Award zu "10 Jahre internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung" am 6. Februar 2013

Zum 10-jährigen Bestehen des internationalen Tags „Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung“ stellen wir Ihnen neben unseren wichtigsten Forderungen zehn Menschen vor, die sich für den Kampf für ein Ende weiblicher Genitalverstümmelung einsetzen. Wir verbinden dies mit einem Award und starten den Aufruf, uns Ihr eigenes Portrait zuzusenden. Schreiben Sie uns von Ihrer Motivation, sich für ein Ende weiblicher Genitalverstümmelung einzusetzen und stellen Sie Ihre Aktionen vor! Oder schlagen Sie eine engagierte Person aus Ihrem Umfeld vor, die sich bereits gegen Genitalverstümmelung einsetzt! Zum 6. Februar werden das überzeugendste Projekt und die InitiatorInnen auf der TERRE DES FEMMES-Facebook-Seite vorgestellt.

2003 – 2013: 10 Jahre "Internationaler Tag Null-Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung" am 6. Februar

Im Februar 2003 organisierte das Inter-African Committee (IAC) in Addis Abeba eine internationale Konferenz unter dem Motto "Null-Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung". Ziel war es, die bereits begonnenen Kampagnen gegen weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, kurz FGM) weiter voran zu bringen und zu beschleunigen. First Ladies aus vier afrikanischen Ländern, Minister, RepräsentantInnen der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union waren anwesend. Darüber hinaus nahmen viele Menschen aus 40 Nationen, die sich an der Basis gegen FGM engagieren, an der Konferenz teil. Seit dieser Konferenz ist der 6. Februar der Internationale Tag "Null-Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung".

Auf der Konferenz plädierten die anwesenden Frauen und Männer dafür, schädliche Praktiken abzuschaffen. Da Frauen über die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung bilden, sollten ihre Belange im Vordergrund stehen. Sie riefen daher dazu auf, ihren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zu fördern. Es müssten Maßnahmen ergriffen werden, um ihre sexuellen und reproduktiven Rechte zu stärken, denn Gesundheit von Frauen sei ein zentraler Punkt für Entwicklung. Zum Abschluss gaben die TeilnehmerInnen ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die afrikanischen Staatschefs ihren Einsatz weiterhin unterstützen, und forderten „Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung!“

Weltweit sind 150 Millionen Frauen und Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt. Bei der weiblichen Genitalverstümmelung werden meist bei vollem Bewusstsein die äußeren weiblichen Genitalien teilweise oder vollständig entfernt. Viele leiden ihr Leben lang an den körperlichen und seelischen Folgen dieser Gewalt. Viele Eltern halten jedoch an der Praxis fest, da sie befürchten, dass ihre Töchter als Unbeschnittene ausgegrenzt werden und nicht heiraten können. Es erfordert viel Mut, das tabuisierte Thema der weiblichen Genitalverstümmelung anzusprechen und große Ausdauer, Menschen davon zu überzeugen, Jahrhunderte alte Einstellungen zu ändern.

TERRE DES FEMMES engagiert sich seit nunmehr knapp 30 Jahren für die Überwindung dieser Menschenrechtsverletzung und unterstützt zwei Projekte in Burkina Faso und Sierra Leone. In Deutschland leben geschätzt über 20.000 bereits betroffene Frauen, über 5.000 Mädchen sind dem Risiko ausgesetzt, heimlich hierzulande oder während der Ferien im Herkunftsland der Eltern genitalverstümmelt zu werden.
Daher setzen wir uns dafür ein, dass

