Zwei Jahre „Men Standing Up for Gender Equality”: Gemeinsam gegen FGM/C und CEFM!

Seit September 2019 haben sich die Projektpartner LESSAN e.V. (Gesamtkoordination), FEMMES ENTRAIDE ET AUTONOMIE und TERRE DES FEMMES im Rahmen des EU ko-finanzierten Projekts „Men Standing Up for Gender Equality“ für die langfristige Überwindung von weiblicher Genitalverstümmelung (female genital mutilation/cutting -FGM/C) und Früh- und Zwangsverheiratung (child, early and forced marriage -CEFM) eingesetzt. Dazu wurden insgesamt 30 Männer aus betroffenen Communitys in Hamburg, Paris und Berlin zu Multiplikatoren gegen geschlechtsspezifische Gewalt ausgebildet. Als sogenannte „CHANGE Mediatoren“ leisten sie nun Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit in Diasporagemeinschaften und Unterkünften für Geflüchtete in Deutschland und Frankreich. Das Innovative an diesem Projekt: Erstmals nehmen ausschließlich Männer eine Schlüsselrolle im Kampf gegen FGM/C und CEFM ein und machen sich somit stark für eine gleichberechtigte Gesellschaft!

 

 

Carolin PranzGruppenbild der CHANGE Mediatoren aus Hamburg. ©LESSAN e.V.

 

Myria BöhmeckeGruppenbild der CHANGE Mediatoren aus Paris. ©Femmes Entraide et AutonomieMyria BöhmeckeGruppenbild der CHANGE Mediatoren aus Berlin. ©TERRE DES FEMMES

Einige Highlights aus dem Projekt:

Social Media Kampagne

Männer werden durch ihren Einsatz für Frauenrechte zu Vorbildern- das zeigte auch die Social Media Kampagne, die gemeinsam von den drei Partnerorganisationen am 9. November 2021 vorgestellt und im Rahmen einer Awareness Week auf Instagram präsentiert wurde. Neben kurzen Videos, in denen die CHANGE Mediatoren zu CEFM und FGM/C aufklärten und über ihre persönlichen Erfahrungen sprachen, wurden im Rahmen der Kampagne auch Portraits der Männer aus allen drei Städten mit eigenen Zitaten verbreitet.

Carolin PranzAshebir Mekonen, CHANGE Mediator HAMBURGMyria BöhmeckeAdam Mohammad, CHANGE Mediator PARISMyria BöhmeckeRafiu Awolola Olayinka, CHANGE Mediator BERLIN

Gerade auch während der Corona Pandemie sind Social Media Plattformen ein wichtiger Ort, um Aufklärungsarbeit zu leisten: Mit dem Beitrag über CHANGE-Mediator Ashebir Mekonen (Hamburg) wurden insgesamt 387 Accounts auf Instagram und mit dem Porträt von Ibrahima Tely (Paris) 12 400 Personen auf Facebook erreicht. Auch CHANGE Mediator Rafiu Awolola Olayinka (Berlin) berichtete von vielen Kommentaren und positiven Reaktionen, und das sowohl aus Deutschland als auch aus Nigeria. Das Ziel der Kampagne, international mehr Bewusstsein für FGM/C und CEFM zu schaffen, wurde somit erfüllt: Nicht nur in Deutschland und Frankreich, sondern auch in den verschiedenen Herkunftsländern der CHANGE Mediatoren konnten die Bilder und Videos sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, zu lebhaften Diskussionen anregen und dadurch zahlreiche Menschen bewegen!

Sensibilisierungsaktivitäten

Egal ob ein gemeinsamer Restaurantbesuch, ein Thementag in der Schule oder online via Zoom: Seit Ende Oktober 2020 führten die CHANGE Mediatoren ihre Sensibilisierungsaktivitäten (Behavioural Change Activities - BCAs) durch, bei denen sie in ihren Communitys über die Folgen von FGM/C und CEFM aufklärten. Durch die Corona Pandemie und die strikten Kontaktbeschränkungen konnten kaum persönliche Treffen stattfinden: die CHANGE Mediatoren mussten also selbst kreative Lösungen finden, um ihre Zielgruppe auch weiterhin erreichen zu können. Ob mit einem eigenen Tik Tok Channel, einem Beitrag im Community Radio oder einem selbsterstellten Webinar- die BCAs konnten trotz der neuen Herausforderungen mit viel Engagement und großartigen Ideen umgesetzt und Mitte Juli 2021 erfolgreich abgeschlossen werden!

Carolin PranzEin persönlicher Austausch zu Frauenrechten bei der BCA von CHANGE Mediator Sajjad Khawari- und das trotz Corona! ©TERRE DES FEMMESMyria BöhmeckeBei einem gemütlichen Restaurantbesuch sensibilisierte CHANGE Mediator Clément Drabo seine Gäste für geschlechtsspezifische Gewalt. ©TERRE DES FEMMESMyria BöhmeckeCHANGE Mediator Adama Seck organisierte einen Radiobeitrag über CEFM in Zusammenarbeit mit Dambe FM. Durch diesen regte er mit anderen AktivistInnen eine spannende Debatte zum Thema an! ©Femmes Entraide et Autonomie

Fachkräfteschulungen

Oftmals fehlt es an Anlaufstellen, Informationen und Tipps für den richtigen Umgang mit von FGM/C und CEFM betroffenen Mädchen und Frauen. Deshalb wurden im Projekt durch alle drei Partnerorganisationen insgesamt 18 Fachkräfteschulungen von April bis Juni erfolgreich durchgeführt. Das Fortbildungsangebot richtete sich insbesondere an Fachkräfte, die in Unterkünften für Geflüchtete oder in anderen Bereichen des Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesens tätig sind und in ihrem Arbeitsleben mit betroffenen oder gefährdeten Mädchen und Frauen in Kontakt stehen. Nicht nur die Hintergründe, Folgen und rechtlichen Konsequenzen von FGM/C und CEFM wurden behandelt, es fand auch ein Austausch über praktische Erfahrungen und Interventionsstrategien statt. Das gemeinsame Ziel: betroffene Frauen und Mädchen in Zukunft besser unterstützen zu können!

Europäisches Austauschtreffen

Am 26.06.2021 kamen nochmal alle CHANGE Mediatoren aus Hamburg, Paris und Berlin zusammen, um über die vergangenen zwei Jahre zu sprechen. In geschütztem Rahmen tauschten sich die Männer zu ihren Erfahrungen als Multiplikatoren in den betroffenen Communitys aus. Es gab viel Raum für Reflexion zu ihren persönlichen Erfolgen, aber auch Herausforderungen, die ihnen bei dieser sensiblen Arbeit begegneten. In drei parallel stattfindenden Workshops, wie z.B. zum Thema „Generationsübergreifender Dialog: Wie spreche ich mit Kindern, Jugendlichen und der älteren Generation über FGM/C und CEFM?“ hatten die CHANGE Mediatoren außerdem die Möglichkeit, einige spannende thematische Einblicke zu erlangen.

Internationale Abschlusskonferenz

Am 30. Juni 2021 konnte das erfolgreich durchgeführte Projekt im Rahmen einer zweistündigen Online-Konferenz gebührend abgeschlossen werden. Mit der Vorstellung der Projekthighlights durch die Koordinatorinnen, mehreren bewegenden Redebeiträgen der CHANGE Mediatoren über ihre Arbeit in den Communitys sowie spannenden Einschätzungen von ExpertInnen aus Politik und Gesellschaft hatten alle Anwesenden die Möglichkeit, mehr über den Einsatz gegen FGM/C und CEFM auf internationaler Ebene zu erfahren. In den Beiträgen von Frau Dr. Pierette Herzberger-Fofana MdEP (Grüne/EFA), Schirmherrin des Projekts und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter, Frau Lesia Radelicki, Mitglied des Kabinetts der EU-Kommissarin für Gleichstellung Helena Dalli, Frau Mireille Tsushiminina vom United Nations Population Fund (UNFPA) und Herrn Dr. med. Kouyaté Morissanda, Gründungsmitglied des Inter-African Committee, wurde betont, dass Geschlechtergerechtigkeit nicht mehr nur als Frauenthema angesehen werden darf. Auch CHANGE Mediator Sajjad Khawari stellte in seiner Rede klar: „Wenn Frauen durch Früh- und Zwangsverheiratung und weibliche Genitalverstümmelung die Chance auf Bildung und ein selbstbestimmtes Leben mit eigenen Wünschen, Vorstellungen und Zielen verwehrt wird, verliert man so die Hälfte der Gesellschaft!“ Deshalb ist es unheimlich wichtig, dass sich Männer und Frauen gemeinsam gegen jede Form von geschlechtsspezifischer Gewalt stark machen. Nur so kann ein Umdenken bewirkt werden.

Das Projekt hat gezeigt: Es wurde sehr viel erreicht. Aber auch in Zukunft muss dringend noch mehr getan werden, um FGM/C und CEFM vor allem langfristig zu überwinden. Daher braucht es auch weiterhin solche Initiativen und Projekte mit engagierten Männern, die sich an der Seite von Frauen für mehr Gleichberechtigung stark machen!