48 - Unter Zwang

1. C ist richtig. Nach einer Studie des BMFSFJ (2011) war für 58 % das Ansehen der Familie entscheidend, für 19 % das Geld und für 13 % der Aufenthaltstitel. In 4 % der Fälle war Homosexualität der Grund.

Eine Zwangsverheiratung liegt vor, wenn mind. eine der beteiligten Personen durch Gewalt oder Drohungen (nicht nur Gewaltandrohungen, sondern auch etwa die Drohung mit ausländerrechtlichen oder finanziellen Konsequenzen) zur Schließung einer formellen oder informellen (z.B. im Rahmen einer religiösen Zeremonie begangenen) Ehe gezwungen wird. Die Betroffenen haben es entweder nicht gewagt, sich der Ehe zu widersetzen, oder eine eventuell vorgebrachte Weigerung wurde ignoriert.

Eine Zwangsehe liegt dann vor, wenn bereits verheiratete Personen durch Druck und Sanktionen ihres Umfelds, vor allem der Familie, gegen den eigenen Willen zur Aufrechthaltung ihrer Ehe gezwungen werden. Dies gilt auch, wenn die Ehe ursprünglich freiwillig eingegangen wurde. Eine klare Abgrenzung zu arrangierten Ehen ist in der Praxis oft schwieriger. Als Leitfaden gilt die Perspektive der Betroffenen: Arrangierte Ehen liegen dann vor, wenn die Heirat zwar von dem Umfeld der Eheleute oder von Ehevermittlerinnen initiiert wurde, die Eheschließung jedoch mit vollem Einverständnis der Ehepartnerinnen stattfindet.

Auch Männer sind von Zwangsverheiratung betroffen, allerdings in deutlich geringerem Ausmaß als Frauen (in Deutschland: 7 %). Ihr Alter bei der Verheiratung ist meist höher als das betroffener Frauen. Die sozialen Auswirkungen einer Zwangsehe sind für Männer ebenfalls anders, da ihnen in der Regel mehr Freiheiten erhalten bleiben.

In nahezu allen Ländern der Welt gibt es Gesetze gegen Zwangsverheiratung, so auch in Deutschland: nach § 237 StGB ist Zwangsverheiratung ein eigener Straftatbestand, der mit Freiheitsstrafen von 6 Monaten bis 5 Jahren geahndet wird. Auch ist bereits der Versuch, Betroffene für eine Heirat gegen ihren Willen ins Ausland zu verschleppen, strafbar, selbst wenn die Zwangsverheiratung letztendlich nicht zustande kommt. Kommt es tatsächlich zu einer Zwangsverheiratung im Ausland, so ist diese unabhängig von der Gesetzeslage vor Ort nach deutschem Recht strafbar und kann zu einer Verurteilung in Deutschland führen, solange der Wohnsitz oder regelmäßige Aufenthalt der Betroffenen in Deutschland liegt.

2. In Deutschland werden rund 3.500 Mädchen und Frauen (3.443) pro Jahr zwangsverheiratet. 93 % aller Betroffenen sind weiblich. Die Dunkelziffer gilt als hoch, weil viele Betroffene sich nicht trauen, Hilfe zu suchen, oder schlichtweg nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Die Berliner Beratungseinrichtung Papatya geht bei der Dunkelziffer vom Zehnfachen der Fälle aus, die aktenkundig werden. Demzufolge wurden 2017 allein in Berlin knapp 6.000 Mädchen und junge Frauen gegen ihren Willen verheiratet oder dazu genötigt - mehr als 15 pro Tag.

Weltweit leben über 15 Mio. Menschen in einer Zwangsehe, 13 Mio. (84 %) davon weiblich (ILO 2017). Über 90 % aller Zwangsverheiratungen finden in Afrika (4,8 Betroffene pro 1.000 Einwohnerinnen) und Asien/Pazifik (2 Betroffene pro 1.000 Einwohnerinnen) statt. Zwangsverheiratungen sind jedoch weltweit verbreitet, es liegen nur nicht für alle Länder verwertbare Daten vor.