29 - Allein in Afrika?

1. Leider wird in all diesen Ländern FGM/C praktiziert, daher lautet die Antwort 0. FGM/C ist eine Menschenrechtsverletzung von globaler Dimension (WHO 2020).

In Afrika wird FGM/C nachweislich in den folgenden Ländern praktiziert: Benin, Burkina Faso, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Elfenbeinküste, Demokratische Republik Kongo, Dschibuti, Ägypten, Eritrea, Äthiopien, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kenia, Liberia, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Tansania, Togo, Uganda und Sambia.

In Asien wird FGM/C von einigen Communitys in Indien, Indonesien, Malaysia, Pakistan und Sri Lanka praktiziert. Im Mittleren Osten gehören die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman, Jemen, Irak, Iran und Palästina zu den Ländern mit FGM/C-Prävalenz. In Südamerika ist FGM/C in einigen Communitys in Kolumbien, Ecuador, Panama und Peru gängig. In Osteuropa setzt sich FGM/C in einigen Communitys in Georgien und der Russischen Föderation fort. In etlichen westlichen Ländern wie z.B. Australien, Kanada, Neuseeland, USA, Großbritannien und mehreren europäischen Ländern wird FGM/C vor allem von Diaspora-Communitys aus Herkunftsländern, in denen FGM/C verbreitet ist, praktiziert.

Insgesamt kommt FGM/C in 92 Ländern vor, aber nur 51 (55 %) verfügen über spezifische Gesetze dagegen, so dass Millionen von Mädchen und Frauen nicht einmal rechtlich dagegen geschützt sind (End FGM-Netzwerk 2020). Aber selbst wenn Gesetze existieren, wird die Praktik oft fortgesetzt. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die bestehenden Gesetze konsequent eingehalten und vorgesehene Strafen auch erteilt werden. Außerdem ist weiterhin umfassende Aufklärungs- und Präventionsarbeit wichtig, um langfristige Einstellungs- und Verhaltensveränderungen zu erreichen. Die Länder mit den weltweit höchsten FGM/C-Raten sind Somalia mit 98 %, Guinea mit 97 % und Dschibuti mit 93 % Betroffenen (UNICEF 2018).

2. Beispiele: Marie Curie, Jeannette Scissum, Ada Lovelace, Tiera Fletcher, Jane Goodall, Ann Tsukamoto, Rosalind Franklin

Fast überall sind sowohl in der universitären als auch außeruniversitären Forschung mehr Männer als Frauen tätig - lediglich in Argentinien wurden 51 % weibliche Forscherinnen ermittelt. Das geht aus einem Bericht des Wissenschaftsverlags Elsevier (2020) hervor, für den die Geschlechterunterschiede in der Wissenschaft anhand von Forschungs- und Publikationsdaten in 28 EU-Ländern und in 15 Ländern Amerikas, Asiens und Australiens ausgewertet wurden. Die gute Nachricht: Der Anteil der forschenden und publizierenden Frauen in der Wissenschaft steigt immerhin in allen untersuchten Ländern und Regionen, v.a. unter den Jüngeren.

Einem UNESCO-Factsheet von 2019 zufolge sind 29,3 % der Forscherinnen weltweit Frauen. Den höchsten Anteil weisen dabei Zentralasien mit 48,2 % auf, den niedrigsten Süd- und Westasien mit 18,5 %. Nordamerika und Westeuropa schneiden mit insgesamt 32,7 % unterdurchschnittlich ab und landen lediglich auf Platz 5 von insgesamt 9 Weltregionen im Vergleich. Insbesondere bei Patenten sind Frauen deutlich unterrepräsentiert – im EU-Schnitt kommen 12 weibliche auf 100 männliche Erfinderinnen, in Deutschland sind es sogar nur 6 auf 100. In OECD-Ländern ist inzwischen zumindest das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Studierenden relativ ausgeglichen.

Ende 2020 lag der Frauenanteil am gesamten Hochschulpersonal in Deutschland bei 54 % und am wissenschaftlichen Personal bei 40 %. Allerdings waren lediglich 26 % der hauptberuflichen Professorinnen Frauen. Am geringsten fiel der Frauenanteil an den Professorinnen in den Ingenieurwissenschaften (14 %) und am höchsten in den Geisteswissenschaften (40 %) aus. In Mathematik und Naturwissenschaften lag er bei 21 %. Überdurchschnittlich häufig vertreten blieben Frauen mit 71 % weiterhin auf nicht-wissenschaftlichen Positionen innerhalb des Wissenschaftsbetriebs.

Im EU-Vergleich landet Deutschland nach einer Studie der EU-Kommission (2016) weit hinten: zwar ist der Frauenanteil auf Führungspositionen in der Wissenschaft in allen europäischen Ländern deutlich niedriger als bei Studierenden oder auf niedrigeren Positionen im Wissenschaftssystem. Deutschland liegt mit einem Frauenanteil von 19,4 % jedoch deutlich unter dem europaweiten Durchschnitt. Spitzenreiterin ist Litauen mit 40 %, Finnland kann mit immerhin noch 30 % punkten. 2013 kam zudem ein kanadisch-amerikanisches Forscherinnenteam, das über 5 Millionen Publikationen aus 200 Ländern ausgewertet hatte, zu dem Ergebnis, dass Frauen, egal ob sie einen wissenschaftlichen Beitrag allein oder als Erstautorin neben anderen Autorinnen publiziert hatten, seltener zitiert wurden bzw. seltener auf ihre Veröffentlichungen verwiesen wurde als auf jene von Männern. Bis einschließlich 2021 wurden Nobelpreise an 788 Männer, 57 Frauen und 28 Organisationen verliehen, der Wirtschaftspreis ging an 87 Männer und lediglich 2 Frauen (ohne Mehrfachnennungen). An weibliche Naturwissenschaftlerinnen wurden bislang 23 Nobelpreise verliehen.

Ist ein Überhang von Forschern aber mit einer männlichen Präferenz hinsichtlich Forschungszielen, -Inhalten und -Methoden gleichzusetzen? In einigen Fällen sicherlich schon - die Primatenforscherin Dian Fossey beobachtete z.B. als erste den Beitrag der Gorillaweibchen zum Sozialleben der Primaten, während ihre Kollegen den Fokus auf die Alpha-Tiere legten.

Rückblickend wurden Frauen viele Jahrhunderte lang im traditionell männlich dominierten Wissenschaftsbetrieb als gar nicht oder bestenfalls marginal präsent wahrgenommen. Seit den 1970er Jahren erforschen die Sozial- und Geschichtswissenschaften das Wirken von Frauen in wissenschaftlich orientierten Berufsfeldern. Im Jahr 2015 deklarierten die Vereinten Nationen den 11. Februar zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft.