Neswan Social Association, Afghanistan – Bildungsarbeit für ein selbstbestimmtes Leben

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Projektgebiete:Aqelah Nazari-Hossain Dad, ehrenamtliche Projektkoordinatorin Afghanistan, auf Besuch bei TERRE DES FEMMES im Juli 2018. Foto: © TERRE DES FEMMESAqelah Nazari-Hossain Dad, ehrenamtliche Projektkoordinatorin Afghanistan, auf Besuch bei TERRE DES FEMMES im Juli 2018. Foto: © TERRE DES FEMMES

“Afghanische Frauen sind mutige Frauen. Unter den Taliban haben wir eine geheime Mädchenschule eingerichtet, aus der später die Neswan Social Association und das Frauenzentrum in Shahrak hervor gingen. Wir haben schon viel erreicht, aber es liegt noch ein langer Weg vor uns bis wir Freiheit und Gleichberechtigung für Frauen in Afghanistan erreicht haben. Dieser Weg ist hart und er ist steinig, aber wir gehen ihn mit aufrichtigem Mut.”
Aqelah Nazari-Hossain Dad
Shahrak, westlich von Herat

Wird von TDF unterstützt seit: 2004

Zielgruppe: Mädchen und Frauen aus der Region Herat im westlichen Afghanistan, insbesondere Angehörige der schiitischen Hasara-Minderheit

Projektaktivitäten:

  • Akademische Bildung: z.B. Alphabetisierungskurse, Computer – und Englischkurse sowie Buchhaltungskurse
  • Berufliche Bildung: z.B. Nähkurse und Arbeitsgruppen zum Anfertigen von Stickarbeiten, Grafikdesign- und Handyreparaturkurse
  • Aufklärung von Frauen über ihre Rechte und Handlungsmöglichkeiten im Gewaltfall
  • Empowerment von Frauen, z.B. durch Workshops in Konfliktmediation und Gesundheitsvorsorge
  • das Frauenzentrum verfügt über eigene Verkaufsflächen, auf denen die Frauen ihre hergestellten Produkte ausstellen und verkaufen können und so wirtschaftlich unabhängiger werden
  • das Frauenzentrum bietet zudem einen geschützten Ort, um sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen

Projektleiterin: Aqelah Nazari-Hossain Dad

Kontakt: Ehrenamtliche Projektkoordinatorin Aqelah Nazari-Hossain Dad (afghanistan@frauenrechte.org - Mails bitte in Englisch verfassen)
oder TERRE DES FEMMES-Referat Internationale Zusammenarbeit (tl-iz@frauenrechte.de)

Factsheet: Komprimierte Fakten zu Frauenrechten in Afghanistan (PDF-Datei)

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Hintergründe und Projektbeschreibung

Frauenrechte in Afghanistan

Bereits 2018 sah eine Studie von Thomson Reuters Afghanistan auf Platz zwei der gefährlichsten Länder für Frauen weltweit. Anfang 2021 berichtete Human Rights Watch, dass 87 Prozent der afghanischen Frauen Menschenrechtsverletzungen erfahren haben. Diese reichen von Zwangsverheiratung und -Prostitution über Vergewaltigung bis hin zu Entführung und Ehrenmord. Ein Drittel der Mädchen wird in Afghanistan minderjährig verheiratet. Die Müttersterblichkeitsrate ist eine der höchsten weltweit. Auch der Frauen vorenthaltene oder aber unzureichende Zugang zu Bildung hat tiefe Spuren hinterlassen: UNESCO zufolge betrug die Analphabetismus-Rate unter Frauen 2020 fast 70 Prozent. Afghanistan wird seit langem von Kriegshandlungen und terroristischen Attentaten erschüttert, deren Auswirkungen v.a. für Frauen und Mädchen verheerend sind - 2020 lag Afghanistan im Global Terrorism Index des Instituts für Wirtschaft und Frieden auf Platz 1 von 135 untersuchten Ländern mit 1.422 Attentaten und 5.725 Toten. Die Taliban verübten davon mit großem Abstand die meisten Taten und schreckten nicht einmal vor Mädchenschulen und Geburtskliniken zurück.

