"Die Rechte der Frau in Nicaragua" - Maria del Carmen Castillo Meneses, Preisträgerin des Deutsch-Französischen Menschenrechtspreises, im Gespräch mit TERRE DES FEMMES e.V.

Das Auswärtige Amt und das Goethe Institut luden am 10.11.2013 Frau Maria del Carmen Castillo Meneses, Direktorin der nicaraguanischen Frauenrechtsorganisation "Asociación Movimiento de Mujeres de Chinandega" (MMCH) und Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES e.V. zu einem informellen Vernetzungsgespräch ein. Ebenfalls anwesend waren Frau Dr. Gabelmann vom Goethe Institut und Jana Baade, Praktikantin bei TERRE DES FEMMES e.V.. Im Fokus des Treffens stand der Austausch über die gegenwärtige Frauenrechtssituation in Deutschland und Nicaragua.

Frau Maria del Carmen Castillo Meneses und Christa Stolle stellten zunächst die Arbeit ihrer Organisationen vor, sowie die generelle Situation in den jeweiligen Ländern.

Christa Stolle gab einen Überblick über die Geschichte und die Arbeitsschwerpunkte von TDF. Danach präsentierte Maria del Carmen Castillo Meneses die Organisation "Asociación Movimiento de Mujeres de Chinandega". Diese wurde 1992 gegründet. Hauptziel ihrer Arbeit ist die Verteidigung der Rechte der Frau und der Kinder. Die Schwerpunktthemen sind häusliche und sexualisierte Gewalt, Menschenhandel und die Einrichtung einer Hilfshotline, die mit Hilfe von Ärzten ohne Grenzen e.V. realisiert werden konnte.

Maria del Carmen Castillo Meneses. Foto:  © Jana BaadeMaria del Carmen Castillo Meneses. Foto: © Jana Baade

Im Gespräch zeigten sich schnell Parallelen zwischen der Arbeit der verschiedenen Frauenrechtsorganisationen in den beiden Ländern: so gestaltet es sich weiterhin schwierig, Frauen die von sexualisierter Gewalt betroffen sind durch das Gesetz zu schützen und die Täter rechtskräftig zu verurteilen. Ebenso stellt Frauenhandel in beiden Ländern ein Problem dar, dessen Bekämpfung sich beide Organisationen zum Ziel gesetzt haben.

Aber auch Unterschiede wurden besprochen. So setzt die Organisation "Asociación Movimiento de Mujeres de Chinandega" insbesondere auf Aufklärungsarbeit, um betroffene Frauen über ihre Rechte zu informieren und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Durch die derzeitige politische Lage in Nicaragua wird die frauenrechtliche Arbeit jedoch erschwert und staatliche Hilfsangebote sind kaum vorhanden. Frau Maria del Carmen Castillo Meneses betonte ebenfalls die Bedeutung des Gesetzes 779, das "Ley Integral contra la Violencia hacia las Mujeres". Deren Verabschiedung beurteilt sie sehr zwiespältig. Das Gesetz stellt eins der Hauptthemen der Frauenrechtsarbeit in Nicaragua dar. Einerseits erkennt es geschlechterspezifische Gewalt an und stellt sie unter Strafe. Andererseits wurde die Mediation bei Gewalt gegen Frauen eingeführt. Dies bedeutet für die betroffenen Frauen, dass erstmal kein Verfahren eingeleitet wird, sondern versucht wird, das Problem durch Mediation zwischen Opfer und Täter zu lösen. Es hat sich gezeigt, dass dieses Prozedere für die betroffenen Frauen extrem belastend ist, viele von ihnen auf eine Anzeige verzichten, sie teilweise re-traumatisiert werden und es bereits einige Fälle von Selbsttötung als Folge der Mediation gab.

Christa Stolle und Maria del Carmen Castillo Meneses. Foto: © Jana BaadeChrista Stolle und Maria del Carmen Castillo Meneses. Foto: © Jana Baade

Das Gesetz 779 geht ursprünglich auf das große Engagement frauenrechtlicher Organisationen zurück. So wurde das Gesetz, unter Mitwirkung einiger Organisationen der Zivilgesellschaft, vor den Wahlen im Jahr 2011 formuliert, zur Verabschiedung kam es 2012. Durch den Druck der Katholischen Kirche wurden im Nachhinein einige Veränderungen im Gesetzestext vorgenommen, wie zum Beispiel die Aufnahme der Mediation.

Im Gespräch zeigte sich einmal mehr, dass Frauen weltweit einen langen Atem im Kampf um Frauenrechte brauchen!

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