60 - Recht auf Abtreibung

Das Recht auf sexuelle und reproduktive Gesundheit besagt, über Körper, Sexualität und Fortpflanzung selbst bestimmen zu dürfen. Dazu gehört, Zugang zu Informationen und Gesundheitsdienstleistungen in den Bereichen Sexualität und Reproduktion zu haben, frei von sexualisierter Gewalt zu sein und die eigene Partnerin frei wählen zu können. Dieses Menschenrecht ist für Frauen und Mädchen besonders wichtig. Es garantiert ihnen u.a. freie Entscheidung über eine Paarbeziehung, Elternschaft, Anzahl und Abstand der Geburten sowie Zugang zu entsprechender Aufklärung und Verhütungsmitteln. Sowohl erzwungene Schwangerschaftsabbrüche als auch das Verbot von Abtreibungen verstoßen gegen dieses Menschenrecht.

In Deutschland ist der Schwangerschaftsabbruch nach § 218 StGB illegal. Unter bestimmten Bedingungen bleibt er aber straffrei – z.B., wenn das Leben der Frau in Gefahr ist, nach sexualisierter Gewalt oder bei Mädchen vor Vollendung des 14. Lebensjahres. Bis zur 14. Woche darf zudem abgetrieben werden, wenn eine Pflichtberatung erfolgt und 3 Tage zwischen Beratung und Eingriff verstrichen sind. In §219a StGB ist in Deutschland zudem das sogenannte Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche verankert. De facto stellt der Paragraf aber ein Informationsverbot dar und macht es für Frauen erheblich schwieriger, die unter §218 geregelte eingeschränkte Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs in Anspruch zu nehmen. Im März 2019 wurde §219a StGB reformiert - nun dürfen Ärztinnen, Krankenhäuser und weitere Einrichtungen z.B. im Internet angeben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Für alle weitere Informationen müssen sie jedoch auch zukünftig auf offizielle Stellen verweisen. Ein ungehinderter Zugang von Frauen zu Informationen über mögliche Methoden, den Ablauf und eventuelle Risiken eines Schwangerschaftsabbruchs ist somit nicht gegeben.

24 Länder weltweit verbieten Abtreibung ausnahmslos – das betrifft 90 Mio. (5 %) Frauen. Zu diesen Ländern gehören u.a. Malta, Ägypten, Madagaskar, Senegal, Irak, die Philippinen, Laos, die Dominikanische Republik, Haiti und Nicaragua. Weitere 360 Mio. (22 %) Frauen leben in einem von 42 Ländern, die Abtreibung ausschließlich erlauben, um das Leben der Mutter zu retten (Center for Reproductive Rights 2021).

Jede 3. der 73 Mio. Abtreibungen pro Jahr wird unsachgemäß durchgeführt (WHO 2017). Über 50 % der unsicheren Abtreibungen finden in Asien, v.a. in Süd- und Zentralasien, statt. Aber auch drei von vier Abtreibungen in Afrika und Lateinamerika werden unter unsicheren Bedingungen vorgenommen.

Jedes Jahr gehen bis zu 13.2 % der Müttersterblichkeitsrate auf unsichere Abtreibungen zurück. Fast jeder Todesfall und fast jede Behinderung infolge einer unsicheren Abtreibung könnten durch Sexualaufklärung, effiziente Verhütung und die Ermöglichung sicherer und legaler Abtreibungen sowie ein rechtzeitiges Einschreiten beim Auftritt von Komplikationen verhindert werden.