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Togo

© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2016. Country Profile: Togo.© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2016. Country Profile: Togo.Vorkommen

Togo ist das Land mit der fünft niedrigsten FGM-Rate in Afrika. 0,3% der Mädchen (0-14 Jahre) und 5% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) sind beschnitten. Weibliche Genitalverstümmelung (FGM - Female Genital Mutilation) wird in Togo vor allem von einzelnen Ethnien praktiziert. Die höchste Prävalenzrate einer Ethnie liegt bei 58%, die niedrigste bei 0. Unter MuslimInnen ist sie 22% und allen anderen Religionen 1-2%.

In Togo ist der Glaube verbreitet, dass ein Mädchen bei ihrer Genitalverstümmelung Jungfrau sein muss, da nicht-jungfräuliches Blut bei dem Ritual die Beschneiderin erblinden lassen könne. Die weibliche Lust und ihren Sexualtrieb hingegen werden durch den Charakter der Frauen bestimmt, weniger durch das Wegschneiden der Klitoris, so sagt man auch in Togo.

Der Eingriff soll die Stärke, Willenskraft und Disziplin der jungen Frauen und Mädchen unter Beweis stellen und wird darum traditionell ohne betäubende Substanzen durchgeführt. Ranghohe und angesehene Frauen überwachen die Zeremonie und die Arbeit der Beschneiderin. Nach einer ein- bis zweiwöchigen Genesungszeit wird das nun als erwachsen geltende Mädchen mit einem Fest und Geschenken zurück in der Dorfgemeinschaft empfangen. Sofern das Mädchen noch keinem Mann versprochen ist, bezahlen die Eltern für diese Zeremonie, ansonsten obliegt es dem Verlobten und seiner Familie. Die Kosten belaufen sich auf ca. 20 Euro und falls das Mädchen nicht mehr jungfräulich ist, wird ein höherer Preis festgesetzt. Durch diese Ausgaben und die Verstümmelung der jungen Frauen kann bei der Verheiratung ein höherer Brautpreis ausgehandelt werden.

Zahlen

Betroffene: 0,3% der Mädchen (0-14 Jahre) und 5% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Befürworterinnen: 1% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)

Beschneidungsalter: 11% der Beschneidungen fanden bis zum 4. Lebensjahr der Mädchen statt, 57% zwischen dem 5. und 9 und nochmals 20% zwischen 10. und 14.

96% der Eingriffe werden von traditionellen Beschneiderinnen vorgenommen

Formen

In Togo wird mit 63% Typ II (Exzision) von FGM am häufigsten praktiziert. Hierbei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und der inneren Schamlippen mit oder ohne Beschneidung der äußeren Lippen teilweise oder vollständig entfernt. Bei 12% der beschnittenen Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) wurde Typ I (Klitoridektomie) vollzogen. Dabei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und/ oder die Klitorisvorhaut teilweise oder vollständig entfernt. 15% der Beschneidungen sind eine Infibulation (Typ III). Das heißt, das gesamte äußerlich sichtbare Genital wird herausgeschnitten und die offene Wunde bis auf ein kleines Loch zugenäht.

Begründungsmuster

In Togo ist die weibliche Genitalverstümmelung in den meisten Fällen eng an den Beginn der Pubertät und die Rolle einer Frau als Ehefrau und Mutter geknüpft. Dies ist ein deutlicher Indikator dafür, dass durch das Wegschneiden der sichtbaren Genitalien ihre sexuelle Treue, ggf. die Jungfräulichkeit und mitunter auch Fertilität bewahrt oder gesichert werden sollen.

Konkrete Angaben zu den Begründungsmustern liegen uns leider derzeit nicht vor.

Gesetzliche Lage

Weibliche Genitalverstümmelung wurde von der Nationalversammlung am 30.10.1998 gesetzlich verboten. Die Einführung des Gesetzes wurde von Aufklärungskampagnen begleitet, mit Hilfe der WHO und UN implementiert und fand auch in den Landesmedien große Aufmerksamkeit. FGM ist mit einem Strafmaß von zwei Monaten bis zehn Jahren Gefängnis (im Todesfall) und einer Geldstrafe zwischen 100.000 und einer Million CFA (ca. 120-1200 Euro) versehen. Mitwisser einer Beschneidungszeremonie können bei Überführung mit bis zu einem Jahr Gefängnis und einer halben Million CFS Bußgeld rechnen. Bisher kam es zur Verhaftung einer Beschneiderin. Über den Ausgang des Verfahrens ist uns jedoch nichts bekannt.

Juristisch ist das Gesetz gegen weibliche Genitalverstümmelung auch durch die Artikel 13 und 21 der Verfassung Togos gestützt, die besagen, dass körperliche Integrität vom Staat geschützt werden muss und kein Mensch Folter oder anderen grausamen, unmenschlichen Praktiken ausgeliefert werden darf.

Haltung und Tendenzen

Seit 2010 ist die Prozentzahl der Befürworterinnen von FGM von 2% auf 1% (Stand 2014) gesunken. In Togo liegt die Quote der Befürworterinnen seit einigen Jahren stabil bei 2% der Frauen. 95% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) und 96% der Jungen und Männer (15-49 Jahre) sind der Meinung, dass FGM stoppen sollte. Die Anzahl der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre), bei denen FGM praktiziert wurde ist von 2006 bis 2014 von 6% auf 5% gesunken.

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Stand 09/2016

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