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TERRE DES FEMMES vergibt zum vierten Mal in Folge den „Zornigen Kaktus“

Der Zorniger Kaktus

Der Werbeslogan „Wir machen alles wieder nackig“ setzt sich gegen „willst du mich abschleppen?“ durch!

Rainer Syre Chemische Entlackung GmbH aus Bönen (NRW) gewinnt den Negativ-Preis für besonders frauenfeindliche Werbung! Mit dem Werbeslogan „Wir machen alles wieder nackig“ in Kombination mit Frauenbeinen, High Heels und heruntergelassener Unterwäsche konnte der Dienstleister im industriellen Bereich die diesjährige Kaktus-Jury und die fast 4000 TeilnehmerInnen der Online-Abstimmung überzeugen. Anders als im letzten Jahr gab es in diesem Jahr ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen: Die Entlackungsfirma konnte sich mit 1717 Stimmen nur knapp gegen das Vermietungsunternehmen von LKW-Tankaufliegern, SEKA-Nutzfahrzeuge GmbH & Co KG (1599 Stimmen), durchsetzen. Den letzten Platz belegt der Pizza-Lieferant Uno-Pizza GmbH aus Halle an der Saale (529 Stimmen).

Das TERRE DES FEMMES-Team bei der Preisverleihung. Foto: © TERRE DES FEMMESDas TERRE DES FEMMES-Team bei der Preisverleihung. Foto: © TERRE DES FEMMES

TERRE DES FEMMES begründet die Auswahl von Rainer Syre Chemische Entlackung GmbH wie folgt: Die Botschaft des Unternehmens ist klar – die Frauenbeine im Bild sind das Zeugnis einer unreflektierten Objektifizierung des Weiblichen. Es bedarf keines Gesichts, keiner Persönlichkeit. Die inhaltsleere Sexualisierung des weiblichen Körpers hat nur einen Grund: es geht um den Blickfang. Die leicht gebückte Pose und die nach innen gerichteten Füße in Kombination mit dem Werbeslogan „Wir machen alles wieder nackig!“ deuten nicht auf ein selbstbewusstes und eigenständiges Auftreten der Frau hin, sondern fördern stattdessen das längst überholte Rollenbild der unterwürfigen Frau, die willenlos für den Mann verfügbar ist.

Diese Werbung wurde von der Kaktus-Jury 2018 aufgrund ihrer tiefgreifend sexistischen Merkmale nominiert und sie gewann. Herzlichen Glückwunsch an Rainer Syre und sein Team! Leider war weder jemand der Chemischen Entlackungs GmbH anwesend, noch wurde das Angebot für ein Gespräch über sexistische Werbung angenommen. Schade, so konnte der Kaktus nicht plangemäß von unserer Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle übergeben werden:

Außerdem hat sich TDF beim Werberat über die drei Finalisten beschwert, damit er diese auffordert, ihre Werbung zurückzuziehen, und gegebenenfalls öffentlich rügt.

TERRE DES FEMMES und die diesjährige Kaktus-Jury freuen sich über die rege Teilnahme an der diesjährigen Verleihung des Negativ-Preises. Von Mitte April bis Ende Juni gingen über 90 Anzeigen bei TERRE DES FEMMES ein und auf diese Weise die Bandbreite frauenfeindlicher Werbung in Deutschland demonstriert. Aus den Vorschlägen wählte die Jury, bestehend aus Christa Stolle (TDF Bundesgeschäftsführerin), Inge Bell (stellv. TDF-Vorstandsvorsitzende) sowie Kaja Holland und Astrid Warburg-Manthey (gewählte Jurymitglieder auf der diesjährigen Vereinsversammlung), drei Werbeanzeigen zur Abstimmung für die Öffentlichkeit aus.

Wir bedanken uns für die vielseitige Beteiligung, bedauern jedoch, dass auch im Jahr 2018 der „Zornige Kaktus“ nötig ist, um auf die leider immer noch sehr verbreitete frauenfeindliche Werbung aufmerksam zu machen.

