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Niger

UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2014. Country Profile: Niger.UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2014. Country Profile: Niger.Vorkommen

In ganz Niger ist die FGM-Rate unter 10%. Damit steht Niger an dritter Stelle der Länder in Afrika, in welchen FGM kaum verbreitet ist. Hauptsächlich wird FGM (Female Genital Mutilation) an den Grenzgebieten zu Burkina Faso, Mali, Tschad und Nigeria praktiziert. 1986 wurde durch eine medizinische Dissertation erstmals bekannt, dass FGM im Niger praktiziert wird. Im Jahr 2002 ergab eine Studie, dass 2% der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren von FGM betroffen sind. In einigen Regionen und Ethnien sind es jedoch erheblich mehr.

Zahlen

Betroffene: 2% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Befürworterinnen: 6% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Beschneidungsalter: 76% der Genitalverstümmelungen fanden bis zum 4. Lebensjahr statt, 7% zwischen dem 5. und 9., 8% zwischen dem 10. und 14. sowie 1% nach dem 15. Geburtstag
100% der Genitalverstümmelungen werden von traditionellen Beschneiderinnen vorgenommen

Formen

Im Niger wird mit 78% Typ II (Exzision) von FGM am häufigsten praktiziert. Hierbei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und der inneren Schamlippen mit oder ohne Beschneidung der äußeren Lippen teilweise oder vollständig entfernt. Bei 7% der beschnittenen Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) wurde Typ I (Klitoridektomie) vollzogen. Dabei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und/ oder die Klitorisvorhaut teilweise oder vollständig entfernt. 6% der Genitalverstümmelungen sind eine Infibulation (Typ III). Das heißt, das gesamte äußerlich sichtbare Genital wird herausgeschnitten und die offene Wunde bis auf ein kleines Loch zugenäht.

Bei einigen Ethnien im Südosten des Landes wird „Dangouria“, was „Baumwollsamen“ bedeutet, praktiziert. Hier wird das Jungfernhäutchen des neugeborenen Mädchens innerhalb der ersten zehn Tage entfernt. Eine traditionelle Beschneiderin nimmt Gewebe aus der Vulva und schneidet es mit einer Rasierklinge ab. Bei diesen Mädchen wird auch kurz vor der Hochzeit, die üblicherweise so früh stattfindet, dass ihr Körper noch nicht geschlechtsreif ist, die vaginale Öffnung durch einen Schnitt für den Geschlechtsverkehr vergrößert. Niger ist eines der Länder mit der höchsten Verbreitung von Frühehe. 28% der Mädchen sind vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet, 76% vor ihrem 18.

Begründungsmuster

Gründe für weibliche Genitalverstümmelung sind auch im Niger soziale Akzeptanz, Hygiene und spirituelle Reinheit, bessere Heiratschancen und der Erhalt der Jungfräulichkeit. Jedoch gaben über 70% der Befragten an, in FGM keine Vorteile zu sehen. Zudem glauben 5% der Mädchen und Frauen sowie 3% der Jungen und Männer 15-49 Jahre), ihre Religion schreibe ihnen diese Praktik vor.

Gesetzliche Lage

Weibliche Genitalverstümmelung ist im Niger seit 2003 verboten und kann mit sechs Monaten bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet werden. Wenn das Mädchen bei dem Eingriff stirbt können auch Strafen von 10 bis 20 Jahren verhängt werden. Das Gesetz wurde in alle lokalen Sprachen übersetzt und es gab Schulungen für RichterInnen und PolizistInnen, um die Einhaltung zu fördern. Zudem wurden auch Kampagnen in den Medien geschaltet und öffentliche Debatten geführt. Sowohl religiöse Führer als auch SozialarbeiterInnen und andere MultiplikatorInnen wurden in die Abschaffung dieser Praktik eingebunden.

Haltung und Tendenzen

Während 1998 die Prävalenzrate von FGM bei 5% sowie die Befürwortungsquote bei 32% lag, sanken diese bis 2012 auf 2% bzw. 6%. 82% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) und 91% der Jungen und Männer (15-49 Jahre) sind im Niger der Meinung, dass FGM stoppen soll.

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Stand 09/2016

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