Die Hebamme arbeitet im ältesten Gewerbe der Welt – nicht die Prostituierte.

Es gibt zahlreiche Kulturen, in denen Prostitution lange unbekannt war.[1] Bei denjenigen Kulturen, in denen es kommerzielle Prostitution im Laufe der Geschichte gab, handelte es sich immer um ein zutiefst geschlechtsspezifisches, diskriminierendes Phänomen, das die weibliche Sexualität reglementieren sollte. Gestützt wurde kommerzielle Prostitution immer durch eine Doppelmoral, die Prostituierte ächtete, während der Sexkäufer als ehrbar galt.[2]

Selbst wenn es Prostitution „schon immer“ gegeben hätte, so macht dies das System der Prostitution nicht unproblematisch oder notwendig. Über Sklaverei, die Todesstrafe oder Kinderarbeit wurde auch gesagt, dass sie unvermeidbar seien. Auch heute noch gibt es alle diese Phänomene in verschiedenen Teilen der Welt, doch das bedeutet nicht, dass dies akzeptabel ist. Bei Prostitution sieht es ähnlich aus. Auch wenn man nicht alle Prostitution verhindern kann, bedeutet dies nicht, dass wir als Gesellschaft uns deswegen einreden sollten, dass es Prostitution geben muss.

Die Nachfrage nach käuflichem Sex variiert stark in unterschiedlichen Ländern; es wird geschätzt, dass in England 7% der Männer, in Spanien 27-39% der Männer und in Thailand 75% der Männer zu Prostituierten gehen.[3] In Deutschland gehen laut einer aktuellen Studie ca. 8% der Männer zu Prostituierten.[4] Die Nachfrage nach Sex ist daher kulturell geprägt und lässt sich somit vorrangig auf bestehende Erziehungsformen und Normen zurückführen. In Schweden wurde 1999 das Sexkaufverbot eingeführt. Es kam in Folge des Gesetzes zu einem klaren Normenwandel in der Gesellschaft, so dass mittlerweile 79% der schwedischen Frauen und 60% der schwedischen Männer den Sexkauf ablehnen.[5]  TERRE DES FEMMES sieht einen solchen Normenwandel als notwendigen Schritt zur Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland an. Wir fordern daher die Einführung des Sexkaufverbots in Deutschland mit gleichzeitigen Ausstiegsprogrammen für Prostituierte.

 

 

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[1] Nor: La Prostitution, 2001, S. 13.
[2] Gugel: Das Spannungsverhältnis zwischen ProstG und Art. 3 II GG, 2010, S. 35.
[3] ProCon: Percentage of Men (by Country) Who Paid for Sex at Least Once: The Johns Chart, 2011.
[4] Haversath et al.: Sexualverhalten in Deutschland, 2017, S. 548.
[5] Kuosmanen: Tio år med lagen (SWE), 2008, S. 362.