Weitere Unterstützung für das Frauenschutzhaus in Mali

Das APDF-Gebäude, in dem sich auch das Frauenschutzzentrum befindet. Foto: © APDFDas APDF-Gebäude, in dem sich auch das Frauenschutzzentrum befindet. Foto: © APDFSeit 2009 ist TERRE DES FEMMES in Kontakt mit dem Frauenschutzhaus in Bamako/Mali. Gründung und Bau des Frauenhauses wurden durch die Finanzierung eines Kölner Unternehmers in den Jahren 2009/2010 ermöglicht. Dank seiner kontinuierlich fortgesetzten Förderung kann diese Kooperation fortbestehen. Ein großartiges Engagement von einem männlichen Unternehmer, der sich nachhaltig für Frauenrechte einsetzt!

Die Unterstützung kommt der Partnerorganisation „Association pour le Progrès et la Défense des Droits des Femmes“ - APDF zugute. Die Organisation zur Förderung und Verteidigung der Rechte der Frauen in Bamako betreibt das Frauenschutzzentrum in Bamako und bietet dort medizinische, rechtliche und psychologische Hilfen sowie Unterkunft für von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen an.

 


APDF Notunterkunft für gewaltbetroffene Frauen. Foto: © APDFAPDF Notunterkunft für gewaltbetroffene Frauen. Foto: © APDFMali ist eines der ärmsten Länder der Welt. Auf dem Human Development Index von 2014 belegt das Land Platz 179 von 188. Etwa drei Viertel der Bevölkerung haben für den Lebensunterhalt eines Tages weniger als zwei Dollar zur Verfügung. Geschwächt wird das Land auch von seinen politischen Krisen. Besonders in 2012 durchlebte Mali schwere politische Unruhen: Meuternde Soldaten stürzten den Präsidenten, während gleichzeitig im Norden des Landes eine Touareg-Rebellion und islamistische Extremisten die Einheit des Landes gefährdeten. Die Krisensituation ist inzwischen wieder stabiler geworden, aber immer noch als fragil anzusehen.

Außerdem liegt das Territorialgebiet von Mali zu großen Teilen in der Sahara und Sahelzone, so dass es auch immer wieder zu Ernährungskrisen kommt.

Die schwierigen sozioökonomischen Bedingungen wirken sich nicht nur in extremer Armut aus, sondern auch in einem starken Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern und spiegeln sich wieder in ausgeprägten und vielfältigen Formen von Gewalt gegen Frauen.

Die Mission von APDF: "Wir fördern Frauengruppen für die Verteidigung ihrer Rechte und Interessen gegen jegliche Formen der Gewalt und Diskriminierung und für eine wirksame Beteiligung von Frauen an Entwicklungsprozessen". Foto: © APDFDie Mission von APDF: "Wir fördern Frauengruppen für die Verteidigung ihrer Rechte und Interessen gegen jegliche Formen der Gewalt und Diskriminierung und für eine wirksame Beteiligung von Frauen an Entwicklungsprozessen".
Foto: © APDF
In einer Studie vom malischen Frauenministerium (2002) werden mehr als 20 unterschiedliche Formen von Gewalt gegen Frauen genannt und konstatiert, dass jede Frau in Mali von mindestens einer dieser Gewaltformen betroffen ist. Hierzu gehören nicht nur die weithin bekannten Formen körperlicher Gewalt und sexueller Gewalt (Schläge, Tritte, Vergewaltigung, häusliche und sexualisierte Gewalt, sexuelle Ausbeutung, sexuelle Belästigung), sondern auch  vielfältige Formen von psychischer und moralischer  Gewalt (Beleidigungen, Drohungen und Verleumdungen); ebenso die Formen ökonomischer Gewalt, die sich darin ausdrücken, dass Frauen oftmals der Zugang zu Geld, Eigentum, Land und Bildung verwehrt wird; des weiteren die Formen sozialer/traditioneller Gewalt, zu denen weibliche Genitalverstümmelung, frühe Zwangsverheiratung, das Verstoßenwerden von marginalisierten Frauen – etwa in Folge des Vorwurfs der Hexerei, oder der Zwang zum Levirat (sogenannte Schwagerehe) zählen, wie ebenso die extrem frauenfeindlichen Witwenrituale, die Witwen auferlegt werden, weil man per se davon ausgeht, dass sie am Versterben ihres Mannes beteiligt waren.

Gleichzeitig gibt es in Mali allerdings zahlreiche juristische Texte, die Gültigkeit haben und die auch für Gewaltschutz von Mädchen und Frauen stehen: Verfassung, Familienrecht und Strafrecht, auch internationale Rechtswerke wie die UN-Frauenrechtskonvention von Mali seit 1995 ratifiziert.

Aber die Rechtswirklichkeit sieht völlig anders aus. Häufig greifen die traditionellen Regelwerke stärker, als die Inanspruchnahme moderner Rechtssysteme auf lokaler Ebene.

Für viele Frauenrechtlerinnen sind die sozialen Normierungen, die auf traditionellen Werten beruhen, die schwerwiegendsten Hindernisse für eine wirkliche Gleichberechtigung der Frauen.
„Dadurch, dass uralte Gewaltpraxen gegen Frauen tief im Bewusstsein der Gesellschaft verwurzelt sind, brauchen wir viel Aufklärungsarbeit, bis wir zu Veränderungen kommen.“, so Mme Diakité, die Präsidentin von APDF.

Soziale Normen sind in jeder Kultur nur über langwierige Veränderungsprozesse in Richtung eines Wandels zu bringen. Da braucht es einen langen Atem. Um so mehr ist es wichtig, dass APDF auch langfristig weiter unterstützt werden kann. Und um so mehr ist es dankenswert, dass sich ein Kölner Unternehmer diese Sache auf seine Fahnen geschrieben hat.

TERRE DES FEMMES möchte sich ebenso verstärkt in die Kooperation zu APDF einbringen. Um den Kontakt zu intensivieren wird es im Februar 2016 einen TDF-Projektbesuch bei APDF in Bamako geben, bei dem über die Perspektiven der Kooperation im direkten Gespräch nachgedacht werden kann.

 

Stand 02/2016

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