18 - Wie ein Tag im Büro?

1. Der Alltag in der Prostitution ist selten selbstbestimmt. Die meisten Prostituierten sind massivem Druck ausgesetzt und leiden unter Ängsten: vor Gewalt von Sexkaufenden, Zuhälterinnen oder Bordellbetreibenden; vor der Ausweisung oder Abschiebung; davor, schwanger oder krank zu werden oder nicht genug Geld zu verdienen. Oft sind diese Ängste sehr berechtigt.

Sehr problematisch aus Sicht von TERRE DES FEMMES ist die Normalisierung oder Bagatellisierung von Sexkauf in unserer Gesellschaft. Manche Unternehmen feiern besondere Vertragsabschlüsse in Bordellen oder Bewerber für höhere Managementposten müssen beweisen, dass Bordellbesuche im Arbeitskontext für sie in Ordnung sind. Sexkauf mit einem gewöhnlichen Anreiz für berufliche Leistung und Erfolg gleichzusetzen, fördert nicht nur ein sexistisches Frauenbild, sondern wirkt auch de facto geschlechterdiskriminierend.

2. 83 % der Frauen in der Prostitution in Deutschland haben bereits körperliche Gewalt erfahren (BMFSFJ 2004). 89 % haben zudem bereits sexuelle Belästigung und Bedrängnis erfahren, 81 % psychische Gewalt, v.a. verbale Aggression und soziale Geringschätzung, und bis zu 39 % massive körperliche Gewalt, z.B. Prügel, Bedrohung mit einer Waffe oder Bedrohung mit dem Tod.