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Guinea

© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2014. Country Profile: Guinea.© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2014. Country Profile: Guinea.Vorkommen

Das westafrikanische Land Guinea, ist weltweit das mit der zweithöchst gemessenen Verbreitungsrate von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM - Female Genital Mutilation). Im ganzen Land liegt diese über 80%. 97% aller Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) und 46% aller Mädchen (0-14 Jahre) sind beschnitten. An 99% der muslimischen Frauen wurde FGM praktiziert. Bei den AnimistInnen und keiner Religion Angehörigen sind es 90% sowie bei anderen christlichen Religionen 78%. Die höchste Beschneidungsquote einer Ethnie liegt bei 100%, die niedrigste bei 66%.

Während bei den Malinke ca. 40% der Töchter vor dem fünften Geburtstag an ihren Genitalien verstümmelt werden sind es bei den Toma 6%. In Lower Guinea und Upper Guinea ist das Beschneidungsalter etwas höher. Hier werden Mädchen mit Eintritt in die Pubertät beschnitten. In Middle Guinea sind sie üblicherweise vier bis acht Jahre alt.

Zahlen

Betroffene: 46% der Mädchen (0-14 Jahre) und 97% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Befürworterinnen: 76% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)

Beschneidungsalter: 22% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) wurden vor dem 4. Lebensjahr beschnitten, weitere 60% zwischen dem 5. und 9. und nochmals 16% zwischen dem 10. und 14.
68% der Eingriffe werden durch traditionelle Beschneiderinnen vorgenommen, 31% durch medizinisches Personal

Formen

92% der Mädchen (0-14 Jahre) erfuhren Typ I (Klitoriedektomie) und Typ II (Exzision) von FGM. Bei ersterem wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und/oder der Klitorisvorhaut entfernt. Bei der Exzision wird ebenfalls der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris entfernt sowie der inneren Schamlippen mit oder ohne Beschneidung der äußeren Labien. Typ III (Infibulation) von FGM wurde bei 6% der Mädchen (0-14 Jahre) vorgenommen. Hierbei wird die Vaginalöffnung durch Bildung eines deckenden Verschlusses verengt, indem die inneren und/oder äußeren Schamlippen aufgeschnitten und zusammengefügt werden, mit oder ohne Entfernung des äußerlich sichtbaren Teils der Klitoris.

Begründungsmuster

Als Erklärung für die Fortdauer und Legitimierung der Verstümmelungen dienen vor allem soziokulturelle Argumente. Eine Frau mit unversehrten Genitalien gilt in Guinea als nicht ebenbürtig, nicht achtenswert und unrein. Zudem soll die Praktik dazu dienen, dem Mädchen wichtige moralische Werte wie Ehrgefühl, Würde und Sittsamkeit zu vermitteln. 68% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) und 57% der Jungen und Männer (15-49 Jahre) glauben außerdem, dass ihre Religion weibliche Genitalverstümmelung vorschreibe.

Gesetzliche Lage

Seit 1965 hat Guinea harte Strafen für weibliche Genitalverstümmelung vorgesehen. Der die Verstümmelung durchführenden Person droht mit jeder Beschneidung eine Verurteilung zu lebenslangem Arbeitsdienst. Allgemein ist jedoch festzuhalten, dass nur sehr selten bis nie rechtliche Schritte gegen diesen Gesetzesverstoß eingeleitet werden.

Seit 2000 ist das Verbot von FGM auch in die Verfassung Guineas integriert.

Haltung und Tendenzen

Die Verbreitung von weiblicher Genitalverstümmelung ist in Guinea in den vergangenen 20 Jahren recht stabil geblieben. Die Zahl der Befürworterinnen hingegen stieg von 68% (1998) auf 76% (2012) um fast 10% an. Das ist, verglichen mit den anderen afrikanischen Ländern, der höchste Wert an Befürwortung dieser Praktik.

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Stand 09/2016

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