Lage der Frauen nach Rückkehr der Taliban 2021

Foto Hintergrund 1Die Rückkehr der Taliban gefährdet alle in Afghanistan erreichten frauenrechtlichen Fortschritte. © Ehimetalor Akhere Unuabona (Unsplash)Die Rückkehr der Taliban an die Macht nach Abzug der NATO-Truppen im August 2021 hat die Lage erheblich verschärft. In den letzten zwei Jahrzehnten konnten sich afghanische Mädchen und Frauen zumindest laut Verfassung auf gleiche Rechte berufen, im Jahr 2009 trat sogar ein – wenn auch in der Praxis unzulänglich angewendetes – Gesetz zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen in Kraft, das erstmals Vergewaltigung und innerfamiliäre Gewalt als Straftatbestände anerkannte. Frauenschutzhäuser wurden eingerichtet und spezialisierte Polizei- und Justizeinheiten zum Umgang mit Fällen von geschlechtsspezifischer Gewalt geschaffen. Unter den Taliban drohen diese Fortschritte und die Handlungsspielräume, die sich Frauen mühsam erkämpft haben, zunichte gemacht zu werden.

Zwar versprachen die Taliban im Bemühen um diplomatische Anerkennung und finanzielle Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft, die Rechte afghanischer Mädchen und Frauen zukünftig zu achten. Die Realität spricht jedoch eine andere Sprache. Bereits wenige Wochen nach Machtantritt schafften die Taliban das Ministerium für die Angelegenheiten von Frauen ab und ersetzten es durch das Ministerium „für Gebet und Orientierung sowie zur Förderung der Tugend und zur Verhinderung von Lastern“ – Letzteres setzte während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 die Scharia bzw. deren ultrakonservative Auslegung auch mit Auspeitschungen und öffentlichen Hinrichtungen von Frauen durch. Frauenschutzhäuser wurden zwischenzeitlich geschlossen und gleichzeitig Gefängnisinsassen, darunter auch wegen häuslicher Gewalt Verurteilte, von den Taliban entlassen. Auch ehemalige Polizistinnen, Richterinnen und Menschenrechtsverteidigerinnen fürchten Vergeltungsakte einst inhaftierter Straftäter.

In der von den Taliban am 7. September 2021 vorgestellten Übergangsregierung sitzt keine einzige Frau. In dem am 21. September 2021 um 17 Personen erweiterten Kabinett ist weiter keine Frau vertreten. Von Regierungspositionen wurden alle Frauen entfernt und weibliche Medienschaffende mehrheitlich entlassen. Die einzigen zwei Arbeitsbereiche, zu denen Frauen aktuell – wenn auch eingeschränkt - Zugang haben, sind das Gesundheitswesen und der Bildungsbereich. Besonders prekär ist die Lage für alleinstehende und alleinerziehende Frauen. Häufig sind sie die Alleinversorgerinnen in ihren Familien. Wenn ihnen untersagt wird, zu arbeiten, oder mancherorts ohne einen männlichen Verwandten das Haus zu verlassen, hat das gravierende Folgen für ihre Existenzsicherung. Viele haben zudem Angst, zu einer Heirat mit Taliban-Kämpfern gezwungen zu werden.

Die Bewegungsfreiheit von Frauen wird erneut stark beschnitten – viele bleiben aus Angst vor den Taliban oder Schikanen bei Kontrollen der Kleiderordnung zu Hause. Auch der Zugang zu öffentlicher Gesundheitsversorgung ist für Frauen erschwert, da sie sich ausschließlich von weiblichen Fachkräften behandeln lassen dürfen, die nicht überall präsent sind. Die Ausübung von Sport wurde Frauen gänzlich untersagt. Allein der Grundschulbesuch ist Mädchen landesweit weiter möglich. Zum Besuch der Sekundarschulen wurden bei Wiederöffnung lediglich Jungen und männliche Lehrkräfte aufgerufen. Zunächst solle eine vollständige Geschlechtertrennung hergestellt werden. Ob, wie und wann diese bei Lehrkräfte- und Budget-Mangel, räumlichen Gegebenheiten und zeitlichen Herausforderungen wie separaten Unterrichtszeiten gewährleistet werden kann, bleibt derzeit offen.

