Situation von Frauen bei Parlamentswahl in Afghanistan zeigt: TERRE DES FEMMES-Partnerprojekt leistet wichtige Arbeit zu aktuellen Problemen

Frauen beim Alphabetisierungskurs im Frauenzentrum in Sharak. Foto: © Neswan Social AssociationFrauen beim Alphabetisierungskurs im Frauenzentrum in Sharak. Foto: © Neswan Social AssociationAm 20. Oktober 2018 wurde in Afghanistan ein neues Parlament gewählt. Seit 2015 war die Wahl aufgrund von Sicherheitsbedenken und Diskussionen über Wahlrechtsreformen immer wieder verschoben worden. Die Wahl wird auch als Test für die Präsidentschaftswahl 2019 gesehen. 417 der insgesamt 2565 KandidatInnen bei der Wahl waren Frauen. Damit standen mehr Frauen zur Wahl als jemals zuvor in dem südasiatischen Land. Dennoch gibt es nach wie vor große Hürden für die politische Partizipation von Frauen in Afghanistan. Schon alleine die Wahlbeteiligung stellt eine Hürde dar. Denn durch einen Aufruf der Taliban zum Wahlboykott und durch die Androhung von Anschlägen war die Situation vor und während der Wahl sehr angespannt. Die vorläufigen Wahlergebnisse werden Mitte November und die endgültigen Ende Dezember erwartet. Aqelah Nazari-Hossain Dad, Projektleiterin und ehrenamtliche Projektkoordinatorin der Neswan Social Association für TERRE DES FEMMES, hat die Parlamentswahl intensiv über die Medien mitverfolgt und uns über ihre Eindrücke berichtet.

Die Neswan Social Association wird von TERRE DES FEMMES seit 2004 unterstützt. Sie ging aus einer Mädchenschule hervor, die Aqelah Nazari-Hossain Dad und ihre Schwestern heimlich unter den Taliban errichtet hatten. Inzwischen hat die Organisation ein eigenes Frauenbildungszentrum in Sharak im Westen Afghanistans aufgebaut. Neben akademischen und beruflichen Bildungskursen bietet das Frauenzentrum auch einen Verkaufsraum für Frauen an. Dort können sie die in den Kursen produzierten Waren verkaufen und damit ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen, um finanziell unabhängig zu werden.

Im Vergleich zu früheren Wahlen ist es ein positives Zeichen, dass sich sowohl die Anzahl der Wählerinnen als auch der Kandidatinnen in der aktuellen Parlamentswahl eindeutig erhöht hat. Registriert waren ungefähr 5.680.000 Wähler und 3.070.000 Wählerinnen. Wählen gegangen sind allerdings nur circa 3 Millionen Personen insgesamt. Trotz der positiven Tendenz bei der Beteiligung von Frauen an der Wahl ist der geringere Einfluss von Frauen als Kandidatinnen und als Parlamentsabgeordnete im Gegensatz zu Männern besorgniserregend. 68 der 249 Parlamentssitze sind laut dem afghanischen Gesetz für Frauen reserviert. Dieses Gesetz hat sich allerdings nicht nur positiv ausgewirkt. „Durch das Gesetz gibt es weniger Wettbewerb zwischen weiblichen und männlichen KandidatInnen. Dies führt dazu, dass Frauen ihren Anreiz zu kämpfen verlieren“, so Aqelah Nazari-Hossain Dad. Ein weiterer Grund für den geringen Einfluss von Frauen im politischen Alltag ist, dass sich finanzielle Mittel und Macht in der patriarchalisch geprägten afghanischen Gesellschaft meist in den Händen von Männern befinden. Trotzdem: „In Anbetracht der angespannten Sicherheitslage im afghanischen Raum, ist die gestiegene Beteiligung von Frauen an der Wahl vielversprechend“, so Aqelah Nazari-Hossain Dad.

Knapp 32 Prozent der afghanischen Bevölkerung kann lesen und schreiben. Bei Frauen trifft dies lediglich für knapp 18 Prozent zu. Dies ist ein erschwerender Faktor für die Beteiligung an Wahlen. Die Regierung hat auf dieses Problem bereits reagiert, indem sie die Stimmzettel entsprechend gestaltet hat. Allerdings hilft dies nur für eine passive Wahlbeteiligung. Dies ist ein Grund warum die Bildungsarbeit für Frauen der Neswan Social Association so wichtig ist. So kann hoffentlich in Zukunft auch für Frauen die Chance erhöht werden, sich als Kandidatinnen aufzustellen und einen Wahlkampf zu führen.

Auch das afghanische Wahlrecht ist schuld an einigen Problemen, mit denen Kandidatinnen konfrontiert werden. Das Wahlrecht verlangt beispielsweise von allen KandidatInnen eine Kaution. Diese ist, durch den ungleichen Zugang zu finanziellen Ressourcen, für Frauen schwieriger zu erbringen als für Männer. Außerdem braucht jede/r KandidatIn 1.000 Unterschriften um antreten zu können. Auch das ist für Frauen meistens schwieriger zu erreichen, da Frauen mit größeren Sicherheitsbedenken in Bezug auf öffentliche Auftritte konfrontiert werden als Männer.

Aqelah Nazari-Hossain Dad zu Gast bei TERRE DES FEMMES bei ihrem Besuch in Berlin 2018. Foto: © TERRE DES FEMMESAqelah Nazari-Hossain Dad zu Gast bei TERRE DES FEMMES bei ihrem Besuch in Berlin 2018. Foto: © TERRE DES FEMMESOb Frauen in der Lage sein werden durch die Parlamentswahl eine stärkere Stimme in Afghanistan zu erlangen, könne daran erkannt werden, ob sie mehr Sitze gewinnen als die Quote im Wahlrecht ihnen automatisch zuschreibt, so BBC in einem aktuellen Artikel zur Wahl. In der letzten Parlamentswahl 2010 hatten Frauen laut BBC-Bericht eine Stimme mehr gewonnen als per Quote vorgeschrieben. Falls eine Steigerung dieser Zahl möglich sein sollte, wäre dies in der Tat ein großer Erfolg und würde Aqelah Nazari-Hossain Dads Zuversicht über die Wahl bestätigen.

Es ist wichtig, dass die Neswan Social Association auch weiterhin ihre Bildungsarbeit mit Frauen in Sharak fortführen kann, um die Rechte und die Beteiligung von Frauen in der afghanischen Gesellschaft zu stärken. Dafür benötigt die Organisation Ihre Spende.

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Stand: 11/2018

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