Mozambique

Fallbeispiele

Es war nicht Lucias Entscheidung Velasco zu heiraten. Ihre Tante stellte die beiden einander vor als sie 15 war. Velasco besuchte noch drei andere Mädchen, entschied sich dann aber für Lucia. Lucia wollte ihn nicht heiraten, ihre Familie hielt die Ehe jedoch für eine gute Entscheidung. Kurz drauf wurde sie schwanger und musste die Schule abbrechen. Lucia wollte gerne Lehrerin werden. Sie hofft, dass sie nach der Geburt mit der Unterstützung ihrer Eltern weiter zu Schule gehen kann.[1]

Als Cidalia 15 war, lernte sie einen älteren Mann kennen. Kurz darauf wurde sie von ihm schwanger und musste bei ihm einziehen. Auch wenn es nie eine offizielle Hochzeit gab, wurde die Beziehung als Ehe angesehen. Ihr Mann misshandelte sie und verließ sie nach einem Jahr. Daraufhin musste sie mittelos wieder bei ihrer Familie einziehen. Da sie sich um Ihren Sohn kümmern muss, kann sie die Schule nicht besuchen.[2]

Statistik

Bevölkerung: ca. 25,2 Millionen EinwohnerInnen (UNDP)

Platz 178 von 187 im Human Development Index der Vereinten Nationen (Wohlstandsindikator, der die Dimensionen Bildungsindex, Lebensstandard und –erwartung einbezieht) (UNDP)

54,7% der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze von 1,25 US$ am Tag (UNDP)

50% der Erwachsenen sind AnalphabetInnen (UNDP)

48% der Mädchen werden vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet (UNICEF)

Landesüberblick

Mozambique gilt als Beispiel für erfolgreichen politischen und wirtschaftlichen Wandel. Das Land erreichte 1975 die Unabhängigkeit von Portugal. Die frühen Jahre des unabhängigen Staates waren durch den 16 Jahre dauernden Bürgerkrieg geprägt. Seit dem Friedensvertrag von 1992 und dem anschließenden Konsolidierungsprozess gilt die noch relativ junge Demokratie trotz innenpolitischer Spannungen im südlichen Afrika und auch international

als politisch stabiles Land. Die Republik Mosambik ist eine zentralistisch strukturierte Präsidialdemokratie. Seit den ersten freien Wahlen vom Oktober 1994 liegt die gesetzgebende Gewalt beim Parlament. [3]

Trotz positiven Wirtschaftswachstum und mittelfristiger Perspektiven leben fast 55% der mosambikanischen Bevölkerung immer noch unter der Armutsgrenze und mit einem Bruttoinlandsprodukt von 593 US-Dollar pro Kopf zählt Mosambik zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Land bleibt stark anfällig für äußere Faktoren (Weltmarktpreise für Öl, Weizen und die Exportprodukte Aluminium und Kohle; Wechselkurs). Einheimisches Unternehmertum und lokale Arbeitskraft sind unterqualifiziert und unterentwickelt. Das Geschäftsklima wird von vielen Unternehmern als entwicklungshemmend gesehen. Unzureichender Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten, Korruption und wenig oder schlecht ausgebaute Infrastruktur werden als größte Hemmnisse genannt.

Die meisten Menschen im ländlichen Raum leben von Subsistenzlandwirtschaft oder von mit einfachen Mitteln betriebener Fischerei. Etwa die Hälfte aller Erwachsenen sind AnalphabetInnen. Die Gesundheitsversorgung ist unzureichend und die HIV-Prävalenzrate unter Erwachsenen ist mit 12,5% landesweit besorgniserregend.[4]

Vorkommen

Fast jedes zweite Mädchen wird in Mozambique vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, ca. 48%. 14.3% der Mädchen zwischen 20 und 24 wurden vor ihrem 15. Lebensjahr verheiratet. In den nördlichen Regionen liegt die Zahl der minderjährig verheirateten Mädchen sogar bei 55% unter 18 und bei 45% unter 15.

Wie auch in anderen Ländern im südlichen Afrika, besonders aber in Malawi, Zambia und Mozambique, werden sogenannte Initiationsrituale mit jungen Mädchen, teilweise schon im Alter von 9 Jahren, durchgeführt. In Mozambique werden diese Rituale von angesehenen älteren Frauen geleitet, welche die Mädchen auf ihr Leben als verheiratete Frau vorbereiten und sie darüber aufklären, wie sie ihren Ehemann sexuell befriedigen können.

