08.12.2006: Jährlich 1.200 "Ehrenmorde" in Pakistan: TDF überreicht 6.000 Protestunterschriften

Am 07. Dezember 2006 überreichte TERRE DES FEMMES zum Tag der Menschenrechte dem pakistanischen Botschafter in Berlin über 6.600 Unterschriften.

Pakistan ist eines der Länder mit der weltweit höchsten Ehrenmordrate: Jedes Jahr werden in Pakistan nach offiziellen Angaben ca. 1.200 Menschen - zumeist Mädchen und Frauen - im Namen der “Ehre" von nahen männlichen Verwandten ermordet. Die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher.

Der pakistanische Botschafter Seine Eminenz Asif Ezdi machte im Rahmen eines Fachgespräches während der Unterschriftenübergabe darauf aufmerksam, dass es derzeit verschiedene Reformbestrebungen in Pakistan gibt. So ist letzte Woche ein neues Frauenschutzgesetz in Pakistan verabschiedet worden, demgemäß Frauen nun u. a. die Möglichkeit haben, einen Vergewaltiger anzuzeigen, ohne vier männliche Zeugen zu benennen. Mit dem neuen Gesetz fällt Vergewaltigung als Straftatbestand in die zivile Gerichtsbarkeit, während bislang ländliche Scharia-Gerichte zuständig waren.

“Diese Verbesserungen zeigen in die richtige Richtung. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob diese auch in der Praxis umgesetzt werden", so Christa Stolle, Geschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. “Nach wie vor passieren Ehrenmorde - trotz Gesetz. Der Täter kommt häufig mit einer Gefängnisstrafe von ein paar Monaten davon, wenn er überhaupt verurteilt wird. Derzeit haben die Frauen in Pakistan nicht die Möglichkeit, Schutz zu finden: Die Polizei schaut weg oder schickt die Frauen sogar zu ihren Familien zurück. Die wenigen existierenden Frauenhäuser sind vor allem dazu da, die “unreinen" Frauen vor der Gesellschaft wegzuschließen."

Oft reicht schon das Gerücht über eine außereheliche Beziehung oder ein unbeaufsichtigter Kontakt zu einem Mann aus, um nach traditioneller Vorstellung die Ehre der Familie zu verletzen. Die Ehre wird mit der Ermordung der “unehrenhaften" Frau wiederhergestellt. Die Täter erhalten häufig reduzierte Strafen, sofern die Tat überhaupt vor Gericht verhandelt wird.

Bei Nachfragen und Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an:
TERRE DES FEMMES, Myria Böhmecke,
E-Mail: eilaktion@frauenrechte.de,
Tel. 07071/79 73-14