02.11.2006: Genitalverstümmelung - 10 Jahre Haft für Vater in den USA

TERRE DES FEMMES fordert auch in Deutschland besseren Schutz für Mädchen vor Genitalverstümmelung

Im US-Bundesstaat Georgia ist am vergangenen Mittwoch ein 30-jähriger Einwanderer aus Äthiopien zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er hat seine heute sieben Jahre alte Tochter mit einer Schere genitalverstümmelt. Bereits 2001 ist gegen den Vater Anklage erhoben worden. Zur Verurteilung kam es erst jetzt, weil Georgia bis letztes Jahr kein Gesetz gegen Genitalverstümmelung erlassen hatte.

TERRE DES FEMMES begrüßt das konsequente Vorgehen und hofft, dass dieses erste Gerichtsurteil in den USA Signalwirkung hat. In Europa gab es nur in Frankreich und in Schweden Strafprozesse. In Deutschland ist weibliche Genitalverstümmelung als schwere und gefährliche Körperverletzung strafbar. Allerdings mussten bisher alle Ermittlungsverfahren aus Mangel an Beweisen wieder eingestellt werden.

“Oberstes Ziel muss es sein", so Christa Stolle, Geschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, “dass kein Mädchen mehr verstümmelt wird - weder in Deutschland noch weltweit."

TERRE DES FEMMES plädiert bei Genitalverstümmelung für einen eigenen Straftatbestand in Deutschland. Damit ließen sich auch Fälle verfolgen, in denen Mädchen im Ausland - z.B. während der Sommerferien im Heimatland der Eltern - genitalverstümmelt werden.

Täglich sind weltweit 8.000 Mädchen und junge Frauen dieser schweren Menschenrechtsverletzung ausgesetzt. Traditionellerweise ist die Praxis vor allem in 28 afrikanischen Ländern verbreitet. Nach Berechnungen von TERRE DES FEMMES leben derzeit mindestens 18.000 bereits betroffene Frauen in Deutschland, zusätzlich sind 5.000-6.000 Mädchen gefährdet.

Um sie besser zu schützen, reichen Gesetze allein nicht aus: die Beratung und Aufklärung muss intensiviert werden. Immer noch stehen betroffenen Migrantinnen zu wenig Beratungsangebote mit Beraterinnen afrikanischer Herkunft zur Verfügung. Aber auch ÄrztInnen, ErzieherInnen und SozialpädagogInnen spielen eine wichtige Rolle bei der Aufklärung und Prävention. Deshalb fordert TERRE DES FEMMES, dass das Thema fester Bestandteil der medizinischen und pädagogischen Ausbildung in Deutschland werden muss. TERRE DES FEMMES bringt speziell für MigrantInnen die Broschüre “Wir schützen unsere Töchter" heraus. Sie ist in sechs Sprachen erhältlich und stellt eine wichtige Grundlage für Beratungsgespräche dar.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Franziska Gruber,
Referat Genitalverstümmelung,
Tel: 07071/79730,
E-Mail: genitalverstuemmelung@frauenrechte.de