  1. die UN-Resolution „Intensifying global efforts for the eliminiation of female genital mutilation“ von Dezember 2012 auf internationaler und nationaler Ebene konsequent umgesetzt wird. Diese beinhaltet, dass weibliche Genitalverstümmelung weltweit geächtet wird, gesetzlich verboten ist und Regierungen landesweite Sensibilisierungskampagnen durchführen.
  2. im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit Gelder für Sensibilisierungskampagnen in den Herkunftsländern der Praxis bereitgestellt werden.
  3. weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland als geschlechtsspezifischer Verfolgungsgrund anerkannt wird, auch wenn im Herkunftsland der betroffenen Frau Genitalverstümmelung gesetzlich unter Strafe gestellt ist. Da der Staat in vielen Fällen seiner Verpflichtung zum Schutz seiner Bürgerinnen nicht nachkommt, kann von einer mittelbaren staatlichen Verfolgung der Betroffenen ausgegangen werden. 
  4. es bundesweit mehr Beratungsangebote für betroffene Frauen und ihre Familien gibt.
  5. das Thema Gewalt gegen Frauen und Frauengesundheit in Integrationskurse aufgenommen wird und betroffene Migrantinnen über ihre Rechte und Hilfsangebote informiert werden.
  6. weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland in den medizinischen Diagnoseschlüssel aufgenommen wird und die Krankenkassen notwendige Behandlungen für betroffene Frauen ausnahmslos übernehmen.
  7. ÄrztInnen, Hebammen, LehrerInnen, ErzieherInnen SozialpädagogInnen, Polizei und Justiz in ihrer Aus- und Weiterbildung zum Thema geschult werden.
  8. alle Kinder – unabhängig von Geschlecht und Herkunft – an den ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. So können nicht nur Fälle weiblicher Genitalverstümmelung, sondern auch sexueller Missbrauch eher entdeckt werden.
  9. die 2008 vom Bundestag beschlossene Bund-Länder-Nichtregierungsorganisationen-AG zum Thema ihre Arbeit wieder aufnimmt und einen Nationalen Aktionsplan zum Schutz gefährdeter Mädchen entwickelt, wie ihn andere europäische Länder bereits erarbeitet haben.
  10. weibliche Genitalverstümmelung ein eigener Straftatbestand wird und bei in Deutschland lebenden Mädchen auch dann strafverfolgt werden kann, wenn sie im Ausland stattfindet.

10 Portraits von AktivistInnen

Zum 10-jährigen Bestehen des internationalen Tags „Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung“ möchten wir Ihnen neben unseren wichtigsten Forderungen zehn Beispiele vorstellen, die ermutigen und zeigen, dass sich der Kampf für ein Ende weiblicher Genitalverstümmelung trotz aller Schwierigkeiten lohnt:

Rakieta Poyga, Gründerin von Bangr Nooma in Burkina Faso. © Foto: Almut SülzleRakieta Poyga, Gründerin von Bangr Nooma in Burkina Faso.
© Foto: Almut Sülzle
Rakieta Poyga gründete 1998 in Burkina Faso die Organisation Bangr Nooma, was soviel bedeutet wie „es gibt nichts Besseres als Wissen“. In dem westafrikanischen Land sind über 70% der Mädchen und Frauen beschnitten. Die Bangr Nooma-MitarbeiterInnen gehen in die Dörfer und klären über Genitalverstümmelung auf. Dabei beziehen sie alle in die Arbeit mit ein: Dorfchefs, Älteste, religiöse Würdenträger, Männer, Frauen, Mädchen und Jungen. Eine Aufklärungskampagne dauert in der Regel drei Jahre. Dann entscheiden Dorfgemeinschaften meist, Genitalverstümmelung zu beenden. Die ehemaligen Beschneiderinnen werden umgeschult und mit Kleinkrediten unterstützt. Ein Dorfkomitee wacht darüber, dass Mädchen nicht doch heimlich beschnitten werden. So konnten seit Gründung von Bangr Nooma über 30.000 Mädchen vor Genitalverstümmelung bewahrt werden. Rakieta Poyga ist der Überzeugung: „Frauen müssen in jeder Hinsicht und besonders gegen traditionelle schädliche Praktiken gestärkt werden, damit sie mehr Selbstbewusstsein erlangen und eigenständig entscheiden können. Nur so werden wir auch die weibliche Genitalverstümmelung eines Tages besiegen. Dafür machen wir uns stark.“

 

 

 
 

Germaine Lamoussa mit ihrer Tochter. © Foto: Bangr NoomaGermaine Lamoussa mit ihrer Tochter.
© Foto: Bangr Nooma
Germaine Lamoussa wurde wie alle Mädchen in ihrem Dorf als Kind beschnitten. Doch mit der Genitalverstümmelung fingen ihre Leiden erst an. Bei ihr bildeten sich an der Narbe Wucherungen, sie hatte Schmerzen beim Sitzen, beim Wasserlassen und bei der Menstruation. Niemand konnte ihr helfen, bis sie Kontakt zu Bangr Nooma bekam. Mit Unterstützung von TERRE DES FEMMES ermöglicht Bangr Nooma Operationen für Frauen, die unter den gesundheitlichen Folgen weiblicher Genitalverstümmelung leiden. Dazu arbeitet Bangr Nooma mit Ärzten in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, zusammen. Germaine kann es manchmal noch gar nicht fassen: seit Kurzem ist sie Mutter einer kleinen Tochter. Ihr will sie die Qualen der Genitalverstümmelung und die lebenslangen Folgen ersparen.

