11. Filmfest FrauenWelten von TERRE DES FEMMES in Tübingen vom 24. - 30.11.2011: Themenfokus „Menschenrecht Gewaltfreie Geburt, ein Plädoyer für die Hebammenkunst“ (18.11.2011)

Tübingen, 18. November 2011. Der thematische Fokus der FrauenWelten richtet sich dieses Jahr auf ein wichtiges und aktuelles Thema: „Menschenrecht gewaltfreie Geburt – ein Plädoyer für die Hebammenkunst“ hinterfragt kritisch die Art und Weise, wie Menschen in unseren Gesellschaften zur Welt kommen. Wie konnte es dazu kommen, dass Gebären nicht mehr als ein natürlicher Prozess wahrgenommen wird sondern als Krankheit und kollektives Katastrophenszenario? Er läutet zugleich eine Alarmglocke: der für eine humane, natürliche Geburt wesentliche Berufsstand der freien Hebammen ist vom Aussterben bedroht! Filme mit vielen Publikumsgesprächen, eine Ausstellung und der Thementag „Gewaltfreie Geburt“ mit einem Podiumsgespräch beleuchten mannigfaltige Perspektiven der Problematik und fordern zu politischen Konsequenzen auf.

20 Filme mit Publikumsgesprächen zum faszinierenden Thema führen in 20 Länder, darunter einige Werke, die auf großen Festivals Beachtung fanden. „Mit dem Bauch durch die Wand“ der Dokumentarfilmerin Anka Schmid lief auf der Berlinale und erfrischte mit den überraschenden Lebenswegen von jugendlichen Müttern in der Schweiz. „Genpin“ der Cannes-Gewinnerin Naomi Kawase zeigt, wie in Japan unter Betreuung des alten Arztes Yoshimura Babys und Mütter ohne Angst eine sanfte Geburt erleben dürfen. Der Film lief auf bedeutenden Festivals wie Toronto und San Sebastian und zeigt, dass das Thema durchaus mainstreamfähige Konturen hat.

Worum geht es in dem Themenfokus?

Die Filme allein schon machen klar: Vieles ist im Argen bezüglich der Art und Weise, wie Menschen in unsere Gesellschaft geboren werden: - die Kaiserschnittrate ist in Deutschland auf über 30 % gestiegen, der Kaiserschnitt wird langsam als “normale“ Geburtsform angesehen. Er bringt jedoch unzählige Nachteile für Mütter und Babys mit sich. Demgegenüber konnte sowohl der langjährige Leiter der weltbekannten Semmelweis-Klinik in Wien, Prof. Rockenschaub, als auch Hebamme Ina May Gaskin, die am 5. Dezember in Stockholm den Alternativen Friedensnobelpreis erhält, Kaiserschnittraten von ca. 1% bei über 30.000 Geburten verzeichnen, mit sehr guten Gesundheits-Werten bei Babys und Müttern.

  • Ungeborene haben wenig Chancen, in ein "Baby-freundliches" Krankenhaus geboren zu werden: nur 12 von 100 Krankenhäusern in Deutschland gehören dieser Initiative an (*www.babyfreundlich.org); Ungeborene sind auch zwischen der 13. Woche und den Geburtswehen nicht vor Körperverletzung geschützt, wohl aber vor der 13. Woche. Ein entsprechender Antrag zur Gesetzesänderung des §218, um diese erstaunliche Gesetzeslücke zu füllen, ist aktuell beim Bundestag von vier Organisationen eingereicht worden, die sich gegen Gewalt an Ungeborenen und Babys engagieren
  • Schwangerenvorsorge und Geburtshilfe werden in entwickelten Ländern wie Deutschland zunehmend von Risikodenken, Technik und einer Fülle diagnostischer Tests dominiert, Schwangerschaft und Geburt werden zum pathologischen Geschehen. Die Fähigkeit der Frauen zu gebären wird durch den oft unnötigen Einsatz von Technik und Medikamenten eingeschränkt und behindert.
  • Auf der anderen Seite der Medaille sterben auf der Welt jährlich immer noch Hunderttausende an Müttern bei der Geburt – fast ausschließlich in den armen Ländern, da sie dort keinen Zugang zu Notfallmedizin haben, unterernährt sind und hygienische Bedingungen unzureichend sind.
  • der für eine humane, natürliche Geburt wesentliche Berufsstand der freien Hebammen ist in Deutschland vom Aussterben bedroht! Enorme Haftpflicht-Versicherungszahlungen, die freie Hebammen selbst tragen müssen, machen das Überleben für sie fast unmöglich, immer mehr Geburtshäuser müssen schließen.

Aus all diesen Gründen organisiert das Filmfest FrauenWelten von TERRE DES FEMMES vom 24.-30. November einen Themenfokus „Menschenrecht Gewaltfreie Geburt – ein Plädoyer für die Hebammenkunst“, um Bewußtsein in Publikum, Medien, Akteuren im Gesundheitswesen und politischen Instanzen zu wecken und zum Handeln aufzufordern. Genauso wichtig – das legen auch die Filme offen - ist für die Betrachtung jedoch der Blick auf die möglichen Alternativen. Sie zeigen auf, dass es im Hier und Jetzt durchaus möglich ist, diesen magischen und enorm wichtigen Moment im Leben eines jeden Neugeborenen und seiner Mutter gewaltfrei, würdevoll und durchaus auch wundervoll bis ekstatisch zu
gestalten. Im Rahmenprogramm bieten ein Thementag mit einer Ausstellung, dem Hebammen-“Markt der Möglichkeiten“ und einem Podiumsgespräch mannigfaltige Beschäftigung mit allen Facetten des Themas an.

Mehr Informationen sind unter www.frauenrechte.de/filmfest zu finden.

Irene Jung, Tübingen

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TERRE DES FEMMES ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für Mädchen und Frauen, die durch Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit, Einzelfallhilfe, Förderung von Projekten und internationale Vernetzung von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen unterstützt. TERRE DES FEMMES klärt auf, wo Mythen und Traditionen Frauen das Leben schwer machen, protestiert, wenn Rechte beschnitten werden und fordert eine lebenswerte Welt für alle Mädchen und Frauen – gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei! Unsere Schwerpunktthemen sind Häusliche Gewalt, Zwangsheirat und Ehrverbrechen, weibliche Genitalverstümmelung, Frauenhandel, Zwangsprostitution und soziale Rechte für Arbeiterinnen. Der Verein wurde 1981 gegründet, die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Berlin.