FLORIKA, Bulgarien – Prävention von Frauenhandel

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Mädchen im Projekt FLORIKA in Kleidern, die sie selbst im Nähunterricht hergestellt haben. Foto: © TERRE DES FEMMESMädchen im Projekt FLORIKA in Kleidern, die sie selbst im Nähunterricht hergestellt haben. Foto: © TERRE DES FEMMESInterventionsgebiete:
Bulgarien, Stadt Burgas am Schwarzen Meer

Wird von TDF unterstützt seit: 2012

Zielgruppe: Benachteiligte Mädchen aus einem Roma-Viertel der Stadt Burgas

Projektaktivitäten:

  • Pädagogische Förderung der Mädchen und Sensibilisierung der Eltern
  • Ermutigung der Mädchen die Schule abzuschließen und eine Ausbildung zu machen (Unterstützung bei Hausaufgaben, Ausbildungsplatzsuche etc.)
  • Kampagne gegen Frauenhandel, Informieren von Eltern und Töchtern
  • Aufklärung der Mädchen über ihre Rechte
  • Breit gefächertes pädagogisches Kursangebot: Tanzen, Kochen, Malen, Basteln, Fotografieren und Nähen
  • Organisation von Ausflügen und Vorführungen, um gegen die Ausgrenzung der Roma-Mädchen vorzugehen

Projektgründerin/Leiterin: NRO "ROMA-Union" Burgas
Kontakt TDF: Ehrenamtliche Projektkoordinatorin Juliane von Krause (bulgarien@frauenrechte.de) oder Referat Internationale Zusammenarbeit (iz@frauenrechte.de)
Projektflyer: Informationsflyer FLORIKA (PDF-Datei)

Hintergründe und Projektbeschreibung

Frauenhandel und Kinderheirat in Burgas/BulgarienProjektbesuch bei FLORIKA im Juni 2019. Foto: © TERRE DES FEMMESProjektbesuch bei FLORIKA im Juni 2019. Foto: © TERRE DES FEMMES

Die Angehörigen der Roma in Osteuropa leiden unter einem feindlichen öffentlichen Klima, das sie sozial ausschließt und in prekäre Lebenssituationen, Arbeitslosigkeit und Armut treibt. Zu einem Leben im sozialen Abseits kommen für Mädchen und Frauen noch Benachteiligungen im Bildungsbereich hinzu, nicht wenige sind Analphabetinnen. Sie werden in ihrer Schulbildung nicht unterstützt. Armut und frühe Verheiratung, teilweise im Alter von 13 Jahren, sind die häufigsten Ursachen für einen Schulabbruch. Diese Situation gefährdet die Mädchen besonders, denn sie verführt die Eltern dazu, den falschen Versprechungen von Menschen zu glauben, die ihre Töchter über kriminelle Händlerringe in den internationalen Frauenhandel schleusen und sie zur Billigstarbeit oder zur Prostitution vor Ort und in Westeuropa zwingen.

Im Jahr 2016 kamen 15,5% der Opfer von „Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung“ (BKA) aus Bulgarien, im Jahr 2017 waren es bereits 22,2%.

Das FLORIKA-Projekt

FLORIKA leistet Präventionsarbeit gegen Frauenhandel für eine Zielgruppe von stark gefährdeten und benachteiligten Mädchen und jungen Frauen in der Stadt Burgas, im Roma-Viertel Pobeda. Mädchen im Alter von 9 bis 15 Jahren erhalten in der Tagesstätte der Roma-Union pädagogische Förderung und Unterstützung. Das Projekt wird während der Schulzeit vormittags und nachmittags, aber auch in der Ferienzeit durchgeführt. Die Mädchen werden von zwei Sozialpädagoginnen betreut, denen es ein Herzensanliegen ist, Verbesserungen für Mädchen und Frauen in ihrer Gesellschaft zu erreichen. Neben der Hausaufgabenbetreuung bieten Näh- und Kochunterricht, Tanzen und gemeinsames Spielen den Schülerinnen eine individuelle Förderung. Das Projekt hat es geschafft, in dem Viertel ein Problembewusstsein zu schaffen und sozialen Wandel anzustoßen.

