Globales Lernen: TDF-Referat Internationale Zusammenarbeit macht Veranstaltungen mit Schulen

 

Engagierte LäuferInnen gegen weibliche Genitalverstümmelung. Foto: © Elisabeth-Lüders-Berufskolleg, Hamm Engagierte LäuferInnen gegen weibliche Genitalverstümmelung.
Foto: © Elisabeth-Lüders-Berufskolleg, Hamm
Frauenrechte weltweit sind ein relevantes Thema – gerade für junge Menschen, deren Bewegungsradius in einer globalisierten Welt weit verzweigt ist. Das TDF-Referat für Internationale Zusammenarbeit kommt immer häufiger mit interessierten SchülerInnen und LehrerInnen zusammen, die um Informationen, Veranstaltungen und Kooperationen anfragen. Dabei geht es nicht nur um Themen zur frauenrechtlichen Lage und Erfahrungsberichte aus diversen Ländern. Engagierte SchülerInnen und LehrerInnen setzen sich darüber hinaus auch konkret für Frauenrechte ein.

Hier ein paar Beispiele...

Im November 2016 organisierte das Elisabeth-Lüders-Berufskolleg aus Hamm einen Spendenlauf für das TDF-Partnerprojekt gegen weibliche Genitalverstümmelung in Sierra Leone. Anlass war der Film „Wüstenblume“ von Waris Dirie, den die angehenden ErzieherInnen zusammen gesehen hatten und der sie dazu bewegte, selbst aktiv zu werden. Insgesamt nahmen vier Schulen an dem Spendenlauf teil und warben so Spenden für die TDF-Partnerorganisation in Sierra Leone ein. Um TDF auch persönlich kennenzulernen und den Spendenscheck zu überreichen, besuchten die SchülerInnen und LehrerInnen des Berufskollegs im Dezember 2016 die TDF-Geschäftsstelle in Berlin. Damit aber nicht genug, entwickelte sich im Anschluss doch ein Briefwechsel zwischen den ErzieherInnen und den Mädchen aus dem Schutzhaus in Sierra Leone. Dieses Schutzhaus betreibt die TDF-Partnerorganisation für Mädchen, die von Genitalverstümmelung akut bedroht sind.

Auch die hauswirtschaftliche Laura-Schradin-Schule in Reutlingen machte sich für die internationalen Kooperationen von TDF stark. Im Februar 2017 organisierte sie einen Informationstag zum TDF-Gewaltschutzprojekt in Nicaragua. Um möglichst viel Publikum zu erreichen, organisierten sie ihre Aktivität rund um den Tanz-Aktionstag gegen Gewalt an Frauen „One Billion Rising“. TDF steuerte eine Präsentation über ihre Partnerorganisation MIRIAM bei, die sich für Rechts- und psychologische Beratung von gewaltbetroffenen Frauen sowie für Lobbyarbeit und Gewaltschutz einsetzt. Von MIRIAM produzierte Geschenkboxen, die Frauen zur Erwirtschaftung kleiner Einkommen herstellen, wurden bei dieser Aktion verkauft. Die Gelder aus dem Verkauf gingen wieder als Spende zurück an MIRIAM.

Über 80 Schülerinnen und Schüler verfolgen gespannt den Vortrag im Diesterweg-Gymnasium in Berlin-Wedding. Foto: © TERRE DES FEMMESÜber 80 Schülerinnen und Schüler verfolgen gespannt den Vortrag im Diesterweg-Gymnasium in Berlin-Wedding. Foto: © TERRE DES FEMMESNeben der Unterstützung solcher Aktivitäten geht das Referat für Internationale Zusammenarbeit auch selbst an Schulen und bietet bei Bedarf z.B. Informationsveranstaltungen zu Frauenrechtsthemen an. Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zu Früh- und Zwangsehen in der Türkei und Deutschland rund um den internationalen Frauentag 2017 besuchten die zwei ehrenamtlichen TDF-Koordinatorinnen für die Türkei, Necla Kelek und Sermin Güven, das Diesterweg-Gymnasium in Berlin-Wedding

Sie präsentierten die Arbeit der TDF-Partnerorganisation YAKA-KOOP, die sich gegen Gewalt im Namen der Ehre in der Osttürkei einsetzt. Insbesondere das Thema der frühen Zwangs-verheiratung wurde beleuchtet. „Was wird in Deutschland gegen Gewalt an Frauen in der Türkei und weltweit getan?“ wollten die SchülerInnen wissen. Die anfänglich schüchterne Fragerunde entwickelte sich zu einer angeregten und manchmal kontroversen Diskussion: die Universalität von Menschenrechten und dieser zum Teil entgegen stehende religiöse Vorgaben standen im Fokus.

Herr Dr. Aulke (Mitte) mit den Teilnehmerinnen des Austauschprogrammes und den TDF-Mitarbeiterinnen (v.l: Idah Nabateregga, Renate Staudenmeyer und Christa Stolle). Foto: © Laura BrandtHerr Dr. Aulke (Mitte) mit den Teilnehmerinnen des Austauschprogrammes und den TDF-Mitarbeiterinnen (v.l: Idah Nabateregga, Renate Staudenmeyer und Christa Stolle). Foto: © Laura BrandtUnser jüngstes Beispiel ist der Besuch einer Gruppe von Schülerinnen mit ihren LehrerInnen von der Alexander-von Humboldt Schule in Wittmund. Sie wollten die Aktivitäten von TERRE DES FEMMES kennenlernen und mehr über Frauenrechte in Afrika und weibliche Genitalverstümmelung erfahren. Hintergrund des Besuchs in der TDF-Geschäftsstelle war, dass für die Schülerinnen ein Austauschprogramm mit einem Mädcheninternat in Chogoria/Kenia organisiert wird: sie werden im Mai 2017 für zehn Tage nach Kenia reisen und dort gemeinsam mit kenianischen Mädchen im Internat der Chogoria Girl’s High School leben.

Die Initiative ist Dr. Reinhard Aulke zu verdanken, Lehrer und Didaktischer Leiter an der Alexander-von Humboldt Schule in Wittmund. Dort unterrichtet er unter anderem das Seminarfach Globales Lernen. Einige Schülerinnen schreiben ihre Facharbeit zur Frage der weltweiten Achtung von Frauenrechten, wobei sie auch auf die Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung in Ländern des afrikanischen Kontinents gestoßen sind. Gemeinsam mit den in Kenia lebenden Schülerinnen wollen sie sich in einem sozialen Bildungsprojekt engagieren, welches Grundschülerinnen darin unterstützt, selbstbewusst mit ihrer familiären und sozialen Situation umzugehen. Das Projekt soll Mädchen darin bestärken, sich gegen weibliche Genitalverstümmelung zu wehren und gezielt Mädchen zu unterstützen, die gefährdet sind.

ALLE ACHTUNG! – können wir da nur sagen.

Entwicklungspolitische Bildung und Globales Lernen sind dem Referat für Internationale Zusammenarbeit im Tandem mit den ehrenamtlichen Projektkoordinatorinnen ein wichtiges Anliegen. Durch diese (inter-)aktive Aufklärungsarbeit bietet sich die besondere Möglichkeit, gerade junge Menschen für die Verbesserung von Frauenrechten weltweit zu mobilisieren.

 

Stand 05/2017