Russland: Weibliche Genitalverstümmelung gegen „sexuelle Unmoral”

Die Verbreitung von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) in Afrika ist weltweit bekannt. Doch nun ist diesbezüglich auch Russland erstmalig in den Blick der Öffentlichkeit geraten. Denn dort wird ebenfalls FGM praktiziert.

In der mehrheitlich von Muslimen bewohnten Nordkaukasus-Republik Dagestan in Russland ist weibliche Genitalverstümmelung nicht unüblich. Laut der Menschenrechtsorganisation Russian Justice Initative sind zehntausende dort lebende Mädchen und Frauen beschnitten. Im Normalfall findet der Eingriff im Alter von bis zu drei Jahren statt, gelegentlich jedoch auch bei älteren Mädchen.

Die Stellungnahme des muslimischen Geistlichen Ismail Berdijew im Radiosender Goworit Moskwa zur weiblichen Genitalverstümmelung in Russland sorgte kürzlich für große Empörung. Berdijew verteidigt nicht nur die Beschneidung von Frauen in Bergdörfern der Republik Dagestan im Nordkaukasus, sondern empfahl darüber hinaus diese Praktik an allen russischen Frauen vorzunehmen.

Ismail Berdijew verharmlost die weibliche Genitalverstümmelung. Die Beschneidung diene gegen „sexuelle Unmoral” und Verderbtheit, so der Mufti. Sie schade keineswegs der Gesundheit der Frauen, sondern würde lediglich die weibliche Lust etwas zügeln. Unterstützung seiner Aussagen erhielt Ismail Berdijew vom Erzpriester der Russisch-Orthodoxen Kirche Wsewolod Anatoljewitsch Tschaplin.

Die weibliche Genitalverstümmelung ist nicht nur eine Verletzung der Menschrechte der Frau und eine Form des Kindesmissbrauchs, sondern hat für ihre Opfer oft schwerwiegende Folgen. Der Eingriff kann unter anderem zu starken Schmerzen, Blutungen, Infektionen (z.B. Tetanus, HIV) sowie schlechter Wundheilung oder dem Tod führen. Zudem sind Betroffene langzeitlichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Dazu zählen chronische Infektionen und Schmerzen, Menstruationsprobleme, Probleme beim Urinieren und psychische Probleme, wie Traumata oder Depressionen.

Ismail Berdijew zog seine Äußerungen mittlerweile teilweise zurück und behauptet, er sei von der Öffentlichkeit missverstanden worden.

TERRE DES FEMMES verurteilt die frauenverachtende Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung streng.

Weiterführende Quellen:

http://www.taz.de/!5331640/
http://www.deutschlandradiokultur.de/genitalverstuemmelung-in-dagestan-unzucht-bekaempfen.2165.de.html?dram:article_id=363406

 

Stand: 09/2016

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