 

 

 

 

 

Youssouf Ouedraogo, Animateur bei Bangr Nooma. © Foto: Bangr NoomaYoussouf Ouedraogo, Animateur bei Bangr Nooma.
© Foto: Bangr Nooma
Youssouf Ouedraogo, Animateur bei Bangr Nooma. Youssouf Ouedraogo arbeitet bereits seit sechs Jahren als Animateur bei Bangr Nooma und ist aufgrund seiner Erfahrung einer der wichtigsten Animateure der Organisation. Die Animateure und Animatricen werden von Bangr Nooma für die Kampagnenarbeit in den Dörfern ausgebildet. Youssouf Ouedraogo spricht Mooré – eine wichtige Voraussetzung um das Vertrauen der Mooré-sprechenden Bevölkerung im Projektgebiet von Bangr Nooma zu gewinnen. Als Mann hat er guten Zugang zu den Entscheidungsträgern wie Dorfchefs, traditionellen Heilern und religiösen Würdenträgern. Erst wenn diese davon überzeugt sind, dass Genitalverstümmelung schädlich ist, kann eine ganze Dorfgemeinschaft die Praxis ablegen. Youssouf Ouedraogo engagiert sich für ein Ende weiblicher Genitalverstümmelung, weil er als Ehemann die lebenslangen Folgen dieser Gewalt an seiner Frau miterlebt. Er wünscht sich für seine Kinder, dass sie unversehrt aufwachsen können ohne ausgegrenzt zu werden.

 

 

 

 

Rugiatu Turay, Gründerin von Amazonian Initiative Movement (AIM) in Sierra Leone. © Foto: Dörte RompelRugiatu Turay, Gründerin von Amazonian Initiative Movement (AIM) in Sierra Leone.
© Foto: Dörte Rompel
2003 gründete Rugiatu Turay mit Gleichgesinnten in ihrem Heimatland Sierra Leone den Verein Amazonian Initiative Movement (AIM) mit Sitz in Lunsar. Da in dem westafrikanischen Land 90% der Mädchen und Frauen beschnitten sind und AktivistInnen oft von BefürworterInnen der Genitalverstümmelung angegriffen werden, erfordert der Kampf viel Mut. Die AIM-MitarbeiterInnen gehen in Dörfer und klären über die gesundheitlichen Folgen weiblicher Genitalverstümmelung auf. Durch AIM erfahren Mädchen und junge Frauen, dass sie ein Recht darauf haben, unversehrt aufzuwachsen. Dennoch halten immer noch viele Familien an der Beschneidung fest. Den Mädchen bleibt dann oft nichts anderes übrig als vor der drohenden Genitalverstümmelung zu fliehen. Mit Unterstützung von TERRE DES FEMMES konnte AIM 2010 ein Schutzhaus für diese Mädchen bauen. Dort werden sie von einer Sozialarbeiterin betreut und können eine Schule besuchen oder eine Ausbildung machen. Gleichzeitig finden Gespräche mit den Familien der Mädchen statt.
2010 bekam Rugiatu Turay für ihr Engagement den Alice-Salomon-Award in Berlin verliehen. Ihr Motto: „Menschen bilden heißt sie stärken. Nur über ihre Denkweise können wir das Handeln der Menschen verändern.“

 

 

 

Magaret Harding, AIM-Mitarbeiterin. © Foto: Dörte RompelMagaret Harding, AIM-Mitarbeiterin.
© Foto: Dörte Rompel
Magaret Harding arbeitet bereits seit 2004 für AIM. Die mehrfache Mutter und Großmutter hat dafür gekämpft, dass keine ihrer Töchter und Enkelinnen beschnitten ist. Das ist in Sierra Leone, wo 90% der Mädchen und Frauen genitalverstümmelt sind, immer noch die Ausnahme. Sie möchte, dass diese massive Gewalt Mädchen künftig erspart bleibt. Deshalb geht sie für AIM in die umliegenden Dörfer und spricht über die gesundheitlichen Folgen der Praxis und darüber, dass die Menschenrechte auch für Kinder gelten. „Unsere Menschenrechtsbildung mit Jugendlichen zeigt eine große Wirkung. Kinder sprechen frei und regen Diskussionen mit Gleichaltrigen und ihren Familien an. Es bedeutet viel, dass sie nicht länger Angst haben, über Genitalverstümmelung zu sprechen. Das Schweigen wurde gebrochen.“

