53 - #Aufschrei

#aufschrei ist eine 2013 im deutschen Sprachraum auf Twitter gestartete Online-Kampagne gegen Sexismus im Alltag. In kurzer Zeit kamen über #aufschrei tausende Tweets von Frauen zusammen, die über ihre Erfahrungen mit Alltagssexismus, sexualisierter Gewalt und Diskriminierungen berichteten und eine breite Debatte auch in der Politik anregten. So etwas hatte es davor in Deutschland noch nicht gegeben. 2013 erhielt #aufschrei den Grimme Online Award.

43 % der Frauen und 12 % der Männer in Deutschland wurden schon einmal sexuell bedrängt oder belästigt (YouGov 2017). Eine Studie der Universität Merseburg kommt sogar auf 97 % der Frauen, 95 % der diversgeschlechtlichen Personen und 55 % der Männer (2021).

Sexuelle Belästigung meint alle unerwünschten und einseitigen Handlungen mit sexuellem Bezug, die Betroffene als grenzüberschreitend, respektlos und sie in ihrer Würde verletzend wahrnehmen. Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen oder Beleidigungen sind oft eng mit sexueller Belästigung verknüpft. Sexuelle Belästigung ist nicht mit einem gewollten Annäherungsversuch zu verwechseln, denn sexuelle Belästigung hat vielmehr Kontrolle und Machtausübung zum Ziel. Handlungen mit sexuellem Bezug werden ohne die Zustimmung des Gegenübers durchgeführt. Sexuelle Belästigung reicht von Anstarren, anzüglichen Bemerkungen oder Belästigungen im Internet oder am Telefon über unerwünschte Berührungen, sexuelle Bedrängnis bis hin zu sexualisierten körperlichen Übergriffen.

Auch am Arbeitsplatz ist sexuelle Belästigung in Deutschland häufig. Eine repräsentative Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von 2015 ergab, dass 49 % der befragten Frauen eine der im Gesetz genannten Belästigungssituationen schon einmal erlebt hat, 17 % der Frauen stuften diese nach eigener Einschätzung als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ein. Eine nicht repräsentative Stichprobe unter Personalverantwortlichen und Betriebsrätinnen öffentlicher und privater Unternehmen ergab, dass 60 % der Befragten auf Nachfrage nichts Konkretes benennen konnten, was in ihren Häusern zum Schutz vor sexueller Belästigung unternommen wird.

Wie sehr Sexismus und Macht verknüpft sind, zeigt auch die #metoo-Debatte, die seit Oktober 2017 zuerst in den USA und dann weltweit für Furore sorgte. Auslöser waren die Aussagen zahlreicher (weiblicher) Schauspielerinnen, die dem Filmproduzenten Harvey Weinstein vorwarfen, sie sexuell belästigt oder vergewaltigt und damit seine Machtposition ausgenutzt zu haben. Der Ausdruck Me too (zu Deutsch: Ich auch) geht auf die Aktivistin Tarana Burke zurück, die ihn bereits 2006 prägte. Populär wurde er unter anderem durch die Schauspielerin Alyssa Milano, die betroffene Frauen 2017 ermutigte, mit Tweets auf das Ausmaß sexueller Belästigung und sexueller Übergriffe in ihrem Leben aufmerksam zu machen. Seitdem wird das Hashtag millionenfach genutzt. Viele hochrangige Männer mussten wegen der Vorwürfe ihren Posten oder ihr Amt räumen.