Neuanschaffungen Oktober/November/Dezember 2010

OLYMPE – Feministische Arbeitshefte zur Politik
Wider die Instrumentalisierung von Frauenrechtenolymp
Burkaverbot: Feministische Positionen und Analysen

Die derzeitigen Debatte um ein Burkaverbot fügt sich den Herausgeberinnen der Olympe ein „in die langjährige Tradition einer ausländerfeindlichen Politik, die sich momentan hauptsächlich gegen Musliminnen“ wende. Mit Beiträgen von Autorinnen mit unterschiedlichen beruflichen und institutionellen Hintergründen wollen sie sich dieser Debatte stellen. Trotz auseinander gehender Positionen in der Sache, einigt die Autorin die Absicht, islamophoben Auswüchsen entgegen wirken zu wollen. Und schließlich haben sie ein gemeinsames Ziel vor Augen: die Gleichstellung der Geschlechter

Feministische Arbeitshefte zur Politik, Helft 31 September 2010, 141 Seiten, 21,- ChF



Freiburger GeschlechterStudien 23
Geschlechter – Bewegungen – SportGeschlechter - Bewegungen - Sport

„Tough Ain’t Enough“ –  heißt einer der Aufsätze im Sammelband und zitiert den berühmten Film „Million Dollar Baby“. Es verwundert nicht, in einem Band, der sich mit Geschlechtergerechtigkeit im Sport beschäftigt, die Stellung der Frau in der Männerdomäne Boxen diskutiert zu finden. Aber die Beiträge des Buches loten den Titel „Geschlechter – Bewegungen – Sport“ unter vielfältigen Aspekten aus. Frauen im zeitgenössischen Tanz, im Motorsport, Chancen und Probleme muslimischer Mädchen im Sport, der Ausschluss intersexuell eingestufter Menschen aus dem Leistungssport sind weitere Themenbeispiele.

Entstanden ist der Sammelband aus einer Veranstaltungsreihe, die im Wintersemester 2008/2009 und im Sommersemester 2009 von der Uni Konstanz und Kooperationspartner_innen ausgetragen wurde. Ein Teil der Reihe war das Symposium „Fußball und Geschlecht“, dem der Band eine ertragreiche Nachlese widmet. Subversives Potential auf dem Sportfeld decken Susanne Dier und Anne Quinkenstein auf mit ihrem Artikel „Queere Perspektiven auf Sport mit Radical/Cheerleading“. Die eigenwillige Auseinandersetzung Elfriede Jelineks mit dem Thema Sport in ihren Dramen ist Gegenstand der Analyse von Franziska Schößler. Jelineks Hörspiel „Sportchor“ war Programmpunkt der Konstanzer Veranstaltungsreihe.

Zentrum für Anthropologie und Gender Studies (Hrsg.) Budrich Uni Press, Leverkusen-Opladen, 2009, 418 Seiten, 29,90 €

 

Lea Ackermann /  Mary Kreutzer / Alicia Allgäuer
In Freiheit leben, das war lange nur ein Traum.
Mutige Frauen erzählen von ihrer Flucht aus Gewalt und moderner Sklavereisolwodi

Vor 25 Jahren gründete Lea Ackermann Solwodi in Kenia. Sie wollte jungen Frauen helfen, die sich prostituierten mussten, um der Armut zu entkommen. Inzwischen ist Solwodi auch in Ruanda tätig und hat in Deutschland zwölf Anlaufstellen. Hierher fliehen Frauen, die zu Hause Gewalt erfahren, Frauen, die nach Deutschland in die Prostitution „gehandelt“ wurden, Mädchen, denen eine Zwangsverheiratung droht.

Das Herzstück des Buches sind zehn Lebensgeschichten in der Ich-Form. Die Autorinnen haben Frauen aus Kenia, Äthiopien, Ecuador, Indien, Syrien, Nigeria, Litauen, Rumänien, Afghanistan und aus der Türkei zu Wort kommen lassen.
Sie berichten von der erfahrenen Demütigung und Unterdrückung, von ihrem Leid, aber auch von ihrer Befreiung in die Selbständigkeit, in die Freiheit.
Jede Geschichte wird ergänzt mit Informationen über Politik, Geschichte und Gesellschaft – und über die Geschlechterverhältnisse – des Herkunftslandes der Erzählerin.