Im Jahr 2019 begeht FLORIKA sein zehnjähriges Jubiläum: in den zehn Projektjahren gab es insgesamt 350 Mädchen, die FLORIKA regelmäßig besucht haben. „Nur“ zwei von ihnen sind in der Prostitution gelandet. Das sind immer noch zwei zu viel, aber ohne FLORIKA wären es weitaus mehr gewesen, vermutlich die meisten. In den letzten Jahren konnten sogar alle Mädchen, die an den Programmen teilgenommen haben, vor Zwangsverheiratung, Menschenhandel und Zwangsprostitution bewahrt werden. Positiv zu vermerken ist auch, dass es in den letzten Jahren keine Schulabbrecherinnen unter den Teilnehmerinnen des Projekts gab.

Ihre Unterstützung für ein aufgeklärtes Leben!

Drei Mädchen von FLORIKA beim Nähunterricht. Foto: © Juliane v. Krause.Mädchen von FLORIKA beim Nähunterricht. Foto: © Juliane v. Krause.

Aufgrund der großen Armut fehlt es in den Familien an dem Nötigsten, selbst am Essen für die Kinder. Das Projekt FLORIKA bietet neben der pädagogischen Unterstützung auch die Möglichkeit mit den anderen Mädchen zusammen zu kochen und gemeinsam eine warme Mahlzeit einzunehmen.

Die Mitarbeiterinnen des Projektes arbeiten derzeit mit 39 Mädchen, die regelmäßig in die Tagesstätte neben der Schule kommen. Viele haben den Grundschulabschluss geschafft und gehen auf eine weiterführende Schule. Da ihre Mütter, meist selbst erst Ende Zwanzig, häufig Analphabetinnen sind, ist das eine sehr positive Entwicklung. Die Eltern werden in die Aufklärungsarbeit von FLORIKA eingebunden. Ebenso bestehen enge Kontakte mit Lehrkräften an den Schulen.

Das Projekt FLORIKA setzt sich mit gezielter Bildungs- und Präventionsarbeit dafür ein, dass die benachteiligten Mädchen eine Chance auf ein besseres Leben erhalten. Dabei werden die praktischen und sozialen Kompetenzen der Mädchen ausgebaut und so ihr Selbstbewusstsein gestärkt.

TERRE DES FEMMES unterstützt FLORIKA in Zusammenarbeit mit „STOP dem Frauenhandel“ in München seit 2012.

 

Projektaktivitäten von FLORIKA

Pädagogische Arbeit mit den Mädchen

Einige Mädchen des FLORIKA-Projekts mit der ehrenamtlichen Projektkoordinatorin Juliane v. Krause. Foto: © Juliane v. KrauseEinige Mädchen des FLORIKA-Projekts mit der ehrenamtlichen Projektkoordinatorin Juliane v. Krause. Foto: © Juliane v. Krause

39 Mädchen zwischen 9 und 15 Jahren nahmen 2018 an den Angeboten von FLORIKA teil. Die Mädchen hatten einen hohen Förderbedarf und kamen aus sehr armen Familien des Roma-Viertels Pobeda in Burgas, in denen sie teilweise auch Gewalt und Drogenprobleme erfahren.

