EU-Studie zeigt erschreckendes Ausmaß von Gewalt gegen Frauen

Eine neue Erhebung der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) zu häuslicher, körperlicher, sexueller sowie psychischer Gewalt offenbart ein erschreckendes Ausmaß der Gewalt gegen Frauen in Europa:

  • Jede dritte befragte Frau (33%) hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. Dies entspricht etwa 62 Millionen Frauen.
  • Jede zehnte Frau hat seit ihrem 15. Lebensjahr irgendeine Form der sexuellen Gewalt erfahren. Eine von 20 Frauen ist schon einmal vergewaltigt worden.
  • 22% gaben an schon einmal körperliche und/oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft erlebt zu haben. 43% berichteten von psychischer Gewalt durch eine/n (ehemaligen) BeziehungspartnerIn.
  • 33 % der Frauen haben in der Kindheit körperliche oder sexuelle Gewalt durch eine/n Erwachsenen erfahren.
  • Geschätzte 83 Millionen Frauen in der EU sind schon einmal sexuell belästigt worden und 18 % haben seit dem 15. Lebensjahr Stalking erlebt.
  • Nur etwa 13% der betroffenen Frauen meldeten schwerwiegende Gewaltvorfälle der Polizei.

In Deutschland liegen die meisten Ergebnisse sogar über dem EU-Durchschnitt.
Befragt wurden 42.000 Frauen in allen 28 Mitgliedsstaaten zwischen 18 und 47 Jahren. Die Zahlen sind erschreckend, jedoch für Deutschland nicht wirklich überraschend.

Bereits im Jahr 2004 hat das Familienministerium eine Studie zur „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ mit ähnlichen Ergebnissen veröffentlicht. Demnach waren damals 40% der Frauen in Deutschland mindestens einmal im Leben von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen. Laut der neuen EU-Studie sind es in Deutschland immer noch 35%.

Doch damals wie heute gilt für Frauen: Die meisten Gewalttaten finden innerhalb einer Beziehung statt: 22% der Frauen haben körperliche und/oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft erlebt.

Der EU-Bericht zeigt deutlich, dass die Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen nicht ausreichend sind. Deshalb fordert TERRE DES FEMMES u.a.:

  • Die Ratifizierung der Europaratskonvention zur „Verhütung und Bekämpfung von Gewalt and Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention)“
  • Die bundesweite Finanzierung von Beratungsstellen und Frauenhäusern
  • Die Reform des Gesetzes zu Vergewaltigung (§177 StGB)
  • Einen Rechtsanspruch auf Psychosoziale Prozessbegleitung für gewaltbetroffene Frauen
  • Die Verankerung von Präventionsunterricht gegen Gewalt an Schulen

 

 

Weitere Informationen:

 

Logo Transparenzinitiative