Tausende Menschen haben Afghanistan verlassen oder halten sich aus Angst vor Verfolgung und Vergeltung im Land versteckt. Menschen- und insbesondere FrauenrechtsaktivistInnen schweben in besonderer Gefahr. Nichtsdestotrotz protestieren mutige Frauen weiterhin gegen die Taliban und Frauenrechtsverletzungen, und stellen sich der teilweise brutalen Reaktion des Regimes entgegen.

Aktuelle Lage der TERRE DES FEMMES-Partnerorganisation

Auch das Team der TDF-Partnerorganisation Neswan Social Association hielt sich nach Einnahme der Provinz Herat wochenlang versteckt. Aufgrund der anhaltenden Sicherheitsbedrohung z.B. durch Hausdurchsuchungen haben mehrere Mitarbeitende Afghanistan nun verlassen oder planen, dies zu tun. Die Projektarbeit liegt derzeit auf Eis. Spuren, die auf vorherige Lehr- und frauenrechtliche Arbeit im Frauenbildungszentrum von Neswan hindeuten könnten, wurden entfernt. Die TDF-Partnerorganisation hat den festen Vorsatz, weiter frauenrechtlich in Afghanistan aktiv zu bleiben, es gilt jedoch abzuwarten, wann, wie und in welchem Umfang dies möglich sein wird. Vorstellbar sind u.a. digitale Lehr- und Empowerment-Angebote für Frauen und Mädchen oder die Unterstützung anderer frauenrechtlicher Initiativen, die in Afghanistan aus dem Untergrund weiterarbeiten. TDF wird weiter fest an der Seite von Neswan stehen, die Existenzsicherung der Mitarbeitenden im Exil und v.a. den weiteren Einsatz für die vollständige Anerkennung und Durchsetzung der Rechte von Frauen und Mädchen in Afghanistan unterstützen.

Die Stadt Shahrak

Stadt ShahrakBlick auf die drittgrößte Stadt Afghanistans Herat. © Todd Huffman (Wikimedia Commons)Shahrak liegt im Westen Afghanistans in der Nähe der Stadt Herat und ist eine Siedlung der schiitischen Hasara-Minderheit. Obwohl die Hasara in Afghanistan die drittgrößte Volksgruppe bilden, wurden sie wegen ihrer religiösen und ethnischen Sonderstellung immer wieder Opfer von Verfolgung und Diskriminierung, insbesondere durch religiös-fundamentalistische Gruppen wie die Taliban und ISIS. Ursprünglich kommen die Hasara aus dem so genannten Hasarajat - einer Region in der Mitte Afghanistans.

Die Menschen in Shahrak waren bereits vor der Rückkehr der Taliban an die Macht stark von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen. Etliche Frauen haben ihre Männer im Krieg verloren und müssen allein für ihre Familien sorgen. Viele der EinwohnerInnen Shahraks haben während des ersten Taliban-Regimes im Iran gelebt, wo ihnen der Schulbesuch durch hohe Schulgebühren für Geflüchtete verunmöglicht wurde.

Neswan Social Association

Im Jahr 2003 wurde der Verein mit Hilfe der Deutsch-Afghanischen Initiative (DAI) in Freiburg gegründet. Den Impuls dazu gab eine bereits unter dem ersten Taliban-Regime heimlich eingerichtete Mädchenschule. TERRE DES FEMMES unterstützt die Neswan Social Association und das Frauenbildungszentrum in Shahrak seit 2004.

