46 - Kein Fun-Fact

1. 18 ist richtig. Im Jemen und Südsudan gibt es kein gesetzliches Heiratsalter. 1991 trat der Jemen und 2015 der Südsudan zwar der Kinderrechtskonvention bei, die ein Mindestheiratsalter von 18 Jahren vorgibt, sowie der Jemen 1984 und der Südsudan 2015 zudem der UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW), die die Unterzeichnerstaaten dazu verpflichtet, die freiwillige und volle Zustimmung zu einer Heirat durch alle Beteiligten sicherzustellen; auf nationaler Gesetzesebene wurde ein Mindestheiratsalter von 18 Jahren bislang aber weder hier noch dort eingeführt. Forderungen danach wurden wiederholt politisch abgewendet. 2011 verhinderte z.B. eine einflussreiche Gruppe konservativer Parlamentarierinnen im Jemen die Einführung eines Mindestheiratsalters. Sie argumentierten, dass dies zu unmoralischem Verhalten und einer Zerstörung familiärer Werte führen und der Scharia widersprechen würde.

In Saudi-Arabien gilt seit Ende 2019 ein Heiratsalter von 18 Jahren, Ausnahmen sind aber mit Gerichtszustimmung möglich. Lediglich Eheschließungen bei unter 15-Jährigen sind ausnahmslos verboten. Wollen oder sollen Personen vor Vollendung des 18. Lebensjahrs heiraten, muss dies von einem Spezial-Gericht geprüft und ggf. genehmigt werden. Im Vordergrund steht offiziell, ob die Eheschließung im besten Interesse der minderjährigen Beteiligten ist und ihr nicht schadet. Bis Ende 2019 konnten v.a. Mädchen jederzeit, z.T. schon vor dem 10. Lebensjahr, verheiratet werden. Häufig wurde dies mit religiösem Recht begründet, demzufolge eine Heirat für junge Frauen gemäß mancher Auslegungen bereits ab Beginn der ersten Periode zulässig ist.

Frauen in Saudi-Arabien werden in mehreren Lebensbereichen nicht als mündige Bürgerinnen anerkannt, sondern müssen auch heute noch, wollen sie z.B. heiraten oder arbeiten, die Erlaubnis ihres männlichen Vormunds, meist des Vaters, Ehemanns oder eines anderen männlichen Verwandten, einholen. 2007 hatte ein saudischer Fall Schlagzeilen gemacht, bei dem ein achtjähriges Mädchen gegen seinen Willen und den seiner Mutter an einen 47-jährigen Mann verheiratet worden war. Der Vater hatte für das Mädchen einen Brautpreis von rund 20.000 Euro erhalten. 2008 zog die Mutter vor Gericht, um die Ehe annullieren zu lassen, verlor den Prozess jedoch in mehreren Instanzen. Zum einen galt nicht die Mutter als Vormund des Mädchens, sondern ihr Ehemann. Zum anderen erklärte das Gericht die Ehe nach den religiösen Grundsätzen der Scharia für zulässig.

2. Im Südsudan werden 52 % der Mädchen vor dem 18. Geburtstag und 9 % vor dem 15. Geburtstag verheiratet. Girls not Brides zufolge weist Südsudan die achthöchste Kinderehen-Rate weltweit auf. Im Jemen werden 32 % der Mädchen und jungen Frauen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet und 9 % bereits vor ihrem 15. Lebensjahr. Extreme Armut und der seit 2014 im Jemen andauernde Krieg treiben die Kinderehen-Rate massiv in die Höhe. Für Saudi-Arabien liegen keine offiziellen Zahlen zur Verheiratung Minderjähriger vor, nach UN-Schätzungen sind sie aber weit verbreitet (Girls not Brides 2021). Fast 100 Millionen Mädchen weltweit sind rechtlich nicht vor Frühehen geschützt, da das Gesetz in ihren Heimatländern kein Mindestalter vorgibt oder Ausnahmen erlaubt (Weltbank 2017).