  • 2x wöchentlich besuchten 18 Mädchen die beliebte Tanzgruppe, in der traditionelle bulgarische und moderne Tänze gelehrt werden. Choreographien zu Musik zu erlernen macht den Mädchen sehr viel Freude und stärkt ihr Selbstbewusstsein.
  • Besonders kreativ wurden auch 26 Mädchen in verschiedenen Mal- und Bastelgruppen. Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März stellten sie beispielsweise Ohrringe und Perlenketten für ihre Mütter her.
  • Im Schneiderkurs wurden von 15 Mädchen Kissen, Schürzen und Einkaufstaschen gewebt und genäht. Im Rahmen der Materialkunde lernten sie verschiedene Nähtechniken, Stoffe etc. kennen.
  • Eine Gruppe von 29 Mädchen nahm regelmäßig am Kochunterricht teil, in dem sie lernten gesunde und vollwertige Mahlzeiten mit örtlich verfügbaren Zutaten zu kochen. Gleichzeitig wurden weitere praxisorientierte Alltagskompetenzen, etwa im Bereich der Hygiene, vermittelt.
  • Die Sozialpädagoginnen motivieren die Mädchen zu regelmäßigem Schulbesuch, sie kontrollieren ihre schulischen Leistungen und unterstützen die Mädchen immer freitags und bei Bedarf bei ihren Hausaufgaben, vorwiegend in den Fächern Bulgarisch, Geschichte und Biologie.
  • Jede Tätigkeit (Malen, Basteln, Spielen, Spazierengehen etc.) wird mit der Besprechung wichtiger Themen verknüpft: Während die Sozialpädagoginnen mit den Mädchen verschiedene Berufswege thematisieren, klärt eine Hebamme über Themen wie Sexualität, Frühehen, Schwangerschaften, Zwangsverheiratung und (Zwangs-)Prostitution auf.
  • Darüber hinaus werden auch Feste mit den Kindern gefeiert und Ausflüge ins Kino oder in die Stadt Burgas organisiert.

 

Aufklärungsarbeit im sozialen Umfeld (Eltern, Familien, Freunde, Peergroup)

FLORIKA-Mädchen vor einem Tanzauftritt vor FreundInnen und Familie. Foto ©: Juliane von KrauseFLORIKA-Mädchen vor einem Tanzauftritt vor FreundInnen und Familie. Foto ©: Juliane von Krause

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Projekts ist die Familienarbeit: Nicht nur die Eltern, sondern auch die Großeltern werden in das Projekt eingebunden, da die Eltern oft zum Broterwerb im europäischen Ausland sind und die Großeltern dann die Kinder betreuen. Die Sozialpädagoginnen haben es geschafft, das Vertrauen der Mädchen und ihrer Familien zu gewinnen und konnten sie so vom Projekt überzeugen. Sie besuchen die Familien oft zuhause und laden sie regelmäßig in das Haus des Projekts ein, um über die Ziele und Angebote des Projektes zu informieren, in Erziehungsfragen zu beraten und über verschiedene Themen wie Ausbildung, Berufstätigkeit, Sexualität, Früh- und Zwangsehen, Prostitution sowie Menschenhandel aufzuklären.

Diese Themen werden auch mit den Mädchen in Gruppen und individuellen Gesprächen diskutiert. Weitere Themen sind: Kinderrechte, die Rolle der Frau, Tradition und Kultur, Freundschaft und Liebe, ihre Selbstbestimmung sowie ihre Träume für die Zukunft und Wege, diese zu verwirklichen. Die Mädchen besuchen das Projekt sehr gerne, da die Sozialpädagoginnen ihre engsten Vertrauten, Bezugspersonen und Vorbilder geworden sind. Bei Problemen in der Familie wenden sich die Kinder an die Pädagoginnen.

Öffentlichkeitsarbeit und Zusammenarbeit

Es finden regelmäßige Treffen statt mit der Leitung und den Lehrkräften von zwei Grundschulen in den Roma-Vierteln, zwei Berufsschulen (für Gastronomie und Automechanik) in Burgas und von verschiedenen Waisenhäusern. Das Team des Projektes arbeitet eng zusammen mit der Stadt Burgas, besonders mit der stellvertretenden Bürgermeisterin, die für Bildung und Minderheiten zuständig ist.

Gemeinsame Projekte wie öffentliche Auftritte und Filmbesuche, aber auch Zusammenarbeit in Problemfällen wurden mit der örtlichen Kommission zur Bekämpfung des Menschenhandels in Burgas, mit der Nicht-Regierungs-Organisation Demetra und mit der Caritas organisiert.

Im Februar 2016 besuchten Christa Stolle und die Schauspielerin Sibel Kekilli FLORIKA und ein Teil des ARTE-Filmes über Christa Stolle wurde dort gedreht. Der Film gibt einen guten Einblick in die Arbeit vor Ort.