 

 

 

 

 

Aminata Koroma, Mädchen im AIM-Schutzhaus. © Foto: Veronika KirschnerAminata Koroma, Mädchen im AIM-Schutzhaus.
© Foto: Veronika Kirschner
Nach dem Tod ihrer Eltern wuchs Aminata Koroma bei ihrer Großmutter auf. Diese wollte die 12-jährige Aminata wie 90% der Mädchen im westafrikanischen Sierra Leone genitalverstümmeln lassen und anschließend mit einem alten Mann verheiraten. Verzweifelt lief Aminata von zuhause weg und vertraute sich einem Lehrer an. Dieser sorgte dafür, dass Aminata zu AIM (Amazonian Initiative Movement) kam. Die Gründerin und Leiterin von AIM, Rugiatu Turay, nahm Aminata bei sich auf und sprach mit ihrer Großmutter. Als diese hörte, dass AIM Mädchen dabei unterstützt, eine Schule zu besuchen und eine Ausbildung zu machen, war sie damit einverstanden, dass ihre Enkelin beim AIM bleibt. Ihre größte Sorge war, dass Aminata in Armut leben muss, wenn sie keinen Mann findet, der sie versorgt. In Sierra Leone ist weibliche Genitalverstümmelung Voraussetzung dafür, dass Frauen gesellschaftlich anerkannt werden und heiraten können. Mit Unterstützung von TERRE DES FEMMES konnte AIM 2010 ein Schutzhaus für Mädchen wie Aminata bauen. Mittlerweile leben dort zwölf Mädchen, die vor der drohenden Genitalverstümmelung aus ihren Familien geflohen sind. Aminatas größter Wunsch ist es, Politikerin zu werden. Sie möchte sich dafür einsetzen, dass es in ihrem Land endlich landesweite Aufklärungskampagnen gibt und immer mehr Mädchen die Qualen weiblicher Genitalverstümmelung erspart bleiben.

 

 

 

Zion Melak, Foto: privatZion Melak,
Foto: privat
Zion Melak wurde in Keren, Eritrea im Osten Afrikas geboren. Sie lebt seit 1980 in Deutschland und ist Mutter zweier Kinder und vierfache Großmutter. Sie arbeitet als Mediengestalterin und Sozialtrainerin. Zion Melak stammt aus einer Kultur, in der die Tradition insbesondere das Leben der Frauen bestimmt. Sie setzt sich seit langem mit den vielfältigsten Aspekten patriarchalischer Strukturen auseinander. Seit 2011 hält sie Vorträge zum Thema der weiblichen Genitalverstümmelung, beispielsweise im Rahmen des Frauenkongresses „Erwachen einer neuen Weiblichkeit“ am 2. Oktober 2011 in Kassel oder am 5. Februar 2012 anlässlich des Internationalen Tages „Null Toleranz gegenüber FGM“ in Düsseldorf sowie auf einer pädagogischen Fachtagung im Bildungsministerium Nordrhein-Westfalen. Ihr Hauptanliegen ist es, betroffene Frauen zu ermutigen, sich für den Prozess ihrer Geschichte zu öffnen und ihre Stimmen zu erheben. Darüber hinaus möchte Zion Melak anregen, dass alle ihre Sichtweisen in Bezug auf das Thema der weiblichen Genitalverstümmelung erweitern, um tiefgreifende Erfolge zur Beendigung dieser uralten Praxis erzielen zu können. Seit Jahren besteht ein Erfahrungsaustausch zwischen Zion Melak und TERRE DES FEMMES.

