„Wir haben ein Recht auf Leben!“ – Besuch des TDF-Partnerprojektes Bangr Nooma (Burkina Faso)

Renate Staudenmeyer im Gespräch mit der Psychologin. Foto: © TERRE DES FEMMESRenate Staudenmeyer im Gespräch mit der Psychologin.
Foto: © TERRE DES FEMMES
Das Gewaltschutzzentrum „Centre d’Accueil, d’Ecoute et de Conseils pour les Femmes et les Filles“ (CAECF) in Ouagadougou ist ein Kooperationsprojekt von TERRE DES FEMMES und ihrer Partnerorganisation Bangr Nooma in Burkina Faso, welches wir seit Ende 2014 mit Zuschüssen vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) aufgebaut haben. Dort finden gewaltbetroffene Mädchen und Frauen Notunterkunft, Schutz und Beratung, sowie nach Bedarf psychologische und juristische Unterstützung. Im November 2018 war Renate Staudenmeyer, Referentin für Internationale Zusammenarbeit von TERRE DES FEMMES vor Ort und hat sich von der erfolgreichen Arbeit überzeugen können.

Neben der Beratungsarbeit und Einzelfallhilfe im CAECF werden auch Schulungen für MultiplikatorInnen und Aufklärungsarbeit durchgeführt, um über das seit September 2015 in Burkina Faso erstmals existierende Gewaltschutzgesetz zu informieren. Im Jahr 2017 erreichte das CAECF dadurch mehr als 3.000 Menschen. In die Einzelberatung kommen monatlich durchschnittlich ca. 10-15 Mädchen und Frauen und bitten um Hilfe. Alleine von Januar bis Oktober 2018 wurden 121 Fälle betreut, die weitaus größte Zahl der Frauen (55, 4%) ist betroffen von psychologischer/moralischer Gewalt (Beleidigung, Drohung, Verleumdung, Erniedrigung, moralische Erpressung etc.). Danach kommen mit 14,9% Frauen, die von ökonomischer Gewalt betroffen sind (Verweigerung des Zugangs zu Geldressourcen, zu Eigentum/Land; Frauen erwirtschaften Geld und der Mann nimmt es weg etc.), dann mit 12,4 % körperliche Gewalt, 8,3 % kulturelle Gewalt (weibliche Genitalverstümmelung, frühe Zwangsverheiratung, Verstoßung u.a. wegen des Vorwurfs der Hexerei, Zwang zum Levirat etc.), 5 % sexuelle Gewalt und 4 % der Frauen, die mit familiären Problemen zu tun haben (Unterhaltsgeld für Kinder, Erbunterschlagung).

M. berichtet über ihre Erfahrungen mit der Psychologischen Beratung. Foto: © TERRE DES FEMMESM. berichtet über ihre Erfahrungen mit der Psychologischen Beratung. Foto: © TERRE DES FEMMESAufgrund der häufig vorkommenden Betroffenheit von Mädchen und Frauen mit psychologischer/moralischer Gewalt, aber auch weil in letzter Zeit öfters suizid-gefährdete Frauen ins CAECF gekommen sind, hat man die psychologische Beratungsarbeit seit August 2018 gezielter aufgestellt. Psychologie wird als Metier in westafrikanischen Ländern eher als etwas „Exotisches aus dem Westen“ angesehen und ist unter der Bevölkerung nicht gerade bekannt oder per se akzeptiert. Die CAECF-Psychologin selbst war am Beginn ihrer Arbeit etwas skeptisch, zumal sie mit Frauen vom Land, die keine Schulbildung haben, zu tun hat. Frauen, die gleichzeitig unglaublich viele Aufgaben zu stemmen haben, um ihren Lebensalltag zu bestehen. „Die meisten Frauen kommen ja mit der Hoffnung in die Beratung, dass ihre Probleme jetzt von uns, den CAECF-Mitarbeiterinnen, gelöst werden“, so die Psychologin, „also muss in den ersten Gesprächen erstmal diese Idee durch eine andere Idee ersetzt werden. Gleichzeitig versuche ich den Frauen ganz viel Kraft zu geben, ihr Selbstbewusstsein und ihren Mut zu stärken. Es ist oft unglaublich mit wie vielen Problemen sie konfrontiert sind... ganz langsam mache ich ihnen klar, wenn sie sich erstmal nur ein Problem vornehmen, dann reicht die Kraft, um es anzugehen.“

Renate Staudenmeyer war in zwei Gesprächen dabei und hat den Bericht einer der Frauen mitgenommen: „Zuerst hab` ich gedacht, was soll denn das Gequatsche, ich muss jetzt noch soviel zu Hause machen, bin doch schon völlig fertig mit allem, was zu tun ist.... hier vergeude ich doch nur meine Zeit? Aber im zweiten oder war es das dritte Treffen mit E. (Psychologin) habe ich schon gemerkt, wie gut mir das tut, dass ich mich innerlich besser fühle, dass es mir Kraft gibt....ich habe mich noch nie so gefühlt... Jetzt weiß ich, was es heißt: wir haben ein Recht auf Leben!“

Unterstützen Sie unsere Projektarbeit in Burkina Faso mit Ihrer Spende!

Spendenbutton

Stand: 12/2018