APDF, Mali – Gewaltschutzzentrum für Mädchen und Frauen

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Das Leitungsteam von APDF (2017): Bintou Diawara Coulibaly (rechts) und Aminata Koné Diakité Foto: © TERRE DES FEMMESDas Leitungsteam von APDF (2017): Bintou Diawara Coulibaly (rechts) und Aminata Koné Diakité
Foto: © TERRE DES FEMMES

Projektgebiete: Gewaltschutzzentrum in Bamako und Mopti sowie weitere Projektstandorte in ganz Mali

Wird von TDF unterstützt seit: 2009

Zielgruppe: gewaltbetroffene Mädchen und Frauen

Projektaktivitäten:

  • Gewaltschutz und Notunterkunft für Mädchen und Frauen
  • Medizinische, psychologische und juristische Betreuung betroffener Frauen
  • Aufklärungs- und Lobbyarbeit
  • Unterstützung beim Aufbau ökonomischer Selbstständigkeit durch Schulungen für einkommensschaffende Maßnahmen und die Bereitstellung der benötigten Materialien und Werkzeuge

Projektgründerin: Fatoumata Siré Diakité († Oktober 2016)

Kontakt: Ehrenamtliche Projektkoordinatorin Susanne Meister (mali@frauenrechte.de)
oder TERRE DES FEMMES-Referat Internationale Zusammenarbeit (iz@frauenrechte.de)

Projektflyer: Informationsflyer zu APDF (PDF-Datei)

Factsheet: Komprimierte Fakten zu Frauenrechten in Mali (PDF-Datei)

Hintergrund

Frauen warten vor dem Projektgebäude auf Beratung. Foto: © TERRE DES FEMMESFrauen warten vor dem Projektgebäude auf Beratung.
Foto: © TERRE DES FEMMES

Im Human Development Index ist Mali auf Platz 176 von 188 (Stand 2016), das Land zählt zu den ärmsten Ländern Afrikas: Circa die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Zudem gibt es einen Bevölkerungszuwachs von ca. 3% im Jahr, was die Wirtschaft vor große Probleme stellt. In den Jahren 2012-2014 durchlebte Mali schwere politische Unruhen: Meuternde Soldaten stürzten den Präsidenten, während gleichzeitig im Norden des Landes rebellierende Touareg und islamistische Extremisten die Einheit des Landes gefährdeten. Islamistische Terrorgruppen haben von 2012-2013 die Macht im Norden übernommen und die Bevölkerung gewaltsam unter die Herrschaft der Scharia gestellt. Seit Juli 2013 kämpft die UNO-Mission MINUSMA (Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali) dagegen an. Noch heute herrscht ein Klima der Unsicherheit und besonders die weibliche Bevölkerung leidet unter den nicht aufgeklärten Kriegsverbrechen.

In einem aktuellen Bericht von UN OCHA („Aperçu des besoins humanitaires 2017") wird festgehalten, dass angesichts der aktuellen Sicherheitslage in Mali, die geprägt ist von sporadischen bewaffneten Konflikten, Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen in der Gemeinschaft sowie von verstärkten Flucht- und Migrationsbewegungen aus diesen Gebieten, ein verstärktes Risiko von Sexueller Gewalt in den Regionen Kidal, Gao, Timbuktu, Mopti, Ségou, Ménaka und Taoudeni besteht. Schätzungsweise sind davon 142.242 Frauen, 162.987 Mädchen und 62.638 Jungen sowie 28.720 Männer betroffen. Die Anzahl der dokumentierten Fälle sexueller Gewalt nimmt stetig zu.

Das Gewaltschutzhaus in Bamako. Foto: © TERRE DES FEMMESDas Gewaltschutzhaus in Bamako. Foto: © TERRE DES FEMMES

Aber auch außerhalb der Krisenregionen haben Frauen in Mali einen besonders schwierigen Status. Eine malische Frau bekommt im Durchschnitt 6,4 Kinder. Früh- und Zwangsehen sind verbreitet, 55% der Mädchen heiraten vor ihrem 18. Lebensjahr. Ein weiteres Problem ist die weibliche Genitalverstümmelung (FGM): fast 89% der Mädchen und Frauen werden beschnitten, 90% von ihnen vor ihrem 5. Lebensjahr. In Mali gibt es, als eines der wenigsten Länder auf der Welt, kein nationales Gesetz mit einem Verbot zu weiblicher Genitalverstümmelung (FGM). Benachteiligung von Mädchen bei der Teilhabe an Bildung sind ein weiterer Faktor, der dazu führt, dass laut der Organisation ONE Mali auf Platz 3 der Einstufungsskala liegt, die auflistet, wo es Mädchen weltweit am schwersten haben (2016).

Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass Gewohnheitsrecht und traditionelle Praktiken in Mali nach wie vor hohe Anerkennung in der Gesellschaft genießt. Diese beruhen auf patriarchalen Herrschaftsstrukturen und führen mitunter zu Menschenrechtsverletzungen wie Zwangsheirat und Frühehen, oder weibliche  Genitalverstümmelung.

Deshalb ist es umso wichtiger und notwendiger, dass es Frauenrechtsorganisationen wie APDF gibt.

Projektaktivitäten von APDF

Eine Frau bedruckt einen Stoff während eines Kurses von APDF. Foto: © TERRE DES FEMMES	Eine Frau bedruckt einen Stoff während eines Kurses von APDF.
Foto: © TERRE DES FEMMES

Die "Association pour le Progrès et la Défense des Droits des Femmes" (APDF) ist die einzige Organisation in Mali, die im Bereich Gewaltschutz sowohl Notunterkunft als auch umfassende soziale, medizinische, psychologische und juristische Dienste unter einem Dach anbietet. Mit ihren ca. 30.000 Mitgliedern, die teilweise durch Regionalbüros in den acht Regionen Malis vertreten sind, ist sie Frauenrechtsorganisation und Frauenbewegung zugleich.

Die wesentlichen Ziele von APDF sind:

  • Die fundamentalen Reche von Mädchen und Frauen zu fördern, zu schützen und zu verteidigen.
  • Frauen über ihre Rechte zu informieren.
  • Gegen alle Formen geschlechtsspezifischer Gewalt einschließlich schädlicher Praktiken und Traditionen zu kämpfen.
  • Auf ein Ende der weiblichen Genitalverstümmelung hinzuarbeiten.
  • Alle Formen der Diskriminierung von Frauen zu bekämpfen.
  • Dafür zu kämpfen, dass Frauen in Entscheidungsgremien aller Bereiche eingeschlossen werden.
  • Die soziale Rolle und ökonomische Teilhabe der malischen Frau zu stärken.
  • Frauen durch Ausbildungen in ihrem Bestreben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit zu unterstützen.
  • Die korrekte Einhaltung der regionalen und nationalen Texte gegen Diskriminierung zu überwachen.

ENähkursteilnehmerinnen. Foto: © TERRE DES FEMMES Nähkursteilnehmerinnen. Foto: © TERRE DES FEMMESntsprechend dieser Zielsetzungen betreibt APDF Frauenschutzhäuser in Bamako und Mopti. Dort finden von Gewalt und Diskriminierung betroffene Mädchen und Frauen ganzheitliche Hilfs- und Unterstützungsangebote. Damit die Frauen sich ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen können, werden ihnen Schulungen zu einkommensschaffenden Aktivitäten angeboten, wie z.B. Stofffärben, Schneidern, Herstellung von Seifen und Verarbeitung von lokalen Agrarprodukten zu getrockneten Tomaten, getrockneten Kräutern oder Zwiebeln etc.). Nach den Kursen bekommen die Frauen die benötigten Materialien und Werkzeuge mit nach Hause und können sich so in ihren Dörfern mit Produktion und kleinen Verkaufsständen ein eigenes Einkommen erwirtschaften. Darüber hinaus geben sie ihre neu erlernten Fähigkeiten an andere Dorfbewohnerinnen weiter, wodurch sich der Erfolg der Schulungen vervielfacht.

Die MitarbeiterInnen von APDF sind beteiligt, wenn neue Gesetzestext beraten werden, sie sensibilisieren Sicherheitspersonal wie Polizei, Gendarmerie und Armee. Außerdem führen sie Aufklärungskampagnen, beispielsweise gegen FGM durch. APDF besitzt eine eigene Bibliothek, in der alle Veröffentlichungen zum Thema Frauenrechte dokumentiert werden und Stellungnahmen dazu abgegeben werden.

Fortschritte beim Bau de Frauenschutzhauses in Gao/Nordmali. Foto: © Michael DeutschmannFortschritte beim Bau de Frauenschutzhauses in Gao/Nordmali. Foto: © Michael DeutschmannAktuell steht für die Kooperation APDF-TDF die Realisierung des Bauvorhabens für ein neues Gewaltschutzhaus in Gao, Nordmali, im Vordergrund der gemeinsamen Projektarbeit. Der Bedarf einer kompetenten Beratungsstelle im Norden Malis ist immens, denn der Großteil der bei APDF Zuflucht suchenden Frauen kommt aus dem Norden des Landes. Im Rahmen des TDF-Projektbesuches 2017 wurden hierfür die notwendigen Vorbereitungen und die Voraussetzungen für die Durchführung geschaffen. Wegen der angespannten Sicherheitslage in Nordmali und der schlechten Zugänglichkeit des Projektstandorts hat sich der Bauablauf etwas verzögert- aber es geht voran! Im August 2017 konnte APDF den Grundstückskauf endgültig abwickeln, im Januar 2018 wurde die Baugenehmigung offiziell erteilt und im Februar 2018 wurde der Bauvertrag unterzeichnet. Seit dem macht die Errichtung des Gewaltschutzhauses stetig Fortschritte.

