Sheila Jeffreys: Die industrialisierte Vagina

Die politische Ökonomie des globalen Sexhandels

Marta Press Verlag Jana Reich, Hamburg. 2014, 278 Seiten.2014 Jeffreys industrialisierte Vagina

Dass heute zunehmend von Sexindustrie statt von Prostitution gesprochen wird, ist für die Autorin Beweis für eine Entwicklung, die dank der „Bündelung verschiedener Kräfte“ im späten 20. Jahrhundert eingesetzt habe. Vor allem eine neue, liberale Wirtschafts- und Marktideologie führte, aus Sicht der Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin, zu einer (Neu-) Definition von Prostitution als „seriöse“ Arbeit und schaffte damit die Grundlage für nationale und internationale Sexindustrien, mit global boomenden Profiten.

In ihrem Buch analysiert Jeffreys diese Entwicklung. Dabei wendet die langjährige Aktivistin ein radikalfeministisches Rahmenkonzept an, in dem „Prostitution als schädliche kulturelle Praktik verstanden wird, die eine Form von Gewalt gegen Frauen ist und deren Grundlage die Unterdrückung der Frau ist.“

Folgerichtig bezieht sie Kinder- und Zwangsehe, Pornografie, Militärprostitution, Sextourismus und Frauenhandel in ihre Untersuchung ein und widmet ihnen eingehende Kapitel mit aufschlussreichen Einsichten in die komplexen Zusammenhänge, die diesen Phänomenen zugrunde liegen und sie bedingen.

So schlägt sie im Kapitel zum Thema Militärprostitution den Bogen von den zwangsprostituierten „Trostfrauen“, die der japanischen Armee zu Diensten sein mussten, über die Bordelle im Kosovo, in denen sich Soldaten der Friedenstruppen mit gehandelten Frauen vergnügten, bis hin zu den Vergewaltigungslagern in Bosnien.

Sheila Jeffreys ist Professorin im australischen Melbourne und arbeitet speziell zu den Themen Sexindustrie, Frauenhandel, Schönheitspraktiken, Pornografie, feministische internationale Politiken, sexuelle Gewalt in Kriegen, HIV, AIDS, lesbische Politiken u.a.

 

 

Besprechung: Clara Hoffmann

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