 

Mit einem Vorwort von Seyran Ates

Kösel, München, 2010, 240 Seiten, 17,99 €


Brigitte Aulenbacher / Michael Meuser / Birgit Riegraf

Soziologische Geschlechterforschung
Eine Einführung geschlechterf

Die Geschlechterforschung fasste im deutschsprachigen Raum Ende der 60er Jahre Fuß mit der neuen Frauenbewegung. Die Kategorie „Geschlecht“ wurde bald Gegenstand produktiver und lebendig geführter Debatten. Wegweisende feministische und geschlechtersoziologische Beiträge zur Gesellschaftsanalyse entstanden.

 

Um mit ihrem Handbuch Orientierung in diesem stetig wachsenden Forschungsfeld bieten zu können, untergliedern die Wissenschaftler_innen ihr Lehrbuch in drei Schwerpunkte:

 

Wie hat sich die Perspektive auf die Kategorie „Geschlecht“ im Zuge der Ausdifferenzierung der wissenschaftlichen Diskussion verändert? Was ist eigentlich das Programm der Geschlechterforschung? Das sind Fragen, denen die Autor_innen im ersten Teil des Buches nachgehen, den sie der Entwicklung der soziologischen Geschlechterforschung gewidmet haben.
Im zweiten Teil werden einzelne Bereiche aufgegriffen, die von Beginn präsent waren. So auch das Thema „Gewalt im Geschlechterverhältnis“, das in der Gründungsphase der Frauenforschung einen zentralen Stellenwert hatte. Es geht der Frage nach, ob, und in welcher Hinsicht das Geschlechterverhältnis strukturell von der Gewalt geprägt ist, die Männer gegen Frauen ausüben.
Der dritte Schwerpunkt des Buches lotet den Stand der Forschung aus und greift Zukunftsfragen auf.

Das Handbuch bietet einen Überblick auf den Forschungsbereich, macht neugierig auf die vielfältigen Verästelungen der Diskussionslinien mit  ihren zahlreichen theoretischen Ansätzen und empirischen Untersuchungen.

VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2010, 282 Seiten, 19,95 €



Nourig Apfeld
Ich bin Zeugin des Ehrenmordes an meiner Schwesterzeugin

Als Siebenjährige kommt Nourig Apfeld 1979 mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland.
In einer Welt, die voller Verführungen scheint, klammern sich die Eltern an ihr konservatives Regelsystem, dem sie mit rigiden Methoden auch ihre Töchter unterwerfen.

 

Waffa, die jüngere Tochter, ist aufmüpfig. Ihr Auftreten gefährdet das Ansehen der Familie. Sie wird als 14-jährige in die Türkei geschickt und zwangsverheiratet. Schwanger kehrt sie nach Deutschland zurück und bringt einen Jungen zur Welt. Sie flüchtet und gibt das Kind in ein Heim. Sie wird mit ihrem Leben bezahlen. Gemeinsam mit zwei Neffen plant der Vater die Ermordung der „Ehrlosen“. Nourig wird gezwungen, Zeugin der Erdrosselung ihrer Schwester zu sein. Auch sie flieht, beginnt ein Medizinstudium und heiratet einen Deutschen.

 

Elf Jahre später, 2004, zeigt sie ihren Cousin an. Um gefahrlos im Prozess gegen die Mörder ihrer Schwester aussagen zu können, wird ihr im Rahmen des Zeugenschutzprogrammes eine neue Identität zugesichert. Ein Versprechen, das nicht eingehalten wird, was sie erneut zur Flucht zwingt.

 

Nourig Apfeld hat sich entschieden, ihre Biographie zu veröffentlichen, "um den vielen unterdrückten und in familiären und religiös beherrschten ‚Gefängnissen’ lebenden Menschen zu zeigen, dass es einen Weg aus dem Zwangskollektiv gibt und ein Leben als selbständiges Individuum möglich ist. Es erfordert aber Mut und braucht auch Unterstützung“.

 

Das Vorwort zum Buch hat Günter Wallraff geschrieben. Er geht darin dem Phänomen „Ehrenmord“ nach.

Wunderlich, Reinbek bei Hamburg, 2010, 288 Seiten, 19,95 €

 

Nicholas D. Kristof / Sheryl WuDunn
Die Hälfte des Himmels
Wie Frauen weltweit für eine bessere Zukunft kämpfenhimmelh

Die Pulitzer-Preisträger Nicholas D. Kristof und Sheryl WuDunn untersuchten weltweit Menschenrechtsverletzungen an Mädchen und Frauen, die heute im 21. Jahrhundert tagtäglich geschehen. Es geht um Frauen- und Mädchenhandel, Zwangsprostitution, Gewalt gegen das weibliche Geschlecht allgemein, einschließlich Ehrenmord und Massenvergewaltigung und nicht zuletzt um die hohe Müttersterblichkeit.

 

Erzählt wird von Mädchen und Frauen, die die Journalisten bei ihren Reisen persönlich befragt haben. Diese Einzelschicksale werden durch Fakten und Zahlen ergänzt, um die Dimension dieser Menschenrechtsverletzungen zu beschreiben. Angesichts der geschilderten Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten kommt ein Gefühl der Ohnmacht auf. Doch es werden auch Geschichten geschildert, die Hoffnung machen: Wie Frauen sich selbst aus ihrer Lage befreien und sich mutig gegen ihre Behandlung zur Wehr setzen konnten,  und was andere gegen solche Menschenrechtsverletzungen tun können.

 

Die Geschichten von Zwangsprostitution zum Beispiel laufen überall nach dem gleichen Schema ab: Jungen Mädchen aus armen Verhältnissen werden Arbeitsmöglichkeiten versprochen, meist im Ausland oder einer großen, weit entfernten Stadt. Als Tellerwäscherin in einem Restaurant, Haushaltshilfe, und vieles mehr. Nur enden diese Geschichten alle gleich: Die Mädchen, die ihre Familien finanziell unterstützen wollen, werden verschleppt und am Ende finden sich die verschreckten Frauen in irgendeinem Bordell wieder. Man nimmt ihren alles ab, schüchtert sie mit Schlägen ein und zwingt sie zur Prostitution. Flucht scheint für viele unmöglich, da man ihnen den Pass und nicht selten auch die Kleider weggenommen hat. Oft wissen sie nicht einmal, in welchem Land sie sich befinden.

 

Was kann man nun wirklich tun? Viele Beispiele, wie etwa die Overlake School im Bundesstaat Washington, werden genannt. Rektor Frank Grijalva suchte eine Möglichkeit seinen aus der Oberschicht stammenden Schülern nahezubringen, wie ein Großteil der Menschheit lebt. Aus einer Spendensammlung entstand ein Großprojekt: Der Bau einer Schule in Kambodscha. Mit nur 13.000 US-Dollar Spendergeldern konnte ein solcher Bau realisiert werden – Fonds der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank verdoppeln diese Summe. Das Leitmotiv dieses Projekts heißt „Bildung als Weg“ – denn der beste Schutz vor Mädchenhandel besteht darin, die Mädchen von vornherein davor zu bewahren. Dafür garantieren Spender mit 120 US-Dollar im Jahr, damit die Mädchen, trotz der finanziellen Not ihrer Familien, in einer Schule bleiben können. Für jeden Monat regelmäßigen Schulbesuch bekommt die Familie 10 US-Dollar. Das ist ein Beispiel , wie mit kleinen Schritten viel bewirkt werden kann.

 

„Es ist wahr, es gibt viele Ungerechtigkeiten auf der Welt, viele gute Zwecke, die Aufmerksamkeit und Unterstützung verlangen, und jeder ist hin und her gerissen zwischen vielerlei Dingen, denen er sich verpflichtet fühlt. Wir konzentrieren uns auf dieses Thema, weil es hier um eine Art von Unterdrückung geht, die uns bewältigbar scheint – chancenreich“, so die AutorInnen.

C. H. Beck, München, 2009, 359 Seiten, 19,95 €

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