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Thailand

Vorkommen

Thailand ist ein überwiegend buddhistisches Land und weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM) wird nur von dort lebenden Muslimen (5-8% des Bevölkerung) praktiziert. Die Malay-Muslime leben in den südthailändischen Staaten Yala, Narathiwat und Pattani. Berichten zufolge sind fast alle muslimischen Mädchen beschnitten. Die Genitalverstümmelung wird im Krankenhaus durchgeführt und als sunat bezeichnet. Das Alter der Mädchen bei der Beschneidung variiert stark. Zumeist wird FGM jedoch wenige Tage bis 2 Jahre nach der Geburt praktiziert.

Durch die regionale und kulturelle Nähe zu Indonesien und Malaysia findet man in den Grenzregionen viele Ähnlichkeiten zur dort praktizierten weiblichen Genitalverstümmelung. Das heißt, dass die Klitorisvorhaut entfernt und die Klitoris eingeschnitten oder eingestochen wird.

Formen

Zum größten Teil wird in Thailand Typ IV gemäß WHO-Klassifikation von weiblicher Genitalverstümmelung praktiziert. Darunter fallen alle anderen schädlichen Praktiken am weiblichen Genital, wie z. B. Stechen, Verbrennen oder Ätzen. Es wird berichtet, dass z. B. die Geburtshelferin zum Abschied von Mutter und Kind am dritten Tag nach der Geburt eine alte, ringförmige Münze auf des Mädchens Vulva auflegt und durch das Loch in der Mitte die Klitoris piekst, um genau einen Blutstropfen zu lösen.

Im thailändischen Staat Chon Buri wird ebenfalls Typ IV der weiblichen Genitalverstümmelung praktiziert. Dort wird das Genital der Frauen durch Rauch „gereinigt“ oder die Vagina mit anderen Substanzen ausgespült. Durch dieses Ritual soll die Frau anspruchslos, folgsam und aufopferungsvoll gemacht werden.

Begründungsmuster

In Thailand gibt es unterschiedliche Gründe, warum weibliche Genitalverstümmelung praktiziert wird. Zum einen aus Gründen der Ästhetik (es wird befürchtet, dass die Klitoris übermäßig wachsen könne), zum anderen als Aufnahmeritus ins Erwachsenenalter bzw. in den Islam. In Zentralthailand stellt FGM für die Mädchen im Alter von 11 Jahren die Aufnahme in die Gesellschaft dar. Zudem besteht der Glaube, dass unbeschnittene Mädchen eigensinnig und störrisch sind.

Über die Auslegung des Koran bezüglich weiblicher Genitalverstümmelung sind sich die Muslime in Thailand uneinig. Viele Männer stellen die Praktik in Frage und bezeichnen sie als "unislamisch" und "unmodern".

Gesetzliche Lage

In Thailand gibt es keine Gesetze gegen weibliche Genitalverstümmelung. Jedoch müssen die Beschneiderinnen (Bidans) an Trainingseinheiten teilnehmen und eine Lizenz erwerben, um medizinische Eingriff durchführen zu dürfen. Nach Erhalt der Lizenz müssen immer wieder Auffrischungskurse besucht werden. Dies ist Teil des Vorhabens der Gesundheitsbehörde, welche die Genitalverstümmelung und die ihr verwandten Praktiken an Mädchen abschaffen möchte.

 

Quellen

 

Stand: 10/2016

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