17.03.2009: TERRE DES FEMMES kritisiert Kopftuch-Bericht von Human Rights Watch

In ihrem Bericht "Diskriminierung im Namen der Neutralität" kommt die international tätige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zu dem Schluss, dass muslimische Lehrerinnen durch "Kopftuchverbote" in einigen Bundesländern diskriminiert werden. Die Gesetze "zwingen Kopftuch tragende Frauen, sich entweder für ihren Beruf oder für ihren Glauben zu entscheiden", so Human Rights Watch.

Die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES wendet sich entschieden gegen die einseitige Ausrichtung des Berichts. So wurden nur Kopftuch tragende Musliminnen befragt, jedoch keine, die sich gegen das Kopftuch entschieden haben. Unberücksichtigt bleiben auch Frauen, die ein Kopftuchverbot begrüßen oder solche, die von ihren Familien zum Kopftuchtragen gezwungen werden.

Gleichzeitig vernachlässigt Human Rights Watch, dass das Kopftuch den Grundsätzen von Gleichberechtigung und Emanzipation von Frauen diametral entgegensteht. "Wir wissen, dass das Kopftuch auch aus religiöser Motivation getragen wird. Es ist aber ebenso das Symbol der Vormundschaft des Mannes über die Frau", so Christa Stolle, Geschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. Das Kopftuch transportiert ein Menschenbild, das im Widerspruch zu freiheitlichem Denken steht und nicht mit Werten wie Toleranz, Respekt und Gleichberechtigung vereinbar ist.

Viele junge Frauen tragen das Kopftuch aufgrund immensen sozialen Drucks. TERRE DES FEMMES befürchtet, dass eine Rücknahme der "Kopftuchverbote" die Integration und Emanzipation muslimischer Frauen behindern würde. TERRE DES FEMMES erfährt dies tagtäglich: Allein 2008 erhielten wir 197 Hilferufe von Mädchen und Frauen, die von Zwangsheirat oder Gewalt im Namen der so genannten Ehre bedroht oder betroffen waren. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um fast 15%.

TERRE DES FEMMES fordert daher, dass Frauen im Staatsdienst in Ausübung ihres Amtes kein Kopftuch tragen dürfen. Die Besetzung öffentlicher Ämter mit Kopftuch tragenden Frauen widerspricht dem Neutralitätsgebot des Staates. Denn neben einer positiven gibt es auch eine negative Religionsfreiheit. TERRE DES FEMMES fordert auch ein Verbot des Kinderkopftuchs, das zunehmend in Kindergärten und Schulen getragen wird.

Für Nachfragen und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.
Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES, Rahel Volz, Tel. 07071/7973-0 oder per Mail an ehrverbrechen@frauenrechte.de

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