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Internationale Kooperationen

TERRE DES FEMMES –
Menschenrechte für die Frau e.V.
Brunnenstr. 128
13355 Berlin

Das Frauenbildungszentrum Shahrak, Afghanistan – Bildungsarbeit für ein selbstbestimmtes Leben

  • Übersicht

  • Hintergrund

  • Projektaktivitäten

  • Erfolge

  • Unterstützung

  • Weitere Informationen

Projektgebiete: ShEine Teilnehmerin im Frauenbildungszentrum Shahrak. Foto: © DAI (Deutsch-Afghanische Initiative) "In Shahrak kann ich mich mit anderen Frauen austauschen. Das gibt mir Kraft und bestärkt meine Bemühungen, durch Nähen eigenes Geld zu verdienen. So kann ich es meiner Tochter ermöglichen, länger die Schule zu besuchen!"
Eine Teilnehmerin im Frauenbildungszentrum Shahrak.
Foto: © DAI (Deutsch-Afghanische Initiative)
ahrak, westlich von Herat

Wird von TDF unterstützt seit: 2004

Zielgruppe: Mädchen und Frauen aus der Region Herat im westlichen Afghanistan, insbesondere Angehörige der schiitischen Hasara-Minderheit

Projektaktivitäten:

  • Alphabetisierungskurse
  • Computer – und Englischkurse
  • Nähkurse und Arbeitsgruppen zum Anfertigen von Stickarbeiten, die später verkauft werden
  • das Frauenzentrum bietet zudem einen Ort, um sich auszutauschen und gegenseitig zu helfen
  • Empowerment von Frauen

Projektleiterin: Aqela Nazari

Kontakt: Ehrenamtliche Projektkoordinatorin Gauhar Besmil (afghanistan@frauenrechte.de)
oder TERRE DES FEMMES-Referat Internationale Zusammenarbeit (iz@frauenrechte.de)

Projektflyer: 
Informationsflyer Frauenzentrum in Shahrak (PDF-Datei)

Hintergründe und Projektbeschreibung

Die Situation der Frauen in Afghanistan

Die Situation der Mädchen und Frauen in Afghanistan ist besorgniserregend. Laut Human Rights Watch berichten fast 90% der Frauen von Menschenrechtsverletzungen. Diese reichen von Zwangsverheiratung Minderjähriger über Misshandlungen, Vergewaltigungen bis hin zu Zwangsprostitution und Entführungen.

Aber auch das Recht auf Bildung und Gesundheit wird afghanischen Mädchen und Frauen vorenthalten. Rund 80 % aller afghanischen Frauen sind Analphabetinnen. Die Müttersterblichkeitsrate ist eine der höchsten weltweit.

Obwohl die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in der afghanischen Verfassung festgeschrieben ist und es seit 2009 ein Gesetz zum Schutz von Frauen gibt, werden auf Politikerinnen und Frauenrechtlerinnen immer häufiger Attentate verübt. „Regierungsfeindliche Gruppen nehmen prominente Frauenrechtlerinnen ins Visier, um Angst unter anderen Aktivistinnen zu verbreiten und zu erreichen, dass sie ihre Arbeit einstellen“, sagt Roghul Khairkhlwah, Senatorin in der Provinz Nimroz im Süden von Afghanistan, in einem Bericht von Amnesty aus dem Jahr 2015 (PDF-Datei). Sie weiß, wovon sie spricht – die Senatorin wurde im August 2013 von Talibankämpfern angegriffen und erlitt schwere Verletzungen.

 

Seit dem teilweisen Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan 2016 ist ein erneutes Erstarken der radikal-fundamentalistischen Taliban festzustellen. Es kommt vermehrt zu Attentaten und bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Talibankämpfern und afghanischen Militäreinheiten. Die Zahl der innerhalb Afghanistans aufgrund von Terror geflüchteten Menschen betrug 1,3 Millionen im Jahr 2016. In manchen Regionen werden Schulen für militärische Zwecke genutzt oder von den Taliban geschlossen, so dass mühsam aufgebaute Infrastruktur wieder völlig lahmgelegt ist.

Verschärfend auf diese Gesamtlage kommt die geschlechtsspezifische Diskriminierung hinzu: „Wenn sich die Sicherheit in einem Land verschlechtert, halten die Eltern zunächst die Mädchen vom Schulbesuch ab“, so Heather Barr, leitende Forscherin für Frauenrechte bei Human Rights Watch. Eine Untersuchung der EU von 2016 belegt, dass derzeit nur traurige 21,7 % der Mädchen in den Genuss von Bildung und Schule kommen (Jungen 45,,9%).

Was die Situation der Frauenrechte betrifft, so hat sich das politische Klima wieder rückwärts gewandt. Das 2009 eingeführte Gewaltschutzgesetz wurde von einigen Parlamentsmitgliedern grundsätzlich in Frage gestellt und/oder in Teilen versucht zu ändern (Mindestalter für Eheschließungen, Strafen bei Häuslicher Gewalt u.a.). Der Oberste Gerichtshof hat wieder öfters bei schweren Gewaltverbrechen an Frauen Strafminderungen erteilt, so dass insgesamt gesehen ein öffentliches Klima geschaffen wurde, welches Gewalt an Frauen wieder als tolerierbar einstuft. Nicht verwunderlich, aber dennoch erschreckend ist, dass die Gewalt gegen Frauen wieder zunimmt. Im Human Rights Watch – Bericht 2016/2017 wurden für die ersten acht Monate des Jahres 2016 genauso viele Fälle von Häuslicher Gewalt gemeldet, wie im Jahr 2015 in allen zwölf Monaten.

Um so wichtiger ist es, dass Frauenorganisationen wie das Frauenzentrum in Shahrak eindeutig andere Zeichen setzen.

 

Die Stadt Shahrak

Shahrak liegt im Westen Afghanistans in der Nähe der Stadt Herat und ist eine Siedlung der schiitischen Hasara-Minderheit. Obwohl die Hasara in Afghanistan die drittgrößte Volksgruppe bilden, wurden sie wegen ihrer religiösen und ethnischen Sonderstellung immer wieder Opfer von Verfolgung und Diskriminierung. Ursprünglich kommen die Hasara aus dem so genannten Hasarajat - eine Region in der Mitte Afghanistans.

Die Menschen in Shahrak sind stark von Armut sowie Arbeitslosigkeit betroffen. Viele Frauen haben ihre Männer im Kampf gegen die Taliban oder im Krieg verloren und müssen allein für ihre Familien sorgen. Viele der Einwohner Shahraks haben während der Herrschaft der Taliban im Iran gelebt, wo ihnen der Schulbesuch durch hohe Schulgebühren für Flüchtlinge unmöglich gemacht wurde.

Das Frauenbildungszentrum Shahrak

Shahrak-Frauen beteiligen sich an der TDF-Fahnenaktion. Foto: © Frauenzentrum ShahrakShahrak-Frauen beteiligen sich an der TDF-Fahnenaktion. Foto: © Frauenzentrum ShahrakIm Jahr 2003 wurde die Gründung des Zentrums mit Hilfe der Deutsch-Afghanischen Initiative (DAI) in Freiburg möglich. Den Impuls dazu hat eine bereits unter den Taliban heimlich eingerichtete Mädchenschule gegeben. TERRE DES FEMMES unterstützt das Frauenzentrum Shahrak seit 2004.

Das Frauenbildungszentrum verfolgt mehrere Ziele:

  • Zugang von Frauen zu Bildung: Im Frauenzentrum werden Frauen, die aus finanziellen oder anderen Gründen nicht die Möglichkeit dazu haben, u.a. in Lesen und Schreiben unterrichtet und auf ihrem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit unterstützt.
  • Im Frauenzentrum werden Frauen und Mädchen über ihre Rechte informiert und erhalten aufklärende Informationen zur Stellung der Frau im Islam. Dadurch werden traditionelle Rollenbilder hinterfragt und Selbstvertrauen gestärkt, um selbstbestimmte wege zu gehen.
  • Treffpunkt für Frauen: Das Frauenzentrum ist ein Treffpunkt und Ort des Austauschs für Frauen, die Hilfe benötigen, z.B. wegen häuslicher Gewalt oder ungerechter Behandlung. Es bildet damit für die Frauen in der Region einen der wenigen Orte, an denen sie den strengen und männerdominierten Strukturen entkommen können.
  • Freiraum für Entfaltung und Entwicklung: Das Frauenbildungszentrum Shahrak ist ein Ort, an dem Frauen ihre Fähigkeiten erkennen und entwickeln können.