Das Frauenbildungszentrum verfolgt mehrere Ziele:

  • Zugang von Frauen zu Bildung: Im Frauenzentrum werden Frauen, die aus finanziellen oder anderen Gründen nicht die Möglichkeit dazu haben, u.a. in Lesen und Schreiben unterrichtet und auf ihrem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit unterstützt.
  • Im Frauenzentrum werden Frauen und Mädchen über ihre Rechte informiert und erhalten aufklärende Informationen zur Stellung der Frau im Islam und vor dem Gesetz. Dadurch werden traditionelle Rollenbilder hinterfragt und Selbstvertrauen gestärkt, um selbstbestimmte Wege zu gehen.
  • Treffpunkt für Frauen: Das Frauenzentrum ist ein Treffpunkt und Ort des Austauschs für Frauen, die Hilfe benötigen, z.B. wegen häuslicher Gewalt oder ungerechter Behandlung. Es bildet damit für die Frauen in der Region einen der wenigen Orte, an denen sie den strengen und männerdominierten Strukturen entkommen können.

Aktivitäten des Frauenbildungszentrums Shahrak (bis 08/2021)

Bildungsarbeit mit Mädchen und Frauen

Projektaktivitäten 1Nähkurs im Frauenbildungszentrum, © Neswan Social AssociationDie Neswan Social Association verfolgt das Ziel, Frauen und Mädchen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Die Mitarbeiterinnen organisieren ein breit gefächertes Kursprogramm, darunter Alphabetisierungs-, Englisch-, Computer-, Friseurhandwerks-, Handyreparatur- und Nähkurse sowie weitere Aktivitäten in Textilproduktion und -vermarktung. Außerdem finden Workshops und Seminare zu Themen wie Frauenrechte und gesundheitliche Aufklärung statt. 2019 wurde zudem ein psychologisch begleitetes Seminar zu Methoden der Gewaltminderung und Konfliktmediation in Familien eingeführt. Diese Angebote finden regen Zulauf, häufig gibt es Wartelisten. Allein 2019 nahmen 595 Mädchen und Frauen an den Kursen teil. Im Jahr 2020 konnten 185 Teilnehmerinnen erreicht werden – obwohl die Corona-Pandemie die Neswan Social Association dazu zwang, den Unterricht fast ein halbes Jahr lang auszusetzen. 

Etwa 25 Kursabsolventinnen schlossen sich 2016 in einem Verbund mit dem Namen Zanane Andishmand („Vorankommende Frauen“) zusammen, um auf Märkten und bei Veranstaltungen ihre Produkte aus der Textilverarbeitung gemeinsam zu verkaufen. Im Dezember 2016 veranstaltete das Frauenzentrum eine einwöchige Ausstellung mit Verkaufsmöglichkeit, an der Frauen aus der Region mit eigenen Produkten teilnahmen. 2018 wurde im Rahmen des Weltfrauentags am 8. März eine weitere Ausstellung im Beisein von 500 Frauen eröffnet. Im gleichen Jahr begeisterten die Frauen 490 BesucherInnen mit dem Verkauf ihrer Handwerkskunst. Nicht zuletzt fand ebenfalls 2018 dank der Neswan Social Association zum ersten Mal eine Modenschau in Herat statt – ein großer Tabubruch in einer Region, in der Veranstaltungen wie Modenschauen, Konzerte etc. verpönt sind!

Projektaktivitäten 2Englischkurse sind besonders nachgefragt, © Neswan Social Association Und so ist das Frauenzentrum Shahrak nicht nur Bildungsstätte, sondern auch ein Versammlungsort, an dem sich die Frauen austauschen und Unterstützung finden. Um dies weiter zu fördern, wurde ein Café eingerichtet, in dem die Frauen sich treffen und ihre Erfahrungen austauschen können.

Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Ein weiterer Schwerpunkt der Projektaktivitäten ist es, Frauen auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit zu unterstützen. Dazu bildet das Zentrum Frauen in Näherei, aber auch in Konditorei, oder zur Friseurin aus. Auch bei diesen Kursen ist die Nachfrage groß. Außerdem trifft sich im Zentrum eine Gruppe von Mädchen und Frauen, die Stoffe mit traditionellen Stickereien verziert und diese später verkauft.

