Was ist sexualisierte Gewalt?

Foto ©: fotolia-Jürgen AckerFoto ©: fotolia-Jürgen AckerHeutzutage wird zunehmend von „sexualisierter Gewalt“ gesprochen um zu verdeutlichen, dass es bei dieser Form der Gewaltausübung nicht ausschließlich um die sexuelle Befriedigung des Täters geht, sondern er die Sexualität als Waffe nutzt, um seine Macht zu demonstrieren und die andere Person zu erniedrigen.

Sexualisierte Gewalt beginnt bereits bei frauenfeindlicher Sprache, anzüglichen Blicken oder verbalen Belästigungen und geht über zu ungewollten sexuellen Berührungen bis hin zum erzwungenen Geschlechtsverkehr. Auch Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts zählen als Formen der sexualisierten Gewalt.

Laut einer Studie vom Bundesfamilienministerium haben etwa 13 Prozent der in Deutschland lebenden Frauen seit dem 16. Lebensjahr strafrechtlich relevante Formen sexualisierter Gewalt erlebt, dazu zählt Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung oder unterschiedliche Formen sexueller Nötigung. Insgesamt kann man sagen, dass circa jede siebte Frau von sexualisierter Gewalt betroffen ist. Die wenigsten Frauen erstatten aufgrund dessen Anzeige: nur jede zehnte Betroffene wendet sich mit einer Anzeige an die Polizei. Die Täter sind in so gut wie allen Fällen Männer. Keine Straftat ist so männlich dominiert wie die sexualisierte Gewalt. In 99 Prozent der Fälle sind die Täter männlich – was jedoch nicht heißt, dass die Opfer nur Frauen bzw. Mädchen wären. Auch Männer, vornehmlich Jungen, sind von sexualisierter Gewalt betroffen.

Die Täter kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen – und meistens aus dem Umfeld der Betroffenen. Nur in Ausnahmefällen ist der Täter ein Unbekannter.

Vorurteile und Mythen

Bis heute ist das gängige Bild in den Köpfen beim Thema Vergewaltigung die brutale Vergewaltigung einer Frau durch einen unbekannten Triebtäter nachts im Park. Doch öffentliche Orte sind bei sexualisierter Gewalt in „nur“ etwa 20 Prozent der Fälle auch der Tatort. Dies sind jedoch die spektakulären Fälle, über die in den Medien berichtet wird und die zum Weiterleben des Mythos beitragen. Die Täter sind auch in der Regel keine „Psychopathen“, die ihren Trieb nicht kontrollieren können. Nur etwa 5% der Täter weisen psychische Auffälligkeiten auf.

Weniger Erwähnung findet in der Berichterstattung die „alltägliche“ Gewalt an Frauen. Sie findet im eigenen Zuhause statt und der Täter ist in der Regel kein Unbekannter, doch oft bleibt er im Verborgenen. Die Hemmungen, nahestehende Personen anzuzeigen, sind groß und die Meldequote entsprechend gering. Viele Betroffene sprechen aus Scham mit niemanden über die Tat.

Immer noch passiert es häufig, dass den Frauen eine Mitschuld an der Tat gegeben wird. Es wird ihnen zum Vorwurf gemacht, sich falsch gekleidet, falsch verhalten oder sich am falschen Ort aufgehalten zu haben.

Zudem erleben viele Betroffene, dass ihnen nach einer Vergewaltigung nicht geglaubt wird. Der Mythos der „Falschanzeigen“ ist allmächtig und findet sich in nahezu jeder Berichterstattung wieder. Dabei sind gerade bei dieser Straftat die vorgetäuschten Gewaltdelikte gering: Schätzungen gehen lediglich von 2-8% Falschanschuldigungen aus.

Vergewaltigung als Straftatbestand

Für viele Betroffene ist es nicht der richtige Weg, nach einer Vergewaltigung Strafanzeige zu stellen. Zu belastend kann es sein, öffentlich über eine intime Tat zu reden. Und zu hoch sind die Hürden, dass es zu einem Prozess kommt, bei dem der Täter eine angemessene Strafe erhält: Die Verurteilungsquote in Deutschland liegt bei nur etwa 8%.

Seit dem 10. November 2016 ist das neue Sexualstrafrecht in Kraft. Im Gegensatz zum alten Recht sind nun alle sexuellen Handlungen, die gegen den erkennbaren Willen der anderen Person verübt werden, strafbar. Der Grundsatz „Nein heißt Nein“ wurde somit im Strafgesetz verankert, sowohl was Vergewaltigung angeht (§177 StGB) als auch das sogenannte „Begrapschen“, also die sexuelle Belästigung (§184i StGB). Darüber hinaus wurde der diskriminierende Paragraph 179 abgeschafft, der speziell bei Taten gegen Widerstandsunfähige ein geringeres Strafmaß vorsah.

Quellen:

 Heiko Maas, ehemaliger Justizminister: Video

BMFSFJ / Ursula Müller, Monika Schröttle (2004): Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland. Zusammenfassung zentraler Studienergebnisse, Bonn.

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