Slutwalk 2012: Sexuelle Gewalt ist ein Verbrechen!

TERRE DES FEMMES demonstrierte mit beim Slutwalk Berlin 2012 am 15. September 2012 - einem Protestmarsch gegen Sexismus, sexualisierte Gewalt, Vergewaltigungs­mythen und -verharmlosung.

Der Mythos der „richtigen“ Kleidung als Schutz vor Vergewaltigungen

Das TERRE DES FEMMES Team war gut ausgerüstet und lautstark mit dabei. Foto ©: Laura MöhrkeDas TERRE DES FEMMES Team war gut ausgerüstet und lautstark mit dabei.
Foto ©: Laura Möhrke

Nachdem im Januar 2011 ein Polizeibeamter in Toronto, Kanada in einem Vortrag über öffentliche Sicherheit an der Osgoode Hall Law School erklärte, dass Frauen selbst Schuld sind, wenn sie sexuell belästigt werden, da/falls sie sich entsprechend anziehen und verhalten, löste dies weltweite Empörung aus.

Im April 2011 fand der erste Slutwalk in Toronto statt. Es entwickelte sich fortlaufend eine mitreißende Emanzipationsbewegung, welche sich über die ganze Welt verbreitete. Auch in Deutschland formierten sich in zahlreichen Städten Gruppen, die einen Slutwalk organisierten. Im gleichen Jahr fand auch in Berlin ein Protestmarsch statt an dem über 3.500 Menschen teilnahmen. Am 15.09.2012 gab es eine Wiederholung, an der diesmal knapp 1.000 Menschen für ihr Recht auf Selbstbestimmung hinsichtlich Körper, Geschlecht und sexuellem Begehren auf die Straße gingen. TERRE DES FEMMES protestierte bei beiden mit.

  

 

Position von TERRE DES FEMMES zur Slutwalk-Bewegung 

Auch in Deutschland sind Einstellungen wie die des kanadischen Polizisten keine Seltenheit, sondern kennzeichnend für einen symptomatischen Umgang und eine Verharmlosung sexualisierter Gewalt. So wird Frauen häufig nicht nur eine Mitschuld an der Tat suggeriert, in einigen Fällen werden sie sogar als Provokateurinnen stigmatisiert. 

Die  Demonstration begann am Pariser Platz und endete am Strausberger Platz.  Insgesamt betrugt die Strecke 4,8 km. Foto ©: Laura MöhrkeDie Demonstration begann am Pariser Platz und endete am Strausberger Platz. Insgesamt betrugt die Strecke 4,8 km. Foto ©: Laura Möhrke
Zudem wird Frauen vermittelt, es gäbe tatsächlich ein bestimmtes Verhalten und eine Kleidung, die vor sexuellen Übergriffen schützt. Beispielsweise gilt ein kurzer Rock in bestimmten Kreisen als aufreizend und „willig“. Ihnen wird damit ein bestimmter Lebenswandel und Kleidungsstil vorgegeben, was nicht mit den Grundsätzen der Freiheit und Selbstbestimmung in Einklang zu bringen ist.

 

Aufgrund dieser falschen Vorstellungen haben Frauen oftmals auch Angst den Täter anzuzeigen und denken sie würden eine Mitschuld an dem Gewaltdelikt tragen, dabei ist der Mythos, dass in der Mehrzahl aufreizend angezogene Frauen vergewaltigt werden, falsch und irreführend.

Tatsächlich ist die weit verbreitete Vorstellung eines unbekannten Täters, der eine Frau nachts in einer dunklen Ecke auflauert, trügerisch. Dies ist lediglich bei 14,5% der bekannten Vergewaltigungen der Fall. In den anderen Fällen stammt der Täter aus dem Bekanntenkreis oder ist der aktuelle oder ehemalige Partner. Laut einer Dunkelfeldforschung geschehen in Deutschland 160.000 Vergewaltigungen pro Jahr. Lediglich 5% der Sexualstraftaten werden zur Anzeige gebracht. Von diesen werden weniger als 1% verurteilt (ca. 1.000 Verurteilungen pro Jahr).

Die Protestformen waren vielfältig. Foto ©: Laura MöhrkeDie Protestformen waren vielfältig.
Foto ©: Laura Möhrke
Die Mythen rund um die Vergewaltigungen spiegeln ein falsches und gefährliches Bild der Geschlechterrollen wider. Unsere Gesellschaft ist so konditioniert, dass den Körper zu zeigen immer auch sexuelle

Bereitschaft signalisiert. Ziel der Slutwalks ist es, diese frauenfeindliche und diskriminierende Argumentation zurückzuweisen. Männer sind keine triebgesteuerten „Opfer“ ihrer Sexualität und Frauen keine Verführerinnen, die ihre Reize zu kontrollieren haben.

Die Slutwalks treten für eine Gesellschaft ein, in der Frauen selbstbestimmt und ohne Gewalt leben können. Wir begrüßen die Slutwalk Bewegung mit ihren Zielen sehr und freuen uns, dass es auch 2012 einen Protestmarsch in Berlin gab. TERRE DES FEMMES unterstützt die Ziele der VeranstalterInnen und nahm am 15. September 2012 an dem solidarischen Event teil.