Eigene Räume für das Frauenbildungszentrum

Projektaktivitäten 3Beim Computerkurs bleibt kein Platz leer, © Neswan Social Association Aufgrund der angespannten politischen Situation musste das Frauenzentrum in der Vergangenheit immer wieder seinen Standort wechseln. Deshalb hat sich die Neswan Social Association inzwischen eigene Räume geschaffen.

Dafür hat der Verein zunächst ein Grundstück erworben. Dank der Unterstützung durch die Deutsch-Afghanische Initiative und TERRE DES FEMMES konnte im Juni 2015 das neu gebaute Frauenzentrum mit acht Klassenräumen, einem Veranstaltungsraum und einem Verkaufsraum eröffnet werden. Es bietet Platz für 270 Frauen im Alter von 14-60 Jahren.

Ein eigenes Haus bedeutet zum einen die langfristige Existenzsicherung des Frauenzentrums. Zum anderen bietet es den Frauen durch den Verkaufsraum die Möglichkeit, selbst hergestellte Textilien aus den Nähkursen und Produkte wie Backwaren, reparierte Handys etc. zu verkaufen. Die Frauen verdienen so ihren eigenen Lebensunterhalt und können finanziell unabhängig werden. Neben geschützten Räumen zum Austausch und für die Bildungsarbeit mit Frauen und Mädchen schafft das Zentrum so auch wirksames wirtschaftliches Empowerment.

Unterstützung gerade jetzt notwendig

Aufgrund der erhöhten Gefährdungslage seit der Machtergreifung der Taliban im August 2021 muss das Frauenbildungszentrum der Neswan Social Association derzeit geschlossen bleiben – die Sicherheit des Teams und der Frauen, die sich an die TDF-Partnerorganisation wenden, hat oberste Priorität. Ihre Unterstützung braucht es dennoch dringender denn je!

Ihre Spende dient dem Schutz und der Existenzsicherung der afghanischen AkivistInnen, die ihre Stimme für sich und andere Frauen erhoben haben, und die sich jetzt versteckt halten oder ihr Land verlassen müssen. Gleichzeitig sind wir fest entschlossen, afghanische Mädchen und Frauen in und außerhalb Afghanistans weiter zu unterstützen. Vor allem bei der aktuellen Lage vor Ort, die sich für Frauen und Mädchen als extrem belastend, frustrierend und perspektivlos darstellt, dürfen wir nicht wegsehen. Mit den für Afghanistan eingeworbenen Spendengeldern hat TDF in einem ersten Schritt eine Demonstration zum Schutz der Frauenrechte in Afghanistan am 23. September 2021 in Berlin unter breiter Beteiligung der afghanischen Diaspora-Community auf die Beine gestellt und unterstützt zudem eine für Oktober 2021 geplante landesweite Frauenrechtsdemonstration in Afghanistan.

Erfolge des Projekts (bis 08/2021)

Bildung als Schlüssel zu beruflicher Zukunft und Selbstbestimmung

Foto Erfolge 1Empowerment durch Bildung, © UN Photo/Sebastian Rich (Flickr)Die verschiedenen Kurse des Frauenzentrums Shahrak finden regen Zulauf – pro Jahr nehmen 500 - 600 Frauen und Mädchen daran teil. Für alle Kurse gibt es immer wieder lange Wartelisten. Viele junge Frauen haben durch die Teilnahme an den Angeboten ihre Schulbildung verbessern können. Regelmäßig schaffen rund 10 Mädchen jährlich den Übergang in die staatliche Oberstufe, nachdem sie sich in den Kursen in Shahrak auf die staatliche Aufnahmeprüfung vorbereitet haben. Ältere Teilnehmerinnen der Alphabetisierungskurse nutzen ihre neuen Kenntnisse im Alltag und empfinden ihre neuen Fähigkeiten als große Erleichterung. Teilnehmerinnen aus den Computer- und Englischklassen, bereiten sich entweder auf eine berufliche Tätigkeit in einer Bank oder einer NGO vor oder auf die Aufnahmeprüfung für die Universität Herat. Einige der Lehrerinnen am Frauenbildungszentrum sind Studentinnen der Universität Herat und leben so anderen Mädchen und Frauen im Zentrum vor, was auch sie erreichen können.

