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Somalia

© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Somalia.© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Somalia.Vorkommen

Somalia weist weltweit die höchste Rate von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM - Female Genital Mutilation) auf. 98% der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren sind genitalverstümmelt. Der Unterschied zwischen urbanen und ländlichen Gebieten sowie zwischen arm und reich hat in Somalia keine Auswirkungen auf die Verstümmelungsrate.

FGM markiert in Somalia den Übergang von der Kindheit zum Frausein und wird in der Regel von traditionellen Beschneiderinnen bzw. Guddaays ausgeführt. Seit der Unabhängigkeit Somalias wird weibliche Genitalverstümmelung zunehmend medikalisiert und entsprechend häufiger von medizinischem Personal ausgeführt.

Zahlen

Betroffene: 98% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Befürworterinnen: 65% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Beschneidungsalter: 6% von FGM wird vor dem 4. Lebensjahr der Mädchen vollzogen, 82% zwischen dem 5. und 9. und nochmals 11% zwischen dem 10. und 14.

Sowohl medizinisches Personal als auch traditionelle Beschneiderinnen praktizieren FGM

Formen

In Somalia wird mit 63% Typ III (Infibulation) von FGM am häufigsten praktiziert. Das heißt, das gesamte äußerlich sichtbare Genital wird herausgeschnitten und die offene Wunde bis auf ein kleines Loch vollständig zugenäht. Bei 25% der beschnittenen Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) wurde Typ II (Exzision) vollzogen. Hierbei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und der inneren Schamlippen mit oder ohne Beschneidung der äußeren Lippen teilweise oder vollständig entfernt. 5% der Genitalverstümmelungen sind eine Klitoridektomie (Typ I). Dabei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und/ oder die Klitorisvorhaut teilweise oder vollständig entfernt.

Begründungsmuster

Eins der populärsten Argumente für FGM ist religiös begründet. Trotz wiederholter Erklärungen der religiösen Führer des Landes, dass der Islam seine Töchter keineswegs zu FGM verpflichte – vielmehr stehe die weibliche Genitalverstümmelung sogar im Widerspruch zum Islam – setzen die Menschen die Praktik FGM im Namen des Islam fort. Auch Angehörige anderer Glaubensrichtungen sehen in den jeweiligen Religionen die Verpflichtung zur weiblichen Genitalverstümmelung.

Es wird geglaubt, durch die Infibulation (Typ III) schütze man die Mädchen vor erwünschtem und unerwünschtem Geschlechtsverkehr und könne ihre Reinheit und Jungfräulichkeit aufrechterhalten und damit ihre Position in dem Heiratsmarkt verbessern. Diese sozialen Normen greifen so tief, dass sich die Mütter mitunter sogar wenn sie über die Folgen von FGM aufgeklärt sind, für die Genitalverstümmelung ihrer Töchter entscheiden, um die soziale Integration und die wirtschaftliche Sicherheit ihrer Töchter (durch Heirat) nicht zu gefährden.

FGM ist außerdem durch die Vorstellung von Schönheit und Ästhetik motiviert. Die beschnittene Vulva entspricht dem in der Gesellschaft bestehenden Schönheitsideal einer glatten, geschlossenen, unauffälligen Scham.

Gesetzliche Lage

Die Regierung von Said Barre (Militärdiktator und Präsident der demokratischen Republik Somalia 1969 – 1991) hat die Maßnahmen gegen FGM im Jahr 1972 gestartet.

Zur Eliminierung der weiblichen Genitalverstümmelung sind im Jahr 1977 die Demokratische Frauenorganisation (Women's Democratic Organization (SWDO)) und die staatliche Frauenorganisation gegründet worden. Darauf folgten eine ganzen Reihe an Initiativen, unter anderem von der somalischen Akademie der Künste und Wissenschaft sowie dem Institut der Frauenbildung. Im Jahr 1987 haben SWDO und die italienische Organisation AIDOS ein Anti-FGM Projekt gestartet, das zur Eliminierung der Praktik der Infibulation entwickelt worden war. Das Projekt ist nach dem Sturz von Barres Regierung jedoch kollabiert.

Somalia hat nie die internationale Konvention zur Abschaffung der Diskriminierung von Frauen (CEDAW) unterschrieben. Die Kinderrechtskonvention wurde im Jahr 2002 unterzeichnet und 2013 ratifiziert.

Im November 2011 hat die Regierung von Puntland (Nordosten Somalias) ein Gesetz gegen FGM verabschiedet.

Haltung und Tendenzen

Die jüngste Studie von UNICEF hat unter Mitwirkung von somalischen NGOs ergeben, dass in den nördlichen Teilen Somalias – Puntland und Somaliland – die Verbreitung von FGM abgenommen hat. Die Ursache dafür wird darin vermutet, dass diese zwei Regionen zwanzig Jahre lang eine relative Stabilität genossen haben, da sie sich im Verlauf des somalischen Bürgerkrieges einseitig von dem Staat Somalia abgespalten haben. Die anderen Regionen des Landes befinden sich hingegen seit 1991 im Bürgerkrieg, weshalb dort keine Kampagnen gegen FGM möglich waren.

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Stand 09/2016

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