Aline Wüst: Piff, Paff, Puff. Prostitution in der Schweiz

Echtzeit Verlag Basel, 2020. 146 Seiten2020 Aline Wuest: PiffPaffPuff

Die Journalistin Aline Wüst gibt in ihrem Buch Einblick in die Welt der Prostitution in der Schweiz. Viele der Erkenntnisse lassen sich auf Deutschland ebenso übertragen, da in beiden Ländern Prostitution und Sexkauf legal ist.

Umfangreich recherchiert, mit aktuellen Fakten und Daten aus Wissenschaft und Politik, führt sie den Lesenden vor Augen was Prostitution - auch in Deutschland - für die betroffenen Frauen bedeutet. Für ihr Buch hat Wüst PolitikerInnen, PolitzistInnen, AkteurInnen aus der Sozialen Arbeit, aber auch Sexkäufer befragt; vor allem hat sie Frauen zu Wort kommen lassen, die in der Prostitution tätig sind.

Zum Beispiel ist da Sandra, eine 34-Jährige aus Kamerun, die als registrierte Prostituierte in einem Bordell tätig war:

 

„Ich frage mich, warum die Schweizer Regierung so etwas erlaubt. Das zerstört so viele Frauen und Mädchen. Ich sah Mädchen, die waren noch nicht einmal 18 Jahre alt. Sie wurden von anderen Frauen gebracht. Diese Frauen erzählten ihnen:<Wenn ihr nicht bezahlt, werden wir euch töten.[...]> Sie gaben ihnen Drogen, damit sie Mut haben Dinge zu tun, die sie nüchtern nicht schaffen würden. Mit zehn Männern am Tag schlafen beispielsweise.“

Ebenso begleitet die Autorin eine junge Bulgarin in ihre Heimat und reist durch Rumänien, um zu verstehen, aus welchem Grund sich diese Frauen in Bordellen anbieten. Dabei „stellt sich jedes Mal heraus, dass die Prostitution keine freie Wahl war. Entweder ging eine Form von Missbrauch voraus, es war Ausbeutung durch einen Loverboy oder aber Menschenhandel.“

Während früher erwachsene Frauen in Schutzhäuser in Rumänien Zuflucht vor ZuhälterInnen und MenschenhändlerInnen suchten, sind es heute überwiegend junge Mädchen, die ihren „Loverboys“ entkommen wollen.

Wüst lässt uns an ihren persönlichen Zweifeln und Gedanken teilhaben. So auch an ihrer Erkenntnis, dass die Betroffenen ihre Erlebnisse erst erzählen (können), wenn sie Vertrauen gefasst haben und das eigene Tempo selbst bestimmen dürfen. Dabei wird deutlich, wie sehr sich die Geschichten ihrer Gesprächspartnerinnen doch ähneln, und dass Themen wie Gewalt, falsche Versprechungen und Geldsorgen immer wieder auftauchen.

Es verwundert nicht, dass die Autorin im Laufe ihrer Recherchen die in der Schweiz für die Prostitutionsindustrie geltenden Gesetze zunehmend in Frage stellt.

Die Mehrheit der Prostituierten habe keine eigene Stimme; jene aber, die sich für „Sexarbeit-ist-Arbeit“ aussprechen würden, hätten eine starke Lobby, die an und mit den Betroffenen viel Geld verdienten. Eine Unterstützung, die die VerfechterInnen des Nordische Modells (https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/frauenhandel/nordisches-modell), welches sich für das Verbot von Prostitution und für eine Bestrafung der Freier einsetzt, nicht zuteil würde.

Unser Fazit: Ein sehr eingängiges Buch, dass nicht auf Provokation aus ist, sondern informiert und aufklärt. Schnell zu lesen, da es auf komplizierte Formulierungen und Zusammenhänge verzichtet. Dadurch wird den Lesenden ein umfassender Einblick in eine kontroverse Thematik gewährt. Praktisch eins zu eins auf Deutschland übertragbar, da die gleichen Bedingungen – wie etwa die Gesetzgebung – vorherrschen. Nicht wenige der Protagonistinnen in dem Buch gingen auch in Deutschland der Prostitution nach.    

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