 

 

 

Erfolge der Organisation

APDF-MitarbeiterInnen mit den TERRE DES FEMMES-Besucherinnen Renate Staudenmeyer und Susanne Meister. Foto: © TERRE DES FEMMESAPDF-MitarbeiterInnen mit den TERRE DES FEMMES-Besucherinnen Renate Staudenmeyer (Mitte) und Susanne Meister. Foto: © TERRE DES FEMMES

Das Zustandekommen der Partnerschaft von APDF und TERRE DES FEMMES ist auf die großzügige Unterstützung eines Kölner Unternehmers zurückzuführen. Er hat im Jahr 2009/2010 nicht nur die Baumaßnahme zum Aufbau des Gewaltschutzzentrums in Bamako finanziert, sondern immer wieder auch die Projektaktivitäten von APDF unterstützt.

TDF hat diese Zusammenarbeit flankierend begleitet und baut die Kooperation mit APDF seit 2015 weiter aus. Hierbei geht es TDF vor allem darum, die Betreuung der hilfesuchenden Mädchen und Frauen im Gewaltschutzzentrum in Bamako zu unterstützen sowie den Aufbau eines weiteren Frauenschutzhauses in Nordmali voranzubringen.

  • APDF ist die einzige Organisation in Mali, die im Bereich Gewaltschutz für Frauen sowohl Notunterkunft, als auch umfassende soziale, medizinische, psychologische und juristische Dienste unter einem Dach anbietet.
  • APDF ist mit 47 dezentralisierten Projektbüros in 8 Regionen Malis vertreten.
  • Im Jahr 2013 wurden allein bei APDF in Bamako 426 Mädchen und Frauen betreut, die meisten kamen aus Nordmali, 30 aus Südmali; im Jahr 2014 waren 505 Fälle, davon 24 aus Südmali; 2015 fanden 243 Mädchen und Frauen aus Nordmali und 25 aus Südmali gezielte Unterstützung und Hilfsangebote.
  • Mit den Schulungen zu einkommensschaffenden Aktivitäten werden pro Jahr ca. 300 Frauen direkt erreicht, durch den Multiplikatoreffekt in den Dörfern sogar noch weitaus mehr.
  • Durch regelmäßige Projekte und Veranstaltungen, wie beispielsweise zum 6. Februar, dem Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung, schafft APDF Bewusstsein in der Bevölkerung Malis für Probleme wie Gewalt an Mädchen und Frauen oder FGM und mobilisert diese gleichzeitig sich dagegen einzusetzen.
  • Darüber hinaus ist APDF eine anerkannte Frauenrechtsorganisation in Mali, deren Expertise von vielen Seiten aus Politik und Zivilgesellschaft angefragt wird.

 



Aktiv werden & Spenden

Verkauf von Stoffen, Nähprodukten und hergestellten Lebensmitteln. Foto: © TERRE DES FEMMES Verkauf von Stoffen, Nähprodukten und hergestellten Lebensmitteln. Foto: © TERRE DES FEMMES Damit APDF ihre Projekte für ein Leben frei von Gewalt weiterhin nachhaltig durchführen kann, ist die Organisation auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Unterstützen Sie APDF mit einer einmaligen Spende oder spenden Sie regelmäßig und werden Sie FörderIn!

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Sie können auch mit dem Stichwort "Mali" auf folgendes Konto spenden:

EthikBank
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BIC GENODEF1ETK

 

 

 

Weitere Informationen

Flyer

Jahresberichte

Die ehrenamtliche Projektkoordinatorin Susanne Meister berichtet jährlich zu den Projektentwicklungen:

Reiseberichte

Öffentlichkeitsarbeit

Betterplace

Im Rahmen unserer Spendenaktion auf betterplace.org informieren wir zudem regelmäßig über Neuigkeiten aus unserer Partnerorganisation.

Weitere Informationen erhalten Sie bei

TERRE DES FEMMES e.V.
Brunnenstr. 128, 13355 Berlin
Tel: 030 - 40 50 46 99-0
E-Mail: Kontaktformular

 

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