54 - Freie Stelle

Vielleicht habt ihr Aspekte wie Frauenquote, Schwangerschaft und Kinderbetreuung benannt? Die Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, oft wird in ähnlichen Fällen aber der Mann eingestellt. Frauen müssen im Berufsleben häufig nach wie vor mehr Hürden nehmen als Männer. Selbst in Branchen mit einem ausgewogenen Frauen-/Männeranteil steigen nur wenige Frauen in der Betriebshierarchie auf oder nehmen gar Führungspositionen ein. Frauen werden seltener befördert. Man spricht hier von der so genannten gläsernen Decke. Ursache dafür können u.a. männliche Karrierenetzwerke sein, zu denen Frauen nur schwer Zugang bekommen. Zudem wird Frauen oft nicht zugetraut, Führungspositionen einzunehmen. 2020 waren in Deutschland nur 28 % der Führungskräfte weiblich – 2 % weniger als 2019 und der neuntniedrigste Anteil in der EU. Lettland war mit einem Frauen­anteil in Führungs­positionen von 47 % EU-Spitzenreiterin.

Auch Polen (44 %) und Schweden (42 %) konnten hoch punkten (Eurostaat 2021). In Führungspositionen verdienen Frauen EU-weit 23, 4% weniger als Männer (Europäische Kommission 2017).

Vor allem Müttern bleibt der Aufstieg oft verwehrt: 72,6 % der Mütter in Deutschland arbeiten in Teilzeit, aber nur 6,9 % der Väter (Statistisches Bundesamt 2019). Frauen mit Kindern haben es also noch schwerer als Frauen ohne Kinder, in Führungspositionen aufzusteigen. Immer noch übernehmen mehr Frauen die Kindererziehung oder Pflege kranker Angehöriger und unterbrechen dafür die Erwerbstätigkeit. Bei Wiedereinstieg in das Berufsleben ist das Einkommen häufig geringer als vor der Unterbrechung. Deutschland hat zudem das größte Rentengefälle der 37 OECD-Staaten: Die Renten von Frauen sind nur rund halb so hoch wie die der Männer (OECD 2017).

Sehr wenige Frauen stehen den 500 weltweit größten Unternehmen als CEOs vor: laut der Fortune Global List von August 2020 lediglich 13 (2,6 %). Weltweit liegt die Europäische Union mit rund 30 % Frauen in Positionen der oberen Führungsebene an vierter Stelle nach Afrika (38 %), Osteuropa (35 %) und Lateinamerika (33 %) sowie vor Nordamerika (29 %) und Asien/Pazifik (27 %) (Catalyst 2020).