64 - Das Nordische Modell

Das Nordische Modell konnte die Prostitution in Schweden nicht abschaffen, aber die Einstellung verändern:

Das Sexkaufverbot wird heute von 70 % der schwedischen Bevölkerung befürwortet – vor der Verabschiedung des Gesetzes 1999 zeigte lediglich ein Drittel der Befragten eine positive Einstellung gegenüber dem Vorhaben. Die Nachfrage nach käuflichem Sex ist gesunken und in puncto Menschenhandel bezeichnet Interpol Schweden als toten Markt (Schwedische Botschaft 2020). Das Sexualkaufverbot setzt zudem auf Ausstiegshilfen, Aufklärungs- und Bildungsangebote für Prostituierte.

In Deutschland, wo Sexkauf legal ist, ist der Markt 60-mal größer als in Schweden. Auch gibt es hier 62-mal so viele Betroffene von Menschenhandel wie in Schweden, obwohl nur 10-mal mehr Menschen hier leben (EU-Kommission 2011). In Deutschland war Prostitution bis 2002 sittenwidrig. Das dann verabschiedete Prostitutionsgesetz legalisierte sexuelle Dienstleistungen. Hierzulande arbeiten geschätzt 200.000 - 400.000 Prostituierte – fast alle ohne soziale Absicherung. Dabei trat 2017 das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft, das Prostituierten Zugang zu Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung ermöglichen soll. Dies nahmen 2018 bundesweit allerdings nur 76 Prostituierte in Anspruch.