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Äthiopien

© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Äthiopien.© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Äthiopien.Vorkommen

Äthiopien ist ein multiethnischer und multireligiöser Staat, in dem über 80 ethnische Gruppen und zahlreiche Religionsgemeinschaften leben. Weibliche Genitalverstümmelung (FGM - Female Genital Mutilation) ist im ganzen Land verbreitet und betrifft mit wenigen Ausnahmen alle ethnischen Gruppen. Insgesamt sind 74% aller Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) von Genitalverstümmelung betroffen. Besonders im Osten des Landes wird FGM praktiziert; hier liegt die Rate bei über 80%.

Alle Glaubensgemeinschaften praktizieren FGM. Bei MuslimInnen liegt die Rate bei 98%, bei den Römisch-Katholischen bei 77%, anderen christlichen Religionen bei 71%, Orthodoxen Christen bei 68% und traditionellen Religionen bei 49%.

Die höchste Beschneidungsrate einer Ethnie liegt bei 100%, die niedrigste bei 0.

Zahlen

Betroffene: 24% der Mädchen (0-14 Jahre) und 74% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) 
Befürworterinnen: 31% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Beschneidungsalter: 64% von FGM wurde vor dem 4. Lebensjahr des Mädchen durchgeführt, 22% zwischen dem 5. und 9., 10% zwischen dem 10. und 14. und nochmals 3% nach dem 15.

98% der Bescheidungen werden von einer traditionellen Beschneiderin durchgeführt

Formen

In Äthiopien sind 4% der Genitalverstümmelungen eine Infibulation (Typ III). Das heißt, das gesamte äußerlich sichtbare Genital wird herausgeschnitten und die offene Wunde bis auf ein kleines Loch vollständig zugenäht. 96% der praktizierten Formen von FGM sind nach der WHO-Klassifikation nicht einzuordnen.

Begründungsmuster

In Äthiopien sowie in allen FGM praktizierenden Ländern wird weibliche Genitalverstümmelung auf Grund jahrhundertealter Mythen und des Aberglaubens praktiziert. Es wird davon ausgegangen, dass das Aufrechterhalten des moralischen Verhaltens von Frauen, die Enthaltsamkeit, physische Reinheit und Gesundheit durch FGM bzw. durch die Kontrolle ihrer Sexualität erst ermöglicht wird. Es gelten weitere Gründe, wie die Achtung der Tradition und religiöse Vorschriften sowie nicht zuletzt ästhetische Gesichtspunkte, da die beschnittene Vulva dem dort vorherrschenden Schönheitsideal entspricht.

Gesetzliche Lage

Am 10. September 1981 ratifizierte Äthiopien CEDAW (Konvention zur Beseitigung jeder Diskriminierung der Frau) und im Jahr 1991 CRC (Kinderschutzkonvention). Seit 2004 steht die Durchführung von FGM unter Strafe. Im Jahr 2005 beschloss das äthiopische Parlament das revidierte Strafgesetzbuch. Daraus geht hervor, dass das Strafmaß für FGM zwischen drei Monaten und drei Jahren Inhaftierung beträgt und/oder ein Bußgeld in Höhe von 500 bis 10000 Birr (ca. 20 bis 40 €) beinhaltet. Die Infibulation (Typ III) wird in Artikel 569 des Strafgesetzbuchs extra behandelt. Er besagt, dass diese Form von FGM mit drei bis fünf Jahren Gefängnisstrafe geahndet wird.

Haltung und Tendenzen

Die Befürwortung von FGM ist unter Frauen zwischen 15 und 49 Jahren eindeutig zurückgegangen. Im Jahr 2000 unterstützten noch 66% das Weiterbestehen von FGM, 2005 sank die Zahl der Befürworterinnen auf 31%.

Trotz des großen Rückgangs an UnterstützerInnen in den letzten Jahren ist die Zahl der Betroffenen in Äthiopien von 2000 bis 2005 nur wenig gesunken, nämlich von 80 % auf 74 %. Insgesamt sind jedoch 63% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) der Meinung, FGM muss aufhören.

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Einzelfälle 

 

Stand 09/2016

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