2020 wurde erstmals ein Kurs für Grafikdesign und Media-Content-Management eingerichtet, der sich an Studentinnen richtet. Vier Absolventinnen produzieren seitdem gemeinsam Podcasts, Hörbücher und Biografien erfolgreicher Frauen, um weitere afghanische Mädchen und Frauen zu erreichen und sie durch Identifikation mit Vorbildern in ihrer Selbstbestimmung zu stärken.

Empowerment von Frauen in der ganzen Region

Neben den persönlichen Erfolgen der Teilnehmerinnen verändert das Frauenbildungszentrum auch die Rolle und Wahrnehmung der Frauen in der Stadt Shahrak. Die Frauen werden inzwischen regelmäßig zu offiziellen Festen der Stadt eingeladen. Politische VertreterInnen der Stadt sprechen zu feierlichen Anlässen im Zentrum, wie z.B. zum Weltfrauentag am 8. März oder zur Eröffnung des neuen Zentrums. Die Neswan Social Association unterstützt außerdem PolitkerInnen, wie beispielsweise bei den Wahlen 2008, bei denen eine weibliche Kandidatin in den Provinzrat gewählt wurde. Zu anderen Aktivitäten zählt auch die Teilnahme an einem Frauenradrennen im Juli 2017. Vor allem von der männlichen Bevölkerung Afghanistans werden Frauen, die ein Fahrrad fahren, als „unehrenhaft“ empfunden, eine Folge der ideologischen Machtausübung der Taliban. Außerdem nutzen junge Frauen aus Shahrak, die nicht mehr an den Kursen teilnehmen, die Räume für regelmäßige Diskussionsnachmittage zu aktuellen Büchern und Filmen. Neben Workshops zu Themen wie Menschenrechte der Frau, Konfliktmediation und Gesundheitsvorsorge wird eine kostenlose Rechtsberatung und anwaltlicher Beistand vor Gericht angeboten. Auch die Etablierung einer solchen Anlaufstelle in Shahrak kann als großer Erfolg des Zentrums gewertet werden.

Aktiv werden & Spenden

Kursteilnehmerinnen bei der Alphabetisierung. Foto: © Neswan Social Association© Neswan Social AssociationIhre Spende wird besonders benötigt - unmittelbar

  • für die temporäre Existenzsicherung des Teams der Neswan Social Association und ihre evtl. Evakuierung aus Afghanistan
  • für Demonstrationen zugunsten der Unverhandelbarkeit und Sicherstellung der Menschenrechte der Frau in Afghanistan
  • für die Stärkung afghanischer Mädchen und Frauen in und außerhalb Afghanistans vor dem Hintergrund der erneuten Machtübernahme der Taliban
  • für die Fortsetzung der Bildungs- und Frauenrechtsarbeit der Neswan Social Association in neuem Format und ggf. auch die Kooperation mit anderen Frauenrechtsinitiativen, die in Afghanistan im Untergrund weiterarbeiten

Ihre Spende wird besonders benötigt - mittelfristig

  • für den Erhalt und die Sicherung des Frauenzentrums
  • um das vielfältige Kursangebot weiterhin aufrecht zu erhalten
  • für den Erwerb von Unterrichtsmaterialien
  • um die Vermarktung der Nähprodukte voranzubringen
  • für die Bezahlung qualifizierter Lehrerinnen und Ausbilderinnen

Unterstützen Sie die Neswan Social Association mit einer einmaligen Spende oder spenden Sie regelmäßig und werden Sie FörderIn!