15.04.2010: TDF-Stellungnahme "Hilfsverein unter Betrugsverdacht" - "Jauch-Spende für Hatun-Verein verjubelt"

Tübingen, 15.04.2010

Die Schlagzeilen über den Berliner Verein Hatun & Can müssen all diejenigen verunsichern, denen der Schutz bedrohter Frauen und Mädchen ein ernsthaftes Anliegen ist. Und sie müssen empören. "Wer das Schutzinteresse Hilfesuchender als Legitimation oder gar als Deckmantel nutzt für undurchsichtigen Umgang mit Spendengeldern und intransparenter Arbeit, handelt in höchstem Maße unverantwortlich", warnt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin der Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES. Dieses Verhalten droht auch das Vertrauen in seriös arbeitenden Organisationen zu erschüttern, die wie die Berliner Schutzeinrichtung Papatya oder TERRE DES FEMMES seit Jahren verlässliche, überprüfbare Hilfe für die Betroffenen leisten.

Das zwielichtige und oft unprofessionelle Handeln eines kleinen Vereins darf auch nicht dazu führen, dass die alltägliche Notlage von Frauen und Mädchen aus dem Blickfeld verschwindet, appelliert TERRE DES FEMMES. Das wäre fatal.

Allein TERRE DES FEMMES hat in den letzten drei Jahren über 500 Frauen und Mädchen betreut, die von Zwangsverheiratung oder Gewalt im Namen der Ehre betroffen oder bedroht waren. Viele Hilfesuchenden waren dabei (Mord)Drohungen durch Familienmitglieder ausgesetzt. TERRE DES FEMMES wird diesen Frauen und Mädchen auch in Zukunft Hilfe leisten- durch professionelle Beratung, durch Vermittlung an Schutzeinrichtungen und in akuten Notfällen durch rasche, unbürokratische Rettung aus Gefahrenlagen. Wir arbeiten dabei eng mit Jugendämtern, Sozialarbeiterinnen und Polizei zusammen. Denn die bedrohten Frauen und Mädchen brauchen langfristige Betreuung und professionelle Unterstützung für eine eigenständige Zukunft ohne Angst.
Jeder Einzelfall wird von uns detailliert dokumentiert, darüber gibt unsere jährliche Statistik einen Einblick.

Mit dem Internetportal http://www.zwangsheirat.de hat TERRE DES FEMMES darüber hinaus ein bisher einzigartiges Hilfsangebot geschaffen. Dort können Betroffene aus dem gesamten Bundesgebiet online Informationen erhalten und mit einem Maus-Click rund um die Uhr eine Schutz- oder Beratungseinrichtung in ihrer Nähe finden. Die Website bietet außerdem eine enge Vernetzung und unverzichtbaren Erfahrungsaustausch unter HelferInnen, Fachleuten und Wissenschaft.

TERRE DES FEMMES und andere Frauen-Hilfsvereine leisten mit ihrem Engagement Schutz und Fürsorge, wo staatliche Institutionen vielfach versagen - weil sie mit dem Problem überfordert sind, oder es schlicht nicht ernst nehmen.

Über die konkrete Einzelfallhilfe hinaus engagiert sich TERRE DES FEMMES deshalb seit Jahren dafür, die Öffentlichkeit für das Problem von Zwangsverheiratung und Gewalt zu sensibilisieren - mit Unterrichtsmaterialien, Flyern, Fortbildungen oder durch Mitarbeit am Projekt des Bundesfamilienministeriums zur Erforschung des tatsächlichen Ausmaßes von Zwangsverheiratung in Deutschland.

Einzelfallhilfe für bedrohte Frauen und Mädchen geschieht oft zwangsläufig im Verborgenen.
Darauf verweist auch der Verein Hatun & Can. Doch der Schutz der Betroffenen kann keine Rechtfertigung sein für intransparente Vereinsstrukturen. TERRE DES FEMMES bekennt sich ausdrücklich zu einer gläsernen, öffentlich einsehbaren Arbeit mit demokratisch-gewählten Kontrollgremien.
Auf unserer Homepage geben die Ergebnisse einer regelmäßigen externen Wirtschaftsprüfung Auskunft über die Verwendung von Spendengeldern. Seien Sie eingeladen zum Einblick in die Arbeit von TERRE DES FEMMES!

Für Nachfragen und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.
Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES, Christa Stolle, Telefon 07071/7973-0 oder über das Kontaktformular.