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Handlungsempfehlung zur „Intervention bei weiblicher Genitalverstümmelung und Früh-/ Zwangsverheiratung"

Diese Broschüre wurde von TERRE DES FEMMES im Rahmen des EU-Projekts CHAIN zusammen mit einem temporären Arbeitskreis (VertreterInnen verschiedener Einrichtungen und Institutionen aus u.a. sozial-pädagogischen, medizinischen und polizeilichen Bereichen) und MutliplikatorInnen aus dem Projekt (sogenannte Community TrainerInnen) erstellt. Sie beinhaltet ein lokales Interventionsmodell mit Handlungsempfehlungen für Fachkräfte in Berlin, die mit Gefährdeten und Betroffenen in ihrem Berufsalltag in Kontakt kommen können. Ziel ist es, Mädchen und Frauen deutschlandweit effektiv und frühzeitig vor weiblicher Genitalverstümmelung und Früh- und Zwangsverheiratung zu schützen. Diese Broschüre ist als Modell konzipiert, um in anderen Bundesländern und Regionen Deutschlands unter Berücksichtigung lokaler Unterschiede angepasst und eingesetzt zu werden.

Die PDF-Version der Handlungsempfehlung kann unter diesem Link herunterladen werden. Druck-Versionen können im TDF-Shop kostenfrei (zzgl. Versandkosten) bestellt werden.

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Die Handlungsempfehlung wurde bei einer Nationalen Launch- und Pressekonferenz am 04. Februar 2022 vorgestellt. Rund 260 Interessierte aus verschiedenen Fachrichtungen und aus ganz Deutschland nahmen an der Launch- und Pressekonferenz teil. Eine Umfrage zu Beginn der Konferenz zeigte, dass besonders VertreterInnen aus dem sozialen Bereich (50%), aus Politik und Verwaltung (18%) und aus anderen Nichtregierungsorganisationen (11%) bei der Konferenz anwesend waren. Eine weitere Umfrage ergab, dass außerdem Interessierte aus allen Bundesländern vertreten waren, worin sich der große Bedarf an Informationen und Handlungsempfehlungen zu diesem Thema spiegelte. Dies verdeutlicht noch einmal die Wichtigkeit der Implementierung einer Handlungsempfehlung zu weiblicher Genitalverstümmelung und Früh-/ Zwangsverheiratung auch in anderen Bundesländern und Regionen Deutschlands.

Sprachregelung bei TERRE DES FEMMES: Verwendung von nicht-diskriminierender Sprachregelung und des „Binnen-I“s.

Als Frauenrechtsorganisation hat sich TERRE DES FEMMES dem Ziel verschrieben, alle Formen der Gewalt und Menschenrechtsverletzungen an Frauen zu benennen und zu bekämpfen. TERRE DES FEMMES setzt sich gegen weibliche Genitalverstümmelung, Gewalt im Namen der Ehre und Zwangsverheiratungen, Häusliche und sexualisierte Gewalt, Frauenhandel und Prostitution ein. Wir arbeiten international mit anderen Frauenrechtsorganisationen zusammen und setzen uns für ein gleichberechtigtes, freies und selbstbestimmtes Leben für alle Frauen ein.

TERRE DES FEMMES verwendet eine nicht-diskriminierende Sprachregelung wie zum Beispiel "Studierende", "Lehrende", "Arbeitende". Wo diese neutrale Regelung nicht möglich ist, verwenden wir das Binnen-I.

Als Frauenrechtsorganisation, möchte TERRE DES FEMMES alle Frauen stets sichtbar machen. Als sprachliche Regelung verankert das Binnen-I Frauen mitten in unseren Wortschatz und macht sie unübersehbar. Gleichzeitig stellt es die Arbeit von TERRE DES FEMMES dar: Wir sprechen für Frauen und verschaffen ihnen Gehör.

Dies wurde 2017 auf unserer Mitfrauenversammlung demokratisch entschieden.

Im Dunkeln

Je genauer Sie hinschauen, desto weniger können Sie wegschauen.