 

 

 

Sister Fa, Sängerin und Aktivistin. © Foto: Gibril KoromaSister Fa - Rapperin aus dem Senegal, setzt sich mit ihrer Musik für den Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung ein. Sie möchte mit ihrer Musik ein Bewusstsein für politische und soziale Themen in ihrem Heimatland schaffen. Dabei legt sie den Fokus insbesondere auf die Situation der Mädchen und Frauen. 2010 tourte sie mit ihrer Band drei Wochen durch den Senegal. Motto der Tour war „Education Sans Excision“. Sie möchte so die Bevölkerung für das Thema weibliche Genitalverstümmelung sensibilisieren - erfolgreich! In Zusammenarbeit mit der Organisation Tostan hat ihr Heimatdorf weibliche Genitalverstümmelung offiziell verboten. Für ihren unermüdlichen Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung wurde sie im November 2010 mit dem internationalen afrikanischen „Freedom to Create Prize“ ausgezeichnet.

 

 

 

 

 

Dr. Christoph Zerm, Gynäkologe. Foto: privatDr. Christoph Zerm, Gynäkologe.
Foto: privat
Dr. Christoph Zerm ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Nordrhein-Westfalen und berät und behandelt seit vielen Jahren betroffene Frauen. Nach Berechnungen von TERRE DES FEMMES leben über 20.000 bereits betroffene Frauen und etwa 6.000 gefährdete Mädchen in Deutschland. Bei zahlreichen Arbeitsaufenthalten in Eritrea seit dem Jahr 2000 unterstützt Dr. Zerm den Aufbau des dortigen Gesundheitswesens und insbesondere Maßnahmen für ein Ende weiblicher Genitalverstümmelung. In Deutschland erstellt er medizinische Gutachten für die Anerkennung in Asylverfahren und hat für Gesundheitspersonal Empfehlungen zum Umgang mit Betroffenen und zur Prävention verfasst. Mit seiner Fachkompetenz setzt er sich zusammen mit TERRE DES FEMMES dafür ein, dass weibliche Genitalverstümmelung in den medizinischen Diagnoseschlüssel in Deutschland aufgenommen wird und die Krankenkassen die Behandlungskosten für betroffene Frauen übernehmen. „Das Phänomen FGM ist letztlich nur überwindbar, wenn es als Teil einer seit Jahrtausenden bestehenden patriarchalischen Tendenz der Frauenunterdrückung und damit als gesellschaftliches Problem verstanden wird“, so Christoph Zerm.

 

Zum 6. Februar haben wir nach einem/r zehnten AktivistIn gesucht. Aufgrund der vielen überzeugenden Vorschläge ist uns die Auswahl nicht leicht gefallen. Die meisten eingereichten Rückmeldungen haben die folgende AktivistIn vorgeschlagen, die wir Ihnen gerne vorstellen möchten:

 

Regina Fährmann, Foto: privatRegina Fährmann,
Foto: privat
2002 kam Regina Fährmann im Rahmen eines Kulturaustauschs nach Westafrika und stellte dort durch Schattentheater inszenierten Märchen vor. Das Medium kam dort so gut an, dass sie in Burkina Faso gebeten wurde, zusammen mit Leuten vor Ort Schattentheaterstücke zur Aufklärung über HIV/Aids zu entwickeln. Nach dem großen Erfolg dieser Stücke wurde sie 2006 gebeten, auch Schattentheater zum Thema Genitalverstümmelung zu machen. Seitdem verbringt sie mehrere Monate des Jahres in Burkina Faso und betreut dort mehrere Schattentheatergruppen. Die Figuren macht sie selbst aus Pappe, Autoreifen und Stoff, die Bühne ist eine einfache Leinwand, hinter der eine Lichtquelle ist. Die Aufführungen erzählen Lebensgeschichten von Mädchen, die als Kind genitalverstümmelt wurden und lebenslang unter den Folgen leiden. Die Aufführungen erreichen die ZuschauerInnen sehr direkt, weil die Stücke weibliche Genitalverstümmelung sehr lebensnah thematisieren, die Schattentheatergruppen in die Dörfer gehen und die Stücke in der Muttersprache der ZuschauerInnen sind. Die Stücke sind in vielen Dörfern meist der erste Anlass für die Menschen über das Tabu-Thema weibliche Genitalverstümmelung zu sprechen – die erste Voraussetzung um etwas zu verändern.

Hier (PDF-Download) finden Sie eine Reihe von Möglichkeiten, sich zu engagieren. Tragen Sie dazu bei, dass Familien in Zukunft nicht mehr die Verstümmelung, sondern stolz die Unversehrtheit ihrer Töchter feiern!

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