28 - Gesetzlich verankert

1. B ist richtig. Vor 1990 galten Gewalt an Frauen und so auch FGM/C als Privat- oder Familienangelegenheit. Seit 1992 ist FGM/C im UN-Abkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women bzw. kurz: CEDAW) als Menschenrechtsverletzung anerkannt. Das Abschlussdokument der Weltmenschenrechtskonferenz (1993) sprach sich für ein Ende von Gewalt gegen Frauen im privaten und öffentlichen Leben aus sowie für ein Ende von traditionellen Praktiken, die die Menschenrechte von Frauen verletzen. Auf der Weltbevölkerungskonferenz 1994 beschlossen 179 Staaten, FGM/C zu beenden.

In früheren Kampagnen gegen die Praktik galt FGM/C v.a. als Gesundheitsproblem. Diese Schwerpunktsetzung hat ggf. zur Medikalisierung von FGM/C beigetragen: FGM/C wird heute in vielen Ländern zunehmend von medizinischem Fachpersonal und nicht mehr von traditionellen Beschneiderinnen ausgeführt. Aus menschenrechtlicher Sicht ist die Medikalisierung von FGM/C jedoch ebensowenig akzeptabel. Seit 1992 wird FGM/C auch vor diesem Hintergrund vorrangig als Menschenrechtsthema klassifiziert. Dies bekräftigten gemeinsame Erklärungen und Programme von WHO, UNFPA und UNICEF (1997 und 2008). 2012 verabschiedete die UN-Generalversammlung einstimmig die erste Resolution gegen FGM/C. 2015 wurde die Beseitigung von FGM/C in die 17 Nachhaltigen UN-Entwicklungsziele aufgenommen.

Es gibt zahlreiche internationale und regionale Abkommen, in denen FGM/C explizit thematisiert wird, so z.B. in Art. 12 und 14 von CEDAW, in Art. 3 und 5 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, in Art.1 der Anti-Folter-Konvention, in Art. 19 und 24 der Kinderrechtskonvention, in Art. 5 des Protokolls für die Rechte von Frauen in Afrika (auch bekannt als Maputo-Protokoll) oder in Art. 38 des Übereinkommens des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (auch bekannt als Istanbul-Konvention).

2. C ist richtig. 2003 verfügte die Afrikanische Union mit dem Maputo-Protokoll für die Rechte von Frauen in Afrika, einem Zusatz zur Afrikanischen Charta der Menschenrechte und der Rechte der Völker, FGM/C abzuschaffen. 42 Staaten haben es ratifiziert und doch wird FGM/C in 92 Ländern fortgesetzt, mind. 28 davon in Afrika.