Slideshow

 

hilfe telefon  Das Hilfetelefon berät Sie kostenlos und rund um die Uhr oder per Chat unter: www.hilfetelefon.de
big hotline Auch bei der BIG Hotline finden Sie rund um die Uhr Unterstützung, auch online:
www.big-hotline.de
zentrale informationsstelle autonomer frauenhaeuser Hier finden Sie Informationen zu Plätzen in Frauenhäusern: www.frauenhaus-suche.de

 

Sie sind selbst von häuslicher Gewalt betroffen oder bedroht?

Das Hilfetelefon berät Sie kostenlos und rund um die Uhr oder per Chat unter: www.hilfetelefon.de

Auch bei der BIG Hotline finden Sie rund um die Uhr Unterstützung, auch online:
www.big-hotline.de

Hier finden Sie Informationen zu Plätzen in Frauenhäusern: www.frauenhaus-suche.de

Das eigene Zuhause ist für viele Frauen immer noch der gefährlichste Ort. In Deutschland ist statistisch jede dritte Frau betroffen von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt – egal, aus welcher sozialen Schicht oder Altersgruppe. Das bedeutet, dass jedeR von uns Betroffene im Freundes- oder Familienkreis kennt. Doch das Thema ist nach wie vor ein Tabu. Aus Scham und Angst verstecken Betroffene oft die Spuren der erlebten Gewalt im öffentlichen Raum mit Hilfe von Make-up, Kleidung und Ausflüchten. Viele Betroffene können sich nicht allein aus ihren gewaltvollen Beziehungen befreien, da sie finanziell oder auch emotional abhängig von ihrem (Ex-)Partner sind oder da sie noch brutalere Übergriffe fürchten. Umso wichtiger ist es, dass wir alle anerkennen:

Häusliche Gewalt betrifft uns alle! – direkt oder indirekt.

Darauf machen TERRE DES FEMMES gemeinsam mit WallDecaux und Studierenden der Hochschule Wismar durch eine innovative Nutzung von CityLightPostern aufmerksam:

Fotos der Kampagne

Lassen Sie uns häusliche Gewalt aufdecken.

Je genauer Sie hinschauen, desto weniger können Sie wegschauen.

Signale, dass jemand in deinem Umfeld von häuslicher Gewalt betroffen sein könnte:

  • Muss sie Entscheidungen immer mit ihrem Partner absprechen, bevor sie sie trifft?

  • Sagt sie Treffen mit Ihnen mit unlogischen Begründungen ab? Gibt es Anzeichen, dass er ihr den Kontakt verbietet?

  • Erklärt sie Verletzungen mit unrealistischen oder sich wiederholenden Ausreden? Oder verbirgt sie sichtbare Verletzungen vor Ihnen?

  • Haben Sie den Eindruck, der (Ex-)Partner Ihrer Bekannten entschuldigt sich nach Ausrastern, die sich dann aber wiederholen?

  • Wird Ihrer Freundin/ Kollegin/ Verwandten vom Partner der direkte Zugang zu ihrem Geld verwehrt?

Du kennst eine Betroffene und möchtest helfen?

So kannst du einer Person, die von häuslicher Gewalt bedroht oder betroffen ist, helfen:

  • Hinhören Eine Auseinandersetzung oder häusliche Gewalt? Sei aufmerksam und rufe im Zweifel lieber einmal zu oft die Polizei.

  • Deeskalieren Klingel unter einem Vorwand (Lebensmittel borgen) bei deinen Nachbarn und unterbrich die Situation. Achte dabei immer auf deine eigene Sicherheit.

  • Hinsehen Gewalt gegen Frauen kommt in allen sozialen Schichten und Altersgruppen vor. Hat sich deine Nachbarin verändert? Wirkt sie unsicher, nervös oder gereizt? Hat sie auffällig zu- oder abgenommen oder häufige Verletzungen?

  • Allein ansprechen Wie geht es deiner Kollegin oder Freundin wirklich? Vielleicht schämt sie sich, dir ehrlich zu antworten, wenn du in Begleitung bist. Probiere sie allein zu sprechen, frag nach und hör ganz genau zu.

  • Unterstützung anbieten Wenn du den Verdacht hast, dass deine Nachbarin, Kollegin, Freundin oder Verwandte unter Partnergewalt leidet, biete ihr deine Hilfe an. Viele Frauen wissen nicht, an wen sie sich wenden können. Das kannst du ändern!

  • Polizei rufen Sofortige Hilfe kannst du jederzeit in Anspruch nehmen. Du erreichst die Polizei unter dem Notruf 110 oder kontaktiere eine lokal zuständige Polizeidienststelle .

  • Abreißzettel und Hilfekarten Platziere im Treppenhaus, an der Haustür oder draußen in deiner Nachbarschaft Abreißzettel (PDF-Datei) oder Hilfekarten (PDF-Datei) für betroffene Frauen. Einfach ausdrucken und aufhängen.

  • Frauenhaus aufsuchen Schutzhäuser sind ein sicherer Ort für Frauen und Kinder in Not. Du kannst der Betroffenen helfen, indem du mit ihr eine Einrichtung in der Nähe aufsuchst. Eine Übersicht an Hilfsangeboten .

  • Dokumentieren Informiere die Betroffene darüber, dass jede Art von Beweis eine Strafanzeige erleichtert. Dies kann die schriftliche Dokumentation (Datum, Uhrzeit und Ablauf) oder ein ärztlicher Befund sein. Bei sexualisierter Gewalt kann eine vertrauliche Spurensicherung aufgesucht werden.

  • Rechte und Schutz Gewalt an Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung. Häusliche Gewalt ist eine Straftat, das besagt nicht nur das deutsche Strafrecht und Gewaltschutzgesetz , sondern auch die Istanbul-Konvention. Unter anderem sind Wohnungsverweisung, Schmerzensgeld und gerichtliche Regelung des Sorgerechts zivilrechtliche Schutzmöglichkeiten.

  • Frauen nicht allein lassen Egal ob spontan und alleine oder mit Unterstützung anderer – Hauptsache du hilfst und lässt Frauen nicht alleine. Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist auch für unterstützende Personen eine wichtige Anlaufstelle, Beratung rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, erhältst du unter 08000 116 016. Werde aktiv und mach dein Umfeld sicherer für Frauen. Unternehme jedoch nie etwas gegen den Willen der Betroffenen, auch wenn es schwerfällt. Bei akuter Bedrohung kannst du selbstverständlich die Polizei rufen.


Wie kann häusliche Gewalt aussehen?

Häusliche Gewalt beschreibt die Gewalt innerhalb eines Haushalts, dabei ist der Täter in 82% der Fälle der männliche (Ex-)Partner oder (Ex-)Ehemann und die Betroffene weiblich. Häusliche Gewalt kann in jedem Fall unterschiedlich aussehen und ist daher oft schwer zu erkennen. TDF geht von fünf Ausprägungen aus, die einzeln oder auch kombiniert miteinander auftreten können:

  • Physische Gewalt Ohrfeigen, Faustschläge, Tritte, Stöße, Würgen, Fesseln, Angriffe mit Waffen aller Art oder mit Gegenständen, Morddrohungen und Mord.

  • Sexualisierte Gewalt Nötigung, Vergewaltigung oder Zwangsprostitution.

  • Psychische Gewalt Drohungen, sich selbst, der Partnerin, den Kindern etwas anzutun. Drohen, die Kinder wegzunehmen. Beleidigungen, Demütigungen, Lächerlichmachen in der Öffentlichkeit.

  • Digitale Gewalt Cyber-Mobbing, Gerüchte verbreiten, ungewollte Veröffentlichung oder Zusendung von pornografischen Bildern/ Filmen, Stalking

  • Soziale Gewalt Die Isolation des Opfers von Familie und Freundeskreis, die Kontrolle der Kontakte, Verbot von Kontakten, Einsperren.

  • Finanzielle Gewalt Arbeitsverbote oder Arbeitszwang, alleiniger Kontrolle der Finanzen durch den Täter, also: Das Erzeugen von finanzieller Abhängigkeit.

