Pakistanische Frauenrechtlerin und Politikerin Sitara Ayaz am 17.4.2013 zu Besuch bei TERRE DES FEMMES

Die ehemalige Vorsitzende der All Pakistan Women Association (APWA) und Ministerin für Soziales und Frauen der pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa, setzt sich seit vielen Jahren für Frauenrechte in Pakistan ein. Bei ihrem TERRE DES FEMMES-Besuch berichtet sie von ihren Schwerpunkten: die Gleichstellung von Frauen, eine schärfere gesetzliche Verfolgung von Gewalt gegen Frauen und Zwangsheirat sowie Reformen im Bildungssystem.

Falsche Auslegungen des Koran stützen nach wie vor patriarchale Strukturen

Nachdem Frau Ayaz auch einen guten Einblick in die Arbeit von TERRE DES FEMMES bekommen hat, ist sie nach wie vor davon überzeugt, dass es weltweit die gleichen Probleme für Frauen gibt – auch wenn diese unterschiedlich ausgeprägt seien. So beklagt Frau Ayaz, dass zwar keine Religion Zwangsheirat unterstütze, aber sie dennoch oft mit islamischem Glauben gerechtfertigt würde. Diese egoistische Instrumentalisierung des Islam ist für Frau Ayaz nicht hinnehmbar. Ebenso sei die komplett verschleiernde Burka weniger religiös als vielmehr kulturell begründet.

Auch die Polygamie werde falsch ausgelegt, erklärt sie, da diese ursprünglich eher pragmatisch entstanden sei, weil es nach Kriegen wesentlich weniger Männer als Frauen im Land gegeben habe. So wurde es gestattet, dass ein Mann bis zu vier Frauen heiraten dürfe – aber nur unter der Voraussetzung, dass alle die gleiche Zuwendung und Wertschätzung erfahren. Es ginge also weniger um sexuelle Motive, sondern vielmehr darum, dass alle einen Partner bekommen und gewissermaßen versorgt seien. Heute wäre dies nicht mehr nötig und in Frau Ayaz’ Augen sowieso schwierig umsetzbar. In der Praxis sorgt die Polygamie eher für ein großes Bevölkerungswachstum und eine enorme Belastungssituation der Frauen, die bei teilweise zehn oder zwölf Kindern gesundheitlichen Risiken ausgesetzt und auch sehr in ihre familiären Strukturen eingebunden sind. Dennoch ist es für Frau Ayaz nicht vorstellbar, die Polygamie in der Isalmischen Republik Pakistan gesetzlich zu verbieten. Andere Staaten mit ähnlichen Problemen und hoher Armutsrate, wie beispielsweise Benin, haben dies bereits getan. Wie viel Änderung allerdings alleine Gesetzesentwürfe bewirken, bleibt in Fragen zu stellen.

Anti-Gewalt-Gesetze werden verabschiedet, aber vieles scheitert an Traditionen

Trotz der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonventionen zum Thema Zwangsheirat/Kinderheirat liegt das gesetzliche Mindestalter für die Heirat von Frauen bei nur 16 Jahren. So werden oft entsprechende Gesetzesänderungen, die Frauen und Mädchen schützen und ihnen mehr Rechte zugestehen sollen, von patriarchalen religiösen Strukturen verhindert. Frau Ayaz strebt ein Gesetz an, das Kindesheirat verbietet. Da aber gerade in ländlicheren Gebieten eine Umsetzung neuer Reformen langwierig verlaufen kann oder von tradierten Normen und Gebräuchen unterlaufen wird, scheinen direkte Angebote für Frauen sehr sinnvoll. Frauenhäuser und –anlaufstellen werden weiter ausgebaut.

Situation von Frauen weiterhin prekär – aber Anstieg der Frauenbündnisse

So ist einerseits die Situation vieler Frauen in Pakistan weiterhin prekär aber es tuen sich auf der anderen Seite auch immer mehr Frauenbündnisse und –initiativen auf. Gute Erfahrungen hat Frau Ayaz mit der CSW (Commission on the Status of Women) gemacht, da hier nichtstaatliche und staatliche Akteure zusammenarbeiten und Frauen aus unterschiedlichen Richtungen wie Gender Studies, Gesundheit oder Politik zusammenkommen und gemeinsam für Frauenrechte kämpfen. Frau Ayaz setzt besonders auf das Ausbauen von Frauenhäusern, weswegen sie auch in Berlin einige besucht und sich mit verschiedenen Initiativen gerne austauscht. Der Ansatz, dass Frauen mit Kindern zusammenleben können und bei dem Finden einer Arbeit und ihrer Selbstständigkeit unterstützt werden, findet sie sehr wichtig.

Gerne bleibt Frau Ayaz mit TERRE DES FEMMES in Kontakt und möchte sich weiter vernetzen. Sie ist sich sicher, dass vereinte Frauenpower alles bewirken kann: „Women have the power!“v.l.n.r. Christa Stolle, TERRE DES FEMMES-Bundesgeschäftsführerin, Ministerin Sitara Ayaz, Freya Rudek, TERRE DES FEMMES-Praktikantin und Renate Staudenmeyer, TERRE DES FEMMES-Referentin. Foto. © TERRE DES FEMMESv.l.n.r. Christa Stolle, TERRE DES FEMMES-Bundesgeschäftsführerin,
Ministerin Sitara Ayaz, Freya Rudek, TERRE DES FEMMES-Praktikantin und
Renate Staudenmeyer, TERRE DES FEMMES-Referentin.
Foto. © TERRE DES FEMMES

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