 

Aktivitäten des Frauenbildungszentrums Shahrak

Bildungsarbeit mit Mädchen und Frauen

Frauen und junge Mädchen im Englischkurs. Foto: © TERRE DES FEMMESFrauen und junge Mädchen im Englischkurs. Foto: © TERRE DES FEMMESDas Zentrum verfolgt das Ziel, Frauen und Mädchen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Die Mitarbeiterinnen organisieren ein breit gefächertes Kursprogramm, darunter Alphabetisierungs-, Englisch-, Computer- und Nähkurse sowie weitere Aktivitäten in Textilproduktion und -vermarktung. Diese Angebote finden regen Zulauf, häufig gibt es Wartelisten. Außerdem finden Workshops zu Themen wie Frauenrechten und gesundheitlicher Aufklärung statt.

Im Jahr 2016 nahmen insgesamt 1045 Frauen und Mädchen an den Kursen teil. Über die täglichen Alphabetisierungskurse hinaus wurden zahlreiche Workshops angeboten. Schwerpunktthemen waren Gesundheit und Pflege, Psychologie sowie Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Etwa 25 Kursabsolventinnen schlossen sich in einem lockeren Verbund mit dem Namen Zanane Andishmand („Vorankommende Frauen“) zusammen, um auf Märkten und bei Veranstaltungen ihre Produkte aus der Textilproduktion gemeinsam zu verkaufen. U.a. in Kooperation mit Zanane Andishmand veranstaltete das Frauenzentrum im Dezember 2016 eine einwöchige Ausstellung mit Verkaufsmöglichkeit, an der Frauen aus der Region mit eigenen Produkten teilnahmen.

Und so ist das Frauenzentrum Shahrak nicht nur Bildungsstätte, sondern auch ein Versammlungsort, an dem sich die Frauen austauschen und Unterstützung finden.

Ökonomische Unabhängigkeit

Ein weiterer Schwerpunkt der Projektaktivitäten ist es, Frauen auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit zu unterstützen. Dazu bildet das Zentrum Frauen in Näherei aus. Auch bei diesen Kursen ist die Nachfrage groß. Außerdem trifft sich im Zentrum eine Gruppe von Mädchen und Frauen, die Stoffe mit traditionellen Stickereien verziert und diese später verkauft.

Eigene Räume für das Frauenbildungszentrum

Die eigenen vier Wände: Das 2015 eröffnete Frauenbildungszentrum. Foto: © TERRE DES FEMMESDie eigenen vier Wände: Das 2015 eröffnete Frauenbildungszentrum. Foto: © TERRE DES FEMMESAufgrund der angespannten politischen Situation musste das Frauenzentrum in der Vergangenheit immer wieder seinen Standort wechseln. Nun hat sich das Frauenzentrum in Shahrak eigene Räume geschaffen.

Dafür haben die Frauen einen Verein gegründet, in dessen Namen zunächst ein Grundstück erworben wurde. Dank der Unterstützung durch DAI und TERRE DES FEMMES konnte im Juni 2015 das neu gebaute Frauenzentrum mit acht Klassenräumen, einem Veranstaltungsraum und einem Verkaufsraum eröffnet werden. Es bietet nun genug Platz für 270 Frauen im Alter von 14-60 Jahren.

Ein eigenes Haus bedeutet zum einen die langfristige Existenzsicherung des Frauenzentrums. Zum anderen bietet es den Frauen durch den Verkaufsraum die Möglichkeit, selbst hergestellte Textilien aus den Nähkursen zu verkaufen. Die Frauen verdienen somit ihren eigenen Lebensunterhalt und können finanziell unabhängig werden. Also bietet das Frauenzentrum nicht nur Frauenräume für Bildungsangebote von Mädchen und Frauen an, sondern auch die Möglichkeit für ökonomisches Empowerment durch einkommensschaffende Aktivitäten.



Erfolge des Projekts

Aqela Nazari, Direktorin des Frauenzentrums Shahrak, bei der Eröffnungsfeier. Foto: © Frauenzentrum Shahrak Aqela Nazari, Direktorin des Frauenzentrums Shahrak, bei der Eröffnungsfeier.
Foto: © Frauenzentrum Shahrak
Alphabetisierung hilft den Alltag zu meistern und selbstbewusst die eigene Ausbildung voranzutreiben

Die verschiedenen Kurse des Frauenzentrums Shahrak finden regen Zulauf. Für alle Kurse gibt es immer wieder lange Wartelisten. Viele junge Frauen haben durch die Teilnahme an den Angeboten ihre Schulbildung verbessern können. Regelmäßig schaffen rund 10 Mädchen jährlich den Übergang auf die staatliche Oberstufe, nachdem sie sich in den Kursen in Shahrak auf die staatliche Aufnahmeprüfung vorbereitet haben. Ältere Teilnehmerinnen der Alphabetisierungskurse nutzen ihre neuen Kenntnisse im Alltag und empfinden ihre neuen Fähigkeiten als große Erleichterung. Teilnehmerinnen aus den Computer- und Englischklassen, bereiten sich entweder auf eine berufliche Tätigkeit in einer Bank oder einer NGO vor oder auf die Aufnahmeprüfung für die Universität Herat. Einige unserer Lehrerinnen sind Studentinnen der Universität Herat und fungieren so als vorbildhaftes Beispiel für viele Mädchen und Frauen im Zentrum.

Empowerment von Frauen auch in der Region

Neben den persönlichen Erfolgen der Teilnehmerinnen verändert das Frauenbildungszentrum auch die Rolle und Wahrnehmung der Frauen in der Stadt Shahrak. Die Frauen werden inzwischen regelmäßig zu offiziellen Festen der Stadt eingeladen. Politische VertreterInnen der Stadt sprechen regelmäßig zu feierlichen Anlässen im Zentrum, wie z.B. dem Weltfrauentag am 8. März oder der Eröffnung des neuen Zentrums. Junge Frauen des Ortes, welche nicht mehr an den Kursen teilnehmen, nutzen die Räume für regelmäßige Diskussionsnachmittage zu aktuellen Büchern und Filmen. Neben den Workshops zum Thema Frauenrechte wird eine kostenlose Rechtsberatung und auch Beistand vor Gericht angeboten. Auch die Etablierung einer solchen Anlaufstelle in Shahrak kann als großer Erfolg des Zentrums gewertet werden.

Aktiv werden & Spenden

Kursteilnehmerinnen bei der Alphabetisierung. Foto: © Frauenzentrum Shahrak Kursteilnehmerinnen bei der Alphabetisierung.
Foto: © Frauenzentrum Shahrak
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  • um das vielfältige Kursangebot weiterhin aufrecht zu erhalten
  • für den Erwerb von Nähmaschinen und anderen Unterrichtsmaterialien
  • um die Vermarktung der Nähprodukte voranzubringen
  • für die Bezahlung qualifizierter Lehrerinnen und Ausbilderinnen

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Weitere Informationen

Flyer

Jahresbericht

Jährlich veröffentlicht die ehrenamtliche Projektkoordinatorin einen Bericht für die Mitfrauenversammlung von TERRE DES FEMMES über die Projektaktivitäten des Frauenzentrums Shahrak:

Öffentlichkeitsarbeit für das Frauenzentrum Shahrak in Deutschland

 

TERRE DES FEMMES e.V.
Brunnenstr. 128, 13355 Berlin
Tel: 030 - 40 50 46 99-0
E-Mail: Kontaktformular

 

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