Erfolge des Projekts

Mädchen im Kochkurs während des Projektbesuchs im Juni 2019. Foto ©: TERRE DES FEMMESMädchen im Kochkurs während des Projektbesuchs im Juni 2019. Foto ©: TERRE DES FEMMES

In diesem Jahr feiert FLORIKA sein zehnjähriges Jubiläum: in den zehn Projektjahren gab es insgesamt 350 Mädchen, die FLORIKA regelmäßig besucht haben. Positiv zu vermerken ist, dass es in den letzten Jahren keine Schulabbrecherinnen unter den Teilnehmerinnen des Projekts gab. Ein weiterer großer Erfolg ist die Tatsache, dass in den letzten Jahren keines der Mädchen zwangsweise verheiratet oder in die Prostitution gehandelt wurde.

In der pädagogischen Arbeit mit den jungen Mädchen achten die Pädagoginnen darauf, den jungen Frauen auch Kompetenzen zu vermitteln, die sie in den Familien nicht lernen: Sich die eigenen Wünsche und Bedürfnisse bewusst zu machen und eigene Lebensziele zu reflektieren und zu verfolgen. Die Mädchen werden in ihrem Selbstvertrauen gestärkt. Diese Kompetenzen sind im Hinblick auf die Arbeitssuche und ihre weitere Entwicklung sehr wichtig. Die Mädchen nehmen gerne und regelmäßig an den Aktivitäten teil. Die Arbeit wird sorgfältig dokumentiert.

Vom 24.09. bis 08.12.2018 lief das Projekt „Prävention von Kinderheirat und früher Mutterschaft bei Kindern und Minderjährigen der Roma-Minderheit in der Stadt Burgas, Bulgarien“, das vom deutschen Auswärtigen Amt finanziert wurde. Zielsetzung war, die Mädchen und Jungen, aber auch ihre Familien über das Thema aufzuklären und sie dafür zu sensibilisieren. Mithilfe von Präsentationen, Rollenspielen, Filmaufführungen etc. wurden die TeilnehmerInnen über Themen wie Zwangsehe, Schwangerschaft bei Minderjährigen, (Aus-)Bildung, Kinder- und Menschenrechte, sexuelle Aufklärung und Empfängnisverhütung informiert.

 

 

Aktiv werden & Spenden

Auch in Zukunft benötigt FLORIKA finanzielle Unterstützung für:

  • die Beschaffung von Materialien für die Gruppen.
  • die Finanzierung der Sozialpädagoginnen und der pädagogischen Fachkräfte (TanzpädagogInnen und SchneiderInnen).
  • die Lebensmittelversorgung der Mädchen.
  • Kampagnen und Aufklärung zum Thema Frauenhandel und Kinderheirat.
  • das Ermöglichen von Ausflügen.
  • die Instandhaltung und Renovierung der Tagesstätte.

 

Unterstützen Sie FLORIKA mit einer einmaligen Spende oder spenden Sie regelmäßig und werden Sie FörderIn!

Sie können auch mit dem Stichwort „Bulgarien“ auf folgendes Konto spenden:

EthikBank
Konto 103 116 000
BLZ 830 944 95
BIC GENODEF1ETK
IBAN DE35 8309 4495 0103 1160 00

 

Weitere Informationen

Flyer

FLORIKA-Projektflyer (PDF-Datei)

Jahresbericht

Die ehrenamtliche Projektbetreuerin Juliane v. Krause berichtet jährlich zu den Projektentwicklungen:

Reiseberichte

Öffentlichkeitsarbeit

Weitere Informationen erhalten Sie bei

TERRE DES FEMMES e.V.
Brunnenstr. 128, 13355 Berlin
Tel: 030 - 40 50 46 99-0
E-Mail: Kontaktformular

oder bei der

TERRE DES FEMMES Projektkoordinatorin:
Städtegruppe München, Juliane von Krause
E-Mail: bulgarien@frauenrechte.de 

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