Dies waren die drei Finalisten:

Uno-Pizza Gastro GmbH "Pizza hot and spicy"Uno-Pizza Gastro GmbH (Sachsen, Sachsen-Anhalt)
"Pizza hot and spicy"

Die sich räkelnde Frau in einem Berg von Pizza-Kartons wurde uns gleich mehrfach zugesendet. Zu Recht! „Das ist sexistisch“, findet die diesjährige Jury für den Zornigen Kaktus. Der Blick der Betrachtenden wandert von den Brüsten zum Mund und weiter zum Intimbereich, der mit transparenter Unterwäsche bedeckt ist. Während die Brüste der Frau optisch mit der Pizza auf ihrem Bauch und am Mund konkurrieren, wird sie als menschlicher Tisch inszeniert. Der laszive Blick und das Spiel mit dem Klischee der Verführerin suggerieren die Objektifizierung und Verfügbarkeit der Frau. Griffbereit und billig, wie die Pizza auf ihrem eingeölten Körper liegt sie da – Hot and Spicy für nur 4,99 €.

Eingereicht von: Sarah A. aus Münster, Konstanze Morgenroth aus Borna (Sachsen), Dornrosa e.V. aus Halle

 

 

 

 

 

 

 

Rainer Syre Chemische Entlackung GmbH "Wir machen alles wieder nackig"Rainer Syre Chemische Entlackung GmbH (Bönen, NRW)
"Wir machen alles wieder nackig"

Wer eine innovative Entkleidungshilfe als Produkt hinter dieser Werbung erwartet, liegt falsch. Auf der Website der Syre Chemische Entlackung GmbH klärt sich auf: Es geht um Entlackung, Entrostung, Entfettung und die Reinigung von Industrieprodukten. Mit Unterwäsche, hochhackigen Schuhen und langen Frauenbeinen hat das wenig zu tun. Die Objektifizierung des weiblichen Körpers steht im Vordergrund. Auch ein Gesicht ist nicht nötig, es geht nur um den Blickfang. Die leicht gebückte Pose und die nach innen gerichteten Füße in Kombination mit dem Werbeslogan „Wir machen alles wieder nackig!“ deuten nicht auf ein selbstbewusstes und eigenständiges Auftreten der Frau hin, sondern fördert stattdessen das längst überholte Rollenbild der unterwürfigen Frau, die willenlos für den Mann verfügbar ist. Diese Werbung wurde von der Kaktus-Jury 2018 als tiefgreifend sexistisch eingestuft.

Eingereicht von: der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Kreuztal

 

 

 

 

 

 

 

 

SEKA-Nutzfahrzeuge GmbH & Co KG "willst du mich abschleppen?"SEKA-Nutzfahrzeuge GmbH & Co KG (Leverkusen, NRW)
"willst du mich abschleppen?"

Dieser „Blickfang“ der Seka Group ist ein Paradebeispiel für die stumpfsinnige Instrumentalisierung des halbnackten weiblichen Körpers als Vermarktungsobjekt. Das grafisch mittig platzierte Gesäß macht auf die Internetseite des Unternehmens aufmerksam und soll vermutlich eine positive Erinnerung bei der klar männlichen Zielgruppe hinterlassen. Die primitive Fragestellung „willst du mich abschleppen?“ als stilistische Hinführung zur Internetseite gibt nur entfernt einen Hinweis auf das beworbene Produkt. Es handelt sich nämlich nicht um einen Abschlepp-Service, sondern um die Werbung für den Kauf oder die Mietung von LKW-Tankaufliegern. Diese Vermarktung wurde von unserer Kaktus-Jury 2018 als sexistisch eingestuft, da die Frau als sexuelles Objekt ohne Persönlichkeit abgebildet wird, das in einem klaren Verhältnis der Verfügbarkeit dem männlichen Geschlecht gegenübersteht.

Eingereicht von: Ulla Zimmermann aus Lichtenbusch

 

 

 

 

Stand: 08/2018