TERRE DES FEMMES besucht autonomes Frauenhaus in Istanbul

Necla Kelek (links) und Christa Stolle (rechts) besuchen das einzige autonomes Frauenhaus in der Türkei. Foto:  © TERRE DES FEMMES Necla Kelek (links) und Christa Stolle (rechts) besuchen das einzige autonome Frauenhaus in der Türkei.
Foto: © TERRE DES FEMMES
Necla Kelek, Vorstandsfrau, und Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin, besuchten auf ihrem Weg nach Van die Frauenhausstiftung Mor Cati (Lila Dach) in Istanbul und informierten sich über die Arbeit dieser Organisation. Täglich wenden sich 10 Frauen, die Gewalt erfahren haben an Mor Cati und nehmen Beratung in Anspruch. Seit 2009 leitet die Stiftung ein eigenes autonomes Frauenhaus.

Seitdem wohnten ca. 100 Frauen und Kinder im Frauenhaus, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus oder finanziellem Einkommen. Vier von zehn Frauen sind in der Türkei im eigenen Haus der körperlichen Gewalt des Partners ausgesetzt. Täglich werden drei bis fünf Frauen von aktuellen oder ehemaligen Partnern ermordet. Obwohl die Türkei im Jahr 2008 ein Gewaltschutzprogramm verabschiedet hat, sind bisher nur 14 Beratungsstellen mit angegliederten Nothilfeplätze geschaffen worden. Frauen, die sich an diese staatlichen Stellen wenden, sind strengen Auflagen ausgesetzt. Voraussetzung einer Aufnahme ist, dass die Hilfesuchende eine Strafanzeige gegen den Partner vorlegen muss. Männliche Kinder dürfen nicht älter als 12 Jahre sein, den Frauen werden die Handys abgenommen, sie dürfen die Zuflucht in der Regel nicht verlassen. Sie müssen den Versöhnungsbitten der Ehemänner zustimmen und Gesprächsbereitschaft zeigen. Darüber hinaus gibt es wenig Schutz für Frauen in der Türkei, es fehlt an Beratungsstellen und Personal.

Die 15 ehrenamtlichen als auch hauptamtlichen Mitarbeiterinnen von Mor Cati setzen dagegen auf ein ganz anderes Konzept. Sie haben diese strengen Auflagen nicht. Sie stärken und unterstützen betroffene Frauen seit 25 Jahren. Sie erarbeiten mit den Frauen gemeinsam individuelle Lösungsmöglichkeiten und begleiten sie dabei. Auch über das Thema Frühehen sprachen die Frauen: in der Türkei werden 26 Prozent der Frauen minderjährig verheiratet (unter 18 Jahre). Seit 2014 können Imame Ehen schließen ohne standesamtliche Trauung.

Die Mitarbeiterinnen von Mor Cati begreifen sich auch als feministische Aktivistinnen, die grundsätzlich das patriarchale System in Frage stellen und sich an Demonstrationen und Aktionen rund um den 8.März und den 25. November beteiligen. Die Mitarbeiterinnen freuten sich über das mitgebrachte Banner „frei leben – ohne Gewalt“ auf Türkisch und versprachen es am 25. November aus dem Fenster zu hängen.

 

Stand 10/2015

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