Gemeinsames Projekt von Lieber Lesen e.V. und TERRE DES FEMMES für geflüchtete Mädchen – Mit Sprache, Kultur und Sport in eine selbstbestimmte Zukunft

Foto: © TERRE DES FEMMESFoto: © TERRE DES FEMMESUnter den Menschen, die in Berlin als Geflüchtete ankommen, befinden sich häufig Familien mit Kindern. Besonders die Mädchen haben in ihrem Heimatland verschiedene Arten der Benachteiligung erlebt. Dies macht sich auch in Hinsicht der schulischen Bildung bemerkbar.

Seit Januar 2016 kümmert sich der lieber lesen e.V.um geflüchtete Mädchen. TERRE DES FEMMES arbeitet mit dem Verein zusammen. Jede Woche erhalten etwa 15 Mädchen im Alter zwischen neun und 15 Jahre in ihrer Flüchtlingsunterkunft in der Ruschestraße in Berlin Lichtenberg ergänzend zur Schulausbildung Sprach- und Lesekurse. Durch ein Kultur- und Sportprogramm wird den Mädchen außerdem ermöglicht, an Ausflügen und verschiedenen Freizeitaktivitäten teilzunehmen. Langfristig sollen sie dabei unterstützt werden, ein starkes Selbstbewusstsein zu entwickeln und ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland führen zu können.

Seit November 2016 wird lieber lesen e.V. dabei von Dr. Abir Alhaj Mawas, Referentin für Flucht und Frauenrechte bei TERRE DES FEMMES, unterstützt. Als Soziologin legt sie besonderen Wert darauf, sich mit den Mädchen kritisch über ihre geschlechts- und kulturspezifischen Rollen auszutauschen. Durch die Kurse haben die Mädchen Raum zur Selbstentfaltung und die Möglichkeit auferlegte Rollenbilder zu durchbrechen sowie ihre Freizeit selbst zu gestalten.

Neues Selbstbewusstsein durch Schwimmunterricht

Ein gutes Beispiel für die Arbeit mit den Mädchen ist der Schwimmunterricht. Da die Mädchen in ihrer Heimat nicht die Gelegenheit hatten, äußerten sie während der Kurse den Wunsch schwimmen zu lernen. Dank der Bemühungen von Barbara Sheaeffer-Hegel, Vorsitzende von lieber lesen e.V., wurden ausreichend Spenden gesammelt um zehn Einheiten Schwimmunterricht für 12 Mädchen zu finanzieren. Bei einem Infoabend konnten dann auch die besorgten Eltern überzeugt werden, ihre Töchter am Schwimmunterricht teilnehmen zu lassen. Es wurde sogar erreicht, dass alle Mädchen in einem gewöhnlichen Einteiler-Badeanzug statt im „Burkini“ am Schwimmunterricht teilnehmen durften.

Die erste Schwimmstunde gestaltete sich dann allerdings schwierig. Die Mädchen trauten sich nicht, sich gemeinsam umzuziehen oder zu duschen und waren völlig schockiert, dass sich auch Jungen zur selben Zeit im Schwimmbad aufhielten. Nach dieser ersten Stunde waren die Mädchen sehr verunsichert und einige überlegten, nicht mehr am Schwimmunterricht teilzunehmen. Aus dieser komplizierten Situation ergab sich aber die Möglichkeit gemeinsam mit den Mädchen über ihr Rollenverständnis, Verschleierung, das Kopftuch und Selbstbestimmung zu diskutieren. Mit viel Einfühlungsvermögen gelang es schließlich, sie davon zu überzeugen, dass sie ohne Scham am Schwimmunterricht teilnehmen können, sogar wenn sich Jungs im selben Schwimmbad befinden. Das Gespräch schien sofort Früchte zu tragen, denn bereits bei der nächsten Schwimmstunde waren alle Mädchen wieder dabei und konnten diesmal mit mehr Selbstbewusstsein und einer gewissen Selbstverständlichkeit am Schwimmunterricht teilnehmen. Die Mädchen freuen sich ganz offensichtlich auf jeden Kurs und warten jede Woche gespannt auf die Treffen.

Der Schwimmunterricht macht deutlich, dass die Mädchen bereit sind neue Wege zu beschreiten und aus ihren gelernten Rollen auszubrechen.

TERRE DES FEMMES ist erfreut über die positive Resonanz und den Erfolg, den lieber lesen e.V. bereits verzeichnen konnte und erwartet mit Spannung weitere Berichte aus dem Projekt.

 

Stand 3/2017

 

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