bücherbus wird seit vielen Jahren von der Association auf privater Spendenbasis betrieben. Im Jahr 2017 erhielten sie jedoch zudem erstmals staatliche Unterstützung im Rahmen eines Programmes des israelischen Kulturministeriums. Seit Oktober 2017 können so 10 beduinische Dörfer angesteuert werden. Fünfmal die Woche werden vormittags Schulen besucht, sodass die Kinder sich Bücher ausleihen können und zum Lesen motiviert werden. Das Angebot des Bücherbusses in Lakia, Owajan und Abu Kaf, welches fünfmal die Woche nachmittags und an den Wochenenden stattfindet, bleibt weiterhin bestehen. Insgesamt profitieren mittlerweile ca. 2000 Kinder in der nördlichen Region der Negevwüste von dem Angebot der mobilen Bibliothek.

Austausch und Diskussionsrunden

Teezeremonie und Präsentation der  Stickereiprodukte. Foto: © Lakia

Weiterhin werden im Rahmen des Projektes „Youth Leadership“ Diskussionsrunden für junge Mädchen organisiert. Hier können sie nicht nur mit SozialarbeiterInnen über Themen reden, die innerhalb der Familie meist nicht angesprochen werden, sondern sie werden auch zu Menschenrechten, Marketing, Haushalt und Projektentwicklung geschult. Die teilnehmenden Mädchen werden in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt und ermutigt, öffentlich über die Probleme als Jugendliche in der beduinischen Gesellschaft zu reden und so die Zukunft für sich und andere Mädchen positiv zu verändern.

Ein wichtiges Element der Arbeit im Jahr 2016 war die Sensibilisierung von Männern und Jungen. Um eine traditionell patriarchalisch geprägte Gesellschaft zu verändern, ist ein Aufbrechen althergebrachter Rollenbilder notwendig. In Workshops wird über Rollenbilder diskutiert, werden Konflikte thematisiert oder konservative Familienbilder hinterfragt.

 

 

 

Erfolge des Projekts

Die mobile Bibliothek besucht Kinder in der illegalen Beduinensiedlung Owajan.
Foto: © LakiaDie mobile Bibliothek besucht Kinder in der illegalen Beduinensiedlung Owajan. Foto: © Lakia

  • Obwohl die Organisation anfänglich auf Widerstand innerhalb der Beduinengemeinschaft gestoßen ist, haben sich die Frauen in Lakia durchgesetzt und sind nun eine weithin anerkannte Frauenorganisation.
  • Insbesondere durch das Empowerment jüngerer Beduinenfrauen und deren Zugang zu Bildung wurden erfreuliche Ergebnisse erreicht: Mehr Beduinenmädchen denn je gehen in die Schule oder studieren an der nahe Lakia gelegenen Universität in Beersheba. Alle TeilnehmerInnen, die den angebotenen Englisch-und Mathematikunterricht von 2014-2017 besuchten bestanden ihre Prüfungen. Ihnen wurde so der Zugang zu weiterführender Bildung ermöglicht.
  • Auch die mobile Bibliothek, welche mittlerweile rund 2000 Kinder und insgesamt 10 legale und „illegale“ beduinische Dörfer mit Lesematerial versorgt, hat sich als wichtiges Bildungsmedium erwiesen: Nicht nur, weil nur wenige Familien Geld für Bücher haben, sondern auch, weil Kinder die Bücher zu ihren Müttern mit nach Hause nehmen können.
  • Durch das Projekt „Desert Embroidery“ werden Frauen in ihrer ökonomischen Unabhängigkeit gestärkt. Außerdem werden regelmäßig Vorträge und Ausflüge veranstaltet, durch die sich die Frauen weiterbilden können und mehr am gesellschaftlichen Miteinander teilhaben.
  • Die interkulturelle Zusammenarbeit in der Region hat sich in den vergangenen zwei Jahren weiter vertieft: Neben dem schon bestehenden freundlichen Verhältnis zwischen der Lakia Women’s Association und einem in der Nähe gelegenen jüdischen Kibbuz wurden Treffen zwischen Frauen unterschiedlicher Glaubensrichtungen organisiert, um einen friedlichen interkulturellen Austausch zu fördern.
  • 2015 wurde die Leiterin von Lakia, Naama Al Sana, mit dem „Rappaport Lifetime Award for Women Generating Change in Israeli Society“ ausgezeichnet. Diese Auszeichnung verschaffte der Frauenorganisation noch größere Popularität.
  • Darüber hinaus erhielt Al Sana am 6. Dezember 2016 den Negev Ben Gurion Award für ihr Engagement. Anlässlich dieses Erfolgs hat uns diese Nachricht von Lakia erreicht:
    We are very proud of Naama AlSana, a founder and director of our Lakia organization who was awarded the Negev Prize, the first time a member of the Bedouin community has received this honor! The University presented the Ben-Gurion Negev Award to Naama Elsana for her efforts to promote gender equality and to empower women in Bedouin society. Elsana is one of the founders of the Lakiya Association for Improvement of Women’s Status and of the Bedouin Tourism Forum, and heads the Desert Embroidery Project, which offers women employment and a way to express themselves, develops leadership and improves their status."

 

Aktiv werden & Spenden

Obwohl die Lakia Women’s Association schon vieles erreicht hat, ist die Gegend um Lakia doch sehr arm und die Arbeit der Frauen ist immer noch auf Spenden und unsere Unterstützung angewiesen.

Die jahrzehntelangen Konflikte in Israel/Palästina erschweren den Aufbau einer stabilen Infrastruktur, die wichtig wäre, um Materialanschaffung, Arbeitsbedingungen und Vermarktung der Stickereiprodukte zu sichern.

Unterstützen auch Sie die Lakia-Frauenorganisation beim Verkauf ihrer Beduinen-Stickerei-Produkte.

Unterstützen Sie Lakia mit einer einmaligen Spende oder spenden Sie regelmäßig und werden Sie FörderIn!

Sie können auch mit dem Stichwort „Israel/Palästina“ auf folgendes Konto spenden:

EthikBank
IBAN DE35 8309 4495 0103 1160 00
BIC GENODEF1ETK

 

Weitere Informationen

Flyer

Jahresberichte

Die ehrenamtliche Projektkoordinatorin Ines Fischer berichtet jährlich zu den Projektentwicklungen:

Reiseberichte

Öffentlichkeitsarbeit

Webseite der Organisation: http://www.desert-embroidery.org/

 

Weitere Informationen erhalten Sie bei

TERRE DES FEMMES e.V.
Brunnenstr. 128, 13355 Berlin
Tel: 030 - 40 50 46 99-0
E-Mail: Kontaktformular

oder bei der

TERRE DES FEMMES Projektkoordinatorin
Ines Fischer
E-Mail:

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