Von Seiten der Gesetzgebung wurde diese Praktik zwar verboten, in etlichen Gemeinden werden diese Rituale aber weiterhin praktiziert. Dabei werden manchmal auch weibliche Genitalverstümmelungen praktiziert, auch im Glauben, dass diese das sexuelle Vergnügen der Männer verbessern würden.[5]

Beweggründe

In Mozambique, wie auch in weiten Teilen des südlichen Afrikas, ist einer der Hauptbeweggründe für Frühehen Armut. Die prekäre finanzielle Lage der Eltern veranlasst diese oft, ihre Töchter sehr früh zu verheiraten. Viele der Mädchen brechen danach die Schule ab und werden schwanger.

Die Eltern erhalten durch die Heirat einen Brautpreis, sog. Lobolo, und müssen dann eine Person weniger finanziell unterstützen, da diese Verantwortung nun in der Hand des Ehemannes liegt. Für eine Familie, die unterhalb der Armutsgrenze lebt, ist das eine große finanzielle Entlastung.

Normen und Grundsätze über die Heiratsfähigkeit eines Mädchens werden in den Gemeinschaften und von MeinungsführerInnen weitergegeben und erhalten. Großen Einfluss haben dabei vor allem die weiblichen Ältesten, die oft auch für die Initiationsrituale verantwortlich sind.

Die Rituale markieren für die Mädchen den Übergang in das Erwachsenwerden und die soziale Norm befürwortet, dass die Mädchen danach für eine Ehe und Fortpflanzung bereit sind. Dadurch werden Frühehen gesellschaftlich legitimiert.[6]

Gesetzliche Lage

Das gesetzliche Mindestheiratsalter in Mozambique liegt bei 18 Jahren. Mit Zustimmung der Eltern ist eine Ehe allerdings schon ab 16 Jahren möglich.

Bei einem Verstoß ist dennoch nicht mit einer rechtlichen Ahndung zu rechnen.

Der Großteil der Ehen sind jedoch religiöse oder soziale Bindungen und werden nicht offiziell registriert. Oft werden diese auch einfach nur durch die Zahlung eines Brautpreises geschlossen. Sie werden von der Gesellschaft jedoch genauso bindend angesehen wie eine Ehe.[7]

Interventionsbeispiele

Im April 2016 hat Mozambique die „National Strategy to Prevent and Combat Child Marriage“ eingeführt. Diese wurde unter der Federführung des Ministeriums für Gender, Kinder und Soziales entwickelt, mit Unterstützung zahlreicher anderer Ministerien, internationaler Organisationen und Partnern. Die Strategie skizziert acht essentielle Säulen, die unabdingbar sind um Frühehen in Mozambique zu beenden. Darunter sind eine soziale Mobilisierungskampagne, die Verbesserung des Zugangs für Mädchen zu Bildung, sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung, Familienplanung und Sexualerziehung, sowie eine Reform des rechtlichen Rahmens.

Damit hat Mozambique eine der ambitioniertesten Strategien gegen Frühehen in der Region eingeführt. Die Umsetzung der Strategie steht jedoch noch am Anfang und es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich diese in den nächsten Jahren verläuft.[8]

Quellen

[1] http://www.unicef.org.mz/en/in-the-end-it-wasnt-my-choice-child-marriage-in-mozambique/

[2] https://www.theguardian.com/global-development/2015/nov/26/mozambique-child-marriage-african-girls-summit-lusaka-zambia

[3] https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/mosambik-node/-/221784

[4] http://www.mz.undp.org/content/mozambique/en/home/countryinfo/

[5] http://www.girlsnotbrides.org/child-marriage/mozambique/

[6] http://www.unicef.org.mz/wp-content/uploads/2015/07/EN_Moz_Child_Marriage_aw-Low-Res.pdf

[7] http://www.unicef.org.mz/wp-content/uploads/2015/07/EN_Moz_Child_Marriage_aw-Low-Res.pdf

[8] http://www.girlsnotbrides.org/press-release-mozambique-launches-national-strategy-to-end-child-marriage/