Warum gibt es häusliche Gewalt?

Häusliche Gewalt ist die Ursache und die Folge von patriarchalen Systemen, das heißt der strukturellen Ungleichheit von Männern und Frauen in einer Gesellschaft, zu gleich. In einer partnerschaftlichen (Ex-)Beziehung stellt häusliche Gewalt ein Mittel zur Kontrolle der eignen Partnerin dar. Häusliche Gewalt in jeglicher Form ist ein erlerntes und beabsichtigtes Verhalten des Täters. Faktoren wie Stress, psychopathologische Besonderheiten, Alkohol- und Drogenkonsum können zwar das Ausmaß der Gewalt verstärken, sind aber keine primären Ursachen. Auf individueller Ebene können weitere Ursachen hinzukommen, wie zum Beispiel, dass der Täter selbst bereits Gewalt erfahren hat und diese reproduziert.

Weiterführende Informationen:

Weitere Hilfsangebote und Kontaktadressen für Betroffene

Helfen auch Sie: Hier können Sie den Abreißzettel des Hilfetelefons in mehreren Sprachen herunterladen und an sichtbare Stellen (Hausflur etc.) aufhängen, damit Betroffene wissen, an wen sie sich wenden können.

Wegweiser Häusliche Gewalt: Was passiert, nachdem Sie die Polizei gerufen haben?

Erneuter Anstieg im Corona-Jahr 2020: Staat muss mehr tun

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf häusliche Gewalt und den Alltag einer Interventionsstelle?

Forderungen von TERRE DES FEMMES: Eine flächendeckende Offensive gegen geschlechtsbasierte Gewalt

Ursachen, Formen und Ausmaße sowie Folgen von häuslicher Gewalt

Publikationen zum Thema häusliche Gewalt die Sie direkt im PDF-Format herunterladen können.

Jugendbotschafterinnen 2022

Das TERRE DES FEMMES Jugendbotschafterinnen-Programm geht in die dritte Runde

Jubo Programm Start

Von 33 Bewerberinnen haben es 22 motivierte junge Frauen geschafft und werden TERRE DES FEMMES-Jugendbotschafterinnen 2022/2023!

Am 11. und 19. März beginnt die dritte Runde des Jugendbotschafterinnen-Programms mit einem zweiteiligen Kick-off Workshop online. Bei diesem Workshop lernen sich die jungen Frauen persönlich kennen und bekommen von uns einen Überblick zu den Arbeitsbereichen von TERRE DES FEMMES und dem Jugendbotschafterinnen-Programm. Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle wird die Jugendbotschafterinnen persönlich begrüßen und Spannendes aus dem Vereinsleben berichten. Auch einige Fachreferentinnen stellen Teile ihrer Arbeit vor und freuen sich auf den Austausch mit den Jugendbotschafterinnen.  

Die jungen Frauen werden sich in ganz Deutschland und sogar Österreich verteilt für Mädchen- und Frauenrechte einsetzten, indem sie zu TERRE DES FEMMES Themen on- und offline kommunizieren. Nach dem 2. Workshop im Sommer realisieren sie einzeln, oder gern auch im Team, eigene Projekte und kleine Veranstaltungen. Lesungen, Blogs, ein Theaterprojekt, aber auch die Gründung einer TERRE DES FEMMES Städtegruppe sind erste Projektideen, die in den kommenden 1,5 Jahren mit Leben gefüllt werden. Dabei steht TERRE DES FEMMES den Frauen beratend zur Seite, stellt ein kleines Projektbudget und vernetzt zu erfahrenen Vereinsfrauen, die unsere Jugendbotschafterinnen als neuen Mitfrauen herzlich willkommen heißen.

Unsere vielfältigen Jugendbotschafterinnen eint der Wille, etwas zu verändern und auf Diskriminierung von Mädchen und Frauen nicht sprachlos, sondern adäquat zu reagieren. Wir freuen uns schon sehr auf die Zusammenarbeit mit den 22 jungen Frauen und sind gespannt auf die Umsetzung der Projektideen im Jahr 2022/2023.