Umkämpfte Frauenrechte in Mexiko und Mittelamerika – Berichte aus erster Hand

v.l.n.r.: Birgitta Hahn (Referat Internationale Zusammenarbeit), Regina Tamés (GIRE)  und TDF-Vorstandsfrau Inge Bell. Foto: © TERRE DES FEMMESv.l.n.r.: Birgitta Hahn (Referat Internationale Zusammenarbeit), Regina Tamés (GIRE) und TDF-Vorstandsfrau Inge Bell.
Foto: © TERRE DES FEMMES
Am 30. Juni 2017 besuchte die mexikanische Frauenrechtsanwältin Regina Tamés TERRE DES FEMMES in Berlin. Als Leiterin der 1992 gegründeten Nichtregierungsorganisation GIRE (Grupo de Información en Reproducción Elegida) mit Sitz in Mexiko-Stadt setzt sie sich gemeinsam mit ihrem 40-köpfigen-Team für die reproduktiven Rechte von Mädchen und Frauen in Mexiko und ganz Mittelamerika ein. Entschlossen kämpft GIRE nicht nur auf gerichtlicher und politischer Ebene dafür, dass Frauen frei entscheiden können, ob, wann und wie viele Kinder sie bekommen. Sie sorgt mit Kampagnen und Trainings auch dafür, dass diese Rechte in der Bevölkerung und bei Behörden bekannt sind, respektiert werden und geltend gemacht werden können.

GIRE und Leiterin Regina Tamés geht es vor allem darum, Mädchen und Frauen eine unabhängige, nicht-religiöse Beratung auf Grundlage der Menschenrechte anzubieten und so systematisch Informationen zu reproduktiven Rechten zugänglich zu machen. Ihre Schwerpunktthemen sind Gewalt in der Geburtshilfe, wenn z.B. Krankenhäuser ungenügend Personal und Geld gestellt bekommen und der Staat so seiner Vor- und Versorgungsfunktion im Gesundheitssektor nicht nachkommt, legale und sichere Abtreibung, die gesetzliche Regulierung von Leihmutterschaft, Müttersterblichkeit, Verhütung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Regina Tamés berichtet, dass in Mexiko auf dem Papier bereits viele Rechte für Frauen existierten, diese in den einzelnen Bundesstaaten aber unterschiedlich und vor allem unzulänglich umgesetzt würden. GIRE ist v.a. durch ihre Erfolge in der juristischen Beratung zu einer gefragten Organisation für die mexikanische Zivilgesellschaft, aber auch für staatliche Einrichtungen in ganz Mittelamerika geworden. Auch gibt die Frauenrechtsorganisation ihr Know-how und ihre Erfahrungen in Trainings an andere Frauenrechtsorganisationen in Mittelamerika weiter.

Die TDF-Partnerorganisation MIRIAM in Nicaragua macht sich in ähnlichen Lebensbereichen für die Rechte von Mädchen und Frauen stark. Mit einem absoluten Abtreibungsverbot auch bei Gefahr von Leib und Leben für die Frau oder nach einer Vergewaltigung werden die Rechte von Frauen in Nicaragua bereits seit 2008 massiv beschnitten. Eine Reform des Gewaltschutzgesetzes im Jahr 2013 hat die prekäre Lage für Frauen jedoch weiter verschärft: Betroffene müssen sich nun bei bestimmten Fällen von sexualisierter Gewalt erst einer Beratung durch „Nachbarschaftsgremien“ unterziehen und dabei eine mögliche Mediation mit dem Täter über sich ergehen lassen, bevor ihr Fall polizeilich erfasst werden kann. Doch damit nicht genug: Präsident Daniel Ortega setzt im Schulterschluss mit der katholischen Kirche systematisch weitere Einschränkungen der Menschenrechte von Frauen durch und macht lange erkämpfte und bewährte Errungenschaften der nicaraguanischen Frauenbewegung rückgängig. So werden immer mehr Kommissariate geschlossen, die speziell für den Umgang mit Fällen von Gewalt gegen Frauen geschult sind und deren rasche und umfassende Ahndung verfolgen.

TDF freut sich sehr, GIRE und MIRIAM miteinander vernetzen zu können, so dass sie ihre juristische und aktivistische Expertise zu Frauenrechten austauschen können.

Regina Tamés wurde für die beeindruckende Arbeit von GIRE mit dem Menschenrechtspreis "Gilberto-Bosques" der deutschen und französischen Botschaften in Mexiko ausgezeichnet.

 

Stand: 07/2017

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