99 - Speed-Dating

Dating-Plattformen zeigen: Es gibt zig Vorstellungen von der idealen Frau, dem idealen Mann und der idealen Beziehung. Dabei werden oft Merkmale gefiltert, die sich angeblich jede am anderen oder gleichen Geschlecht wünscht. Wie seht ihr das? Kann man solche Merkmale oder Eigenschaften verallgemeinern? Und was ist mit intersexuellen oder Transpersonen?

Welche Eigenschaften und Werte wir an unserer Partnerin lieben, ist individuell. Genau wie das Gestalten einer Beziehung. Eine gleichberechtigte Beziehung kann für verschiedene Menschen bzw. die Beziehungspartnerinnen selbst ganz unterschiedlich aussehen. Für manche beginnt Gleichberechtigung dort, wo sich beide übereinstimmend auf konkrete Rollenmodelle einigen, auch wenn diese ggf. traditionell sind, für andere müssen alle Pflichten des Zusammenlebens genau gleich aufgeteilt sein, wieder andere verbinden Gleichberechtigung stärker mit gegenseitiger Unterstützung bei der persönlichen Entwicklung usw.

Aus Sicht von TERRE DES FEMMES ist v.a. das Bewusstsein wichtig, dass alle die gleichen Rechte haben und keine Ideologie vorgeben darf, wie eine Frau, ein Mann, ein Mensch jenseits der binären Geschlechterordnung oder eine Beziehung sein muss, um als richtig oder normal zu gelten. Die einzige Grenze ist das Recht der anderen. Denn so besagt es auch unser Grundgesetz: jede hat das Recht auf die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit, soweit sie nicht die Rechte anderer verletzt.

Leider kam und kommt es von Seiten (meist männlicher) Machthaberinnen bzw. Regierungen oder einflussreicher Personen aus Religion, Wissenschaft, Wirtschaft und anderen Sektoren jedoch immer wieder zu Eingriffen in das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Dabei hat kein Mann das Recht, über seine oder irgendeine Frau bzw. deren Leben zu bestimmen! Eingriffe dieser Art manifestieren sich gesetzlich, aber auch über soziale Normen und Einstellungen. Eine richtige Frau gilt in einer Gesellschaft oder einem Milieu dann z.B. nur als eine, die verheiratet ist, Kinder (bzw. Söhne) hat, an ihren Genitalien verstümmelt ist oder heterosexuell liebt usw. Diese Kriterien sind dabei je nach kulturellem und zeitlichem Setting variabel. Insbesondere sexuelle und reproduktive Rechte werden vielen Frauen nach wie vor verwehrt oder nur sehr eingeschränkt zuerkannt. Auch über Heirat und Scheidung dürfen viele Frauen qua Gesetz oder traditionellem Recht bzw. Gewohnheitsrecht nicht selbst bestimmen, sondern nur in Abhängigkeit von ihrem oder irgendeinem Mann.

Aus Sicht von TERRE DES FEMMES müssen Frauen selbst darüber entscheiden können, ob und wenn dann, wen und wann sie heiraten wollen. Auch müssen Frauen selbst wählen können, ob und wenn ja, wie viele und wann sie Kinder haben möchten, und mit wem. Dazu gehört auch das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch. Nicht zuletzt müssen Frauen auch über ihren Körper und ihre Sexualität frei und ohne männliche Bevormundung selbst bestimmen dürfen. Genauso wie Männer seit jeher über all diese Dinge selbst entscheiden dürfen, ohne dass Frauen sie davon abhalten, über sie bestimmen oder über sie richten.