Nach grausamem Mord an Studentin – Frauen demonstrieren in der Türkei gegen Gewalt an Frauen

Auslöser der Proteste ist die brutale Ermordung der 20-jährigen Studentin Özgecan Aslan durch einen Busfahrer. Er versuchte erst, sie zu vergewaltigen, als sie sich wehrte, tötete er sie. Am Freitag fand die Polizei die verstümmelte und verbrannte Leiche, der seit Mittwoch (11.2.15) als vermisst gemeldeten Frau.

Immer wieder hatten sich in der Vergangenheit Politiker der konservativen AK-Partei, der auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan angehört, sexistisch geäußert und zu einem frauenfeindlichen Klima in der Türkei beigetragen. Es waren Aussagen wie Frauen und Männer seien nicht gleich, Frauen sollten zuhause bleiben, dort seien sie vor Gewalt sicher. FrauenrechtlerInnen kritisieren, dass sich die Frauen- und Menschenrechtssituation in der Türkei in den letzten Jahren verschlechtert hat und Betroffene nicht genug geschützt werden: 42 Prozent der türkischen Frauen erfahren Gewalt durch Verwandte / Angehörige. In der ländlichen Region sind es sogar 47 Prozent also fast jede zweite Frau. 2014 wurden 294 Frauen umgebracht.

Frauen erheben ihre Stimme gegen Gewalt – Online und offline, in der Türkei und Deutschland

Der grausame Mord an Özgecan Aslan war nun der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brauchte. Seither gibt es wütende Proteste von Frauen im Land. Sie gehen auf die Straße und protestieren für ihre Rechte, gegen Gewalt an Frauen insbesondere sexuelle Gewalt, sie erheben ihre Stimme und brechen das Schweigen.

Der Trauermarsch von Özgecan Aslan fand am 14. Februar 2015 am Valentinstag statt. Viele Frauen kamen zum Trauermarsch, stürmten schließlich nach vorne und trugen zum Protest den Sarg. Dies war eine sehr bewegende Szene, denn bei Trauermärschen werden in der Türkei die Särge nur von den Männern getragen. Frauen gehen beim Trauermarsch aufgrund von Traditionen und Normen hinten - hinter den Männern. Besonders bewegend: der 14. Februar ist der Tag von ONE BILLION RISING, der weltweiten Kampagne gegen Gewalt an Frauen. Während weltweit Frauen gegen die alltägliche Gewalt tanzten, nahmen die türkischen Frauen das Motto wörtlich und erhoben sich gegen die Strukturen!

Auf Twitter teilen Frauen unter dem Hashtag ‪#‎sendeanlat („Erzähl auch du es“) ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung. Es erinnert an die Debatte #aufschrei, um Alltagssexismus in Deutschland 2013.

Auch die türkisch/kurdische Community in Deutschland nimmt Anteil und gibt ihrer Wut um die grausame Tat mit Protesten Ausdruck: Am Sonntag fand eine Demonstration der türkisch/kurdischen Community in Berlin am Kottbusser Tor statt – begleitet von vielen Männern, die ebenfalls gegen Gewalt an Frauen auf die Straße gingen.

Wir solidarisieren uns mit diesen Frauen und sind in Gedanken bei Ihnen!