„Mädchen sind gut im Leise sein.“ – Gender ABC an der Eigenherd-Schule

Foto: © TERRE DES FEMMES

Am 09. und 10. März 2020 war das Gender ABC-Projekt zu Gast in der Klasse 1b der Eigenherd-Schule in Kleinmachnow. Die Grundschulklasse befasste sich während der zwei Projekttage mit Geschlechterrollen und der UN-Kinderrechtskonvention.

Bereits zu Beginn der Projekttage zeigte sich: Die sechs- bis siebenjährigen Kinder haben schon genaue Vorstellungen darüber, „was Jungen und Mädchen können und wie sie sind“.

Demnach könnten Mädchen gut mit Puppen spielen, schnell rennen, nicht so gut Fußball und Basketball spielen und gut leise sein. Die Jungen hingegen stifteten häufig Unruhe, wären gut im Rechnen und hörten coole Musik, so viele SchülerInnen.

Standbild. Foto: © TERRE DES FEMMES Foto: © TERRE DES FEMMES Anschließend wurden die gesammelten Aussagen zu Jungen und Mädchen von Kleingruppen als Standbild dargestellt und nach einer Diskussion dekonstruiert. So stellten vier Kinder die Szene „Jungen stören den Unterricht“ dar. Nachdem sich die Gruppe einig war, dass auch viele Mädchen den Unterricht stören, wurde das Standbild verändert. Die Pädagoginnen erklärten, dass häufig bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen von Jungen, bzw. Mädchen erwartet werden. In der Realität wird jedoch deutlich, dass diese Eigenschaften beispielsweise „mutig sein“ auf Mädchen und Jungen zutreffen.

Um sich dieser sozial konstruierten Vorstellung von Verhaltensweisen weiter bewusst zu werden, führten die Projektpädagoginnen ein Spiel durch: Alle Jungen sollten „wie Mädchen gehen“ und umgekehrt. Eine Schülerin bemerkte direkt, dass sie als Junge sehr „komisch“ und übertrieben gegangen sei. Sie kenne eigentlich keinen Jungen, der so läuft. Auch den anderen SchülerInnen viel auf, dass ihre Vorstellungen nicht zutreffen. Alle sind sich am Ende des Spiels einig: Es gibt gar keine Unterschiede im Gehen oder Laufen der Mädchen und Jungen.

„Mir ist das Recht auf Gleichheit wichtig, weil, wenn ich ein Mädchen wäre, würde ich auch gerne Fußball spielen können.“

Foto: © TERRE DES FEMMES Foto: © TERRE DES FEMMES Am zweiten Tag beschäftigte sich die Klasse 1b mit der UN-Kinderrechtskonvention. Dabei wurde den SchülerInnen verdeutlicht, welche Rechte sie haben und wie sie diese gegebenenfalls einfordern können.

Auf die Frage der Pädagoginnen, welche Rechte den einzelnen SchülerInnen wichtig seien, kamen Antworten wie: „Recht auf Spielen“, „Recht auf Freizeit“ oder „Recht auf Gleichheit, weil wenn ich ein Mädchen wäre, würde ich auch gerne Fußball spielen können.“

Welche Rechte den einzelnen SchülerInnen wichtig sind, wurde auf Bildern festgehalten.

Foto: © TERRE DES FEMMES Foto: © TERRE DES FEMMES Zum Abschluss führte die Klasse eine Präsentation im Klassenzimmer vor. Dabei verfolgten die Parallelklasse, LehrerInnen sowie einige Eltern interessiert die Vorstellung der einstudierten Szenen und die angefertigten Bilder zu den Kinderrechten. Die ZuschauerInnen der Parallelklasse kommentierten angeregt die dargestellten Szenen: Nein, nicht nur Jungs stiften Unruhe und auch Mädchen sind gut im Basketball!

Die beiden Projekttage waren sehr erlebnisreich. Das Gender ABC-Projektteam bedankt sich für die motivierte Teilnahme der Klasse 1b sowie die Zusammenarbeit mit der Eigenherd-Schule Kleinmachnow